Full text: Hessenland (10.1896)

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Sterbezimmer des Sängers hören ließ. Zu der 
selben Stunde, an welcher er seinen liedersüßen 
Mund sür immer geschlossen hatte, ließ sich ein 
langgezogener, rasselnder Wchelaut vernehmen, 
der in einem schrecklichen, schrillen Seufzer dahin 
schwand. Die neuen Wohnungsinsassen schauderten 
bei diesem geheimnißvollen, entsetzlichen Ton im 
Innersten zusammen und fanden für denselben 
keine andere Erklärung, als daß der dahin 
gegangene Derska sich von der Stätte, wo er 
Jahre lang gehaust, nicht trennen könne und zu 
der Stunde, wo er so früh dahingeschieden, in 
den gewohnten Ranin wiederkehre und ihn mit 
seiner Klage erfülle. Schon dachten sie daran, 
das Logis zu kündigen, als sie die Entdeckung 
machten, datz in dem unter der früheren Schlaf 
stube Derska's gelegenen Zimmer sich eine große 
Hängelampe befand, deren Kette beim Aufwinden 
die rasselnden, schreckenerregenden Töne von sich 
gab." 
„Eine vorzügliche Leistung Derska's war auch 
der ,Lafare' in .Aloise', einer Oper von Maurer, 
medes nach einer Pause fort. „Gegen Schluß 
derselben kommt ein mit sechs Schimmeln be 
spannter Wagen auf die Szene, in welchem 
Lafarc, der sich als Prinz entpuppt, abfährt -". 
„Die Geschichte, die Sie erzählen wollen, kenne 
ich schon," unterbrach der eigensinnige Herr den 
Archimedes. „Der alte Birnbaum, welcher immer 
faule Witze über die pappencn Pferde machte, 
bat u. a. als Gnade von dem Prinzen sich ein 
paar Ableger davon aus. Ich weiß bestimmt, 
daß sic dies und nichts Anderes erzählen wollten. 
Ich kannte Ihr Histörchen schon, als ich noch in 
die Siebert'sche Schule ging und mit dem kleinen 
Spieß in Konflikt lag." 
„Allerdings will ich von den Pferden in 
,Aloise' erzählen," erwiderte Archimedes, „aber 
etwas Anderes, als Sie meinen, denn meine kleine 
Geschichte beginnt erst da, wo die Ihrige auf 
hört." 
„Dann schießen Sie los, aber ich möchte fünf 
gegen eins wetten, daß ich auch diese Geschichte 
schon kenne." 
(Forschung folgt.) 
welche hier sehr gern gesehen wurde", fuhr Archi- 
An mein Seimathiand. 
ISXtie ging so schnell die Zeit dahin» 
Seil ich babon gefahren 
And bon dir fortgezogen bin 
Vor langen ¿brandig Jahren! 
M ich auch lern das Haus gebaut» 
Hab' ich mein liebes Hessen, 
Wein Heimathland so lieb und traut» 
Doch nimmermehr bergessen. 
Ich denke heut' der Jugendzeit, 
Die mich mit dir berbunden, 
Der gold'nen Kindesfröhlichkeit, 
Der selig sähen Stunden. 
Das alles dank' ich freudig dir 
ülttb mehr —: mein Glück im Heben; 
Denn die den Herd gebaut mit mir» 
Hast du mir auch gegeben. 
.Äur üüchtig sah ich wieder dick 
Im schnellen Jaus der Jahre, 
Aun zieht das Herz, mich wonniglich» 
Daß hin ;u dir ich fahre. 
Mit Weib und Kindern komm' ich hier, 
Der Arbeit Kuhepause 
Will ich geniehen nun bei dir. 
Wo einst ich war zu Hause. 
Sckon grühen mich die Hergeshöh'n, 
Die lange ich entbehret, 
Des Waldes Grün» wie herrlich schon! 
Nnd nun wird eingekehret 
Hei dir, mein Hessen. Welche Hust! 
G, klinget, frohe Hieder! 
Die Freude schwellet Herz und Hrust: 
Die Heimath hat mich wieder! p. M. 
Aus alter mtò neuer Zeit. 
Zur Vorgeschichte der Kasseler Blessen. 
Bekannt ist, daß die regelmäßige Abhaltung der 
Kasseler Blesse mit dem 29. August 1763 be 
ginnt, nachdem das Meß ha ns im Jahre zuvor 
fertiggestellt war. Durch ein im Besitz der Landes- 
bibliothek befindliches Schriftstück sind wir aber 
nunmehr in der Lage den Beweis zu erbringen, 
daß bereits erheblich früher die Veranstaltung 
regelmäßig wiederkehrender Messen in Kassel in's 
Allge gefaßt worden ist. Es enthält dieses Akten 
stück drei Aussätze des Licentiaten Johann 
Heinrich Hund aus dem bekannten gegen Ende
	        

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