Full text: Hessenland (10.1896)

191 
von Schuld an dem Niedergang des Schützen 
corps ist auch die bürgerliche Behörde nicht, be 
trachtete doch der Bürgermeister Schomburg die 
Schützengesellschaft laut seiner Aeußerung in einem 
Berichte vom Jahre 1831 lediglich als eine 
Anstalt zu gemeinsamen geselligen und bürgerlichen 
Zwecken, eine Anschauung, die zwar mit den da 
maligen Verhältnissen, aber nicht mit der Geschichte 
des Schützencorps vereinbar war. 
Unter solchen Umständen wird es nicht eben 
Verwunderung erregen, daß die Abgabenfreiheit 
für die besten Schützen unter dem 26. August 1822 
und die öffentlichen Schützenauszüge unter dem 
7. Mai 1823 aufgehoben wurden, sodaß von den 
Vorrechten der Schützen allein die sogenannte 
Herrengabe noch bestehen blieb. Bereits vorher, 
im Jahre 1821, war der Antrag des Schützen 
kollegiums an das Steuerkollegium, Allerhöchsten 
Orts die Niederschlagung der den Schützen aus 
der Generalkriegskasse geborgten 4400 Reichs 
thaler auszuwirken, den Bürgermeister Schomburg 
noch dahin ausdehnte, Se. Königliche Hoheit der 
Kurfürst möge den Schützen nicht nur das 
schuldige Kapital nebst rückständigen Zinsen in 
Gnaden erlassen, sondern ihnen auch zur Wieder 
herstellung des verfallenen Schützenhauses und zur 
Erfüllung ihrer übrigen Verbindlichkeiten eine 
weitere allergnädigste Unterstützung bewilligen, 
'sehr ungnädig abgewiesen worden. 
So ging das Schützencorps seiner allmäh 
lichen Auflösung entgegen. Im Oktober 1829 
verkaufte es seine Musikinstrumente und die 
Uniformstücke der Hoboisten, und so hatte denn 
im Jahre 1831 das Schützencorps, das nach dem 
Handbuche des kurhessischen Militär- und Zivil 
staats einen Theil des kurfürstlichen Armeecorps 
ausmachte, aufgehört zu bestehen, nachdem die 
letzten Mitglieder in die Reihen des Bürger 
bataillons getreten war. Das Schützenhaus 
wurde vom Staate, dem es wegen der Forderung 
des Staatsschatzes an das Schützenbataillon von 
4400 Reichsthalern verpfändet war, als herren 
loses Gut in Besitz genommen, und später, am 
16. Januar 1838, der Stadt Kassel, auf deren 
Grund und Boden es erbaut war, gegen Zahlung 
von 1900 Reichsthalern und Begleichung der 
übrigen kleinen Schulden der Schützen in der 
Höhe von 732 Reichsthalern das alleinige und 
ausschließliche Eigenthum daran käuflich überlassen. 
Kurprinz Friedrich Wilhelm schlug dann das 
Kapital mit den rückständigen Zinsen nieder und 
vollzog damit einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit. 
4S---K- 
Um die Lindenblüthe. 
f m Waldrand geht der Lindenduft 
So süß vertraulich ab und auf; 
Sein Schatz, die milde Abendluft, 
Aam über's Thal im leichten Lauf. 
Da flüstert's denn und girrt und lacht, 
Fern rauscht der Fluß ein Liebeslied, 
Und durch die sanfte Sommernacht 
Das Glück auf tausend Wegen zieht. 
Rauschenberg. 
Sieh nur, was hinterm Busch dort blinkt, 
Wie Lockenhaar im Mondlicht weht? — 
Ist nicht, was nun herüberklingt, 
Der Aüsfe werbendes Gebet? — 
Der Lindenduft geht hin und her 
Mit seinem Schatz im Dämmerschein . . . 
Doch muß wohl so von ungefähr 
Lin anderes paar int Wald noch fein. 
Valentin Hrairdt. 
Erzalitungen der drei Männer im Backofen. 
Mitgetheilt von Wilhelm Bennecke. 
MN der Nähe des Hoftheaters lag eine Kon- 
Crs> ditorei, deren Hinterstübchen bei Tag in 
ein stetes Halbdunkel gehüllt war, da dieser 
Raum kein Fenster besaß und sein Licht vom 
Laden her durch eine mit weißen Vorhängen ver 
sehene Glasthüre empfing. Früher war hier die 
Backstube des Konditors gewesen, und so wurde 
das Hinterstübchen der Backofen genannt. In 
demselben fanden Abends sich stets einige Herren 
ein, um Punsch oder Grog zu trinken; zu diesen 
wenigen Stammgästen zählten nun längere Zeit 
drei Personen, welche sich mit nicht ganz all 
täglichen Geschichten unterhielten, die einer der 
Anwesenden, der Welt- und Weinreisende Nikodemus
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.