Full text: Hessenland (10.1896)

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Und, was niemand ja vergesse, 
Tapfer, mnthig auch dabei. 
Er, des Chatten würd'ger Sohn, 
Strebt nach keinem schnöden Lohn . . . 
um ihn mit nachstehender Strophe zn schließen: 
Möge Fürst und Volk umschlingen 
Fest der Liebe heilig' Band! 
Heil und Segen wird es bringen 
Unserm theuren Vaterland. 
Ja, der Väter Treu' und Ruhm 
Sei auch uns ein Heiligthum. 
Daran schließt sich die Reise durch Stadt und 
Land. 
Von Kassel und Wilhelmshöhe heißt es: 
Hier liegt an dem Fuldaflusse 
Kassel. Hessens erste Stadt. 
Sie, die Residenz des Fürsten, 
Die zu seh'n viel Schönes hat, 
Sah seit Landgraf Heinrich schon 
Manchen Herrscher auf dem Thron. 
An den Füßen dreier Hügel 
Breitet sich die Stadt hier aus, 
Große Plätze mit Palästen, 
Kirchen, manches schöne Haus 
An den breiten Straßen hier 
Sind derselben schönste Zier. 
In der Au', dem schönen Haine, 
Ziehen Schwäne durch die Fluth, 
Und die Nachtigallen singen 
In des Abendrothes Gluth. 
Schaut hier in dem Marmorbad, 
Was die Kunst gebildet hat. 
Auf des Karlsbergs höchstem Theile 
Steht auf einem Riesenschloß 
Herkules mit seiner Keule, 
Einunddreißig Fuße groß. 
Der nach Kassel immer schaut; 
Landgraf Karl hat ihn erbaut. 
Wasser stürzen von den Höhen, 
Wasser steigen himmelan. 
Um die Löwenburg zu sehen, 
Gehet man die linke Bahn. 
In der Burgkapelle ruht 
Kurfürst Wilhelm sanft und gut. 
Bei dem alten, weißen Steine 
Liegt das Lustschloß Wilhelms höh', 
Das sich mit dem grünen Haine 
Spiegelt in des Waldes See. 
Wenn die Flur begrüßt den Lenz. 
Wird's des Fürsten Residenz. 
Weiter weiß Schaffer u. a. zu erzählen: 
Nach Hofgeismar nun gewandert. 
I m m e n h a u s e n , G r e b e n st e i n, 
Sababurg im Reinhardswalde, 
In Karlshafen kehret ein! 
Schau, die Diemel fließet hier 
In die Weser, merk' es Dir! 
Und nun geht es nach Wolfhagen, 
Auch nach Zierenberg alsdann; 
Naumburg liegt am Flüßchen Elbe, 
In V o l k m a r s e n haltet an. 
Hier der Dörnberg, hoch und kahl, 
Dort die Malsburg — schaut einmal! 
In dem G u d e n s b e r g e r Amte 
Findet Metz und Maden ihr; 
Uns're alten tnpf'ren Väter 
Hatten ihren Hauptsitz hier. 
In dem heil'gen Götterhain 
Gruben sie die Urnen ein. 
Homberg, an des Schloßbergs Fuße, 
Hat ein Lehrer-Seminar, 
Das bisher in Kassels Mauerit 
Ueber fünfzig Jahre war. 
In H o l z h a u s e n gießt man fein 
Oefen, Töpfe, groß und klein. 
Hersfeld, das in alten Zeiten 
Abtei war, dann Fürstenthum, 
Läßt viel schönes Tuch bereiten, 
Und das bringt ihm Geld und Ruhm. 
Schiffbar wird die Fulda jetzt, 
D'rum herbei in's Schiff gesetzt! 
Mit dem Dampfschiff geht's nach S ch a u m b u r g, 
Es liegt weit vom Hessenland. 
Rinteln hier, dort Obernkirchen, 
Oldendorf ist Euch bekannt; 
Rodenberg und Nenndorf hier, 
In dem Bade bleiben wir. 
Oben auf dem Nesselberge 
Adolph's Schloß gar stattlich stand. 
„Schau 'ne Burg!" sprach Kaiser Konrad*), 
Schaumburg heißt darum dies Land; 
Reich an Kohlen, Sandstein, Flachs, 
Salz. Getreide, Honig, Wachs. 
Marburg — mit den Professoren 
Und Studenten — lieget hier. 
Ziehst Du ein zu seinen Thoren, 
Mußt Du lernen für und für. 
Kopf und Geld vergiß ja nicht. 
Sonst bist Du ein armer Wicht! 
Nun zum Kreise Kirchhain, Lieber! 
R a u s ch e n b e r g, A m ö n e b u r g; 
Kirchhain lieget gegenüber, 
Ohm und Wohra fließen durch. 
Schweinsberg hier und Neustadt dort. 
Jetzt zum Schröcker-Brunnen **) fort. 
In dem Ziegenhainer Kreise 
Liegt am Knüllberg Schwarzenborn, 
Hier bei Ziegenhain und Tr eise 
Baut man Weizen und viel Korn; 
Nach Neukirchen gehen wir, 
Dann nach O b e r a u l a hier. 
Schöne Kühe, stolze Pferde 
Giebt es hier im Schwül mer Land, 
Und des Hirten weiße Herde 
Graset an des Flusses Rand. 
Butter, Käs' den Gästen beut 
Hier die schmucke Schwälmer Maid. 
*) Konrad II. 
**) Den die heilige Elisabeth oft besucht haben soll.
	        

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