Full text: Hessenland (10.1896)

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er sey klein oder groß, daß man nerlich Holz 
erkennen kann, abschieße und auf die Erde fiele, 
soll deme sobalt ein Schreckenberger gehandtreicht 
und zugestellt werden". Zur Bestreitung der 
Preise, von betn ersten abgesehen, hatte jeder 
Schütze einen halben Gulden einzulegen, die Be 
theiligung war also auch minder Wohlhabenden 
möglich als bei dem oben erwähnten, vor: Georg 
von Scholley veranstalteten Schießen. 
Daß das Armbrustschießen in Kassel noch 
weiter betrieben wurde, unterliegt keinem Zweifel; 
denn am 5. Mai 1596 bestellte Landgraf Moritz 
bei Pawel Kandeler in Nürnberg „zu behuef 
Ulsters Armbrustschießens" 500 Bolzen von 2 */2, 
3, 3*/2, auch 4 und 4 1 / 2 Lothen und forderte 
deren schleunigste Herstellullg und Uebersendung. 
Aus einem Schreiben des landgräflichen Schwagers 
Herzog Johann Ernst zu Sachsen an den 
Landgrafen wissen wir ferner, daß für Ende 
Julli 1600 ein Schießen mit Armbrust und 
Doppelhaken geplant war. Beide Aktenstücke sind 
gleichfalls von Landau aufbewahrt. Zu beiden 
wurden die Einladungell weit verbreitet, um 
zahlreiche Theilnehlner nach Kassel zu führen. 
Diesen von Kassel aus nach auswärts er 
gangenen Einladungsschreiben entsprach es, daß die 
Kasseler bezw. hessischen Schützen nun ihrerseits zu 
Schützenhöfen nad) anderen Orten reisten, nicht ohne 
dazu voll Seiten ihrer heimischen Behörden Unter 
stützung zu erhalten. Im Jahre 1613 wurde solche 
„llach altem Herkommen" den Kasseler Schützell, 
welche gen Heiligenstadt oder Duderstadt auf aus 
geschriebenes Schießen auszogen, im Betrage von 
272 Gulden zu Theil, nnb zwar aus Mitteln 
der Stadt, bereit Kämmerer am 25. September 
1613 vom Bürgermeister zur Zahlllllg angewiesen 
wurde. Am 12. September 1617 erhielten der 
Kasseler Schütze Reinhold Löbe und seiil Geselle, 
welche nach Mengeringshausen auf das Schießen 
ziehen wollten, voll bem Stadtkämmerer 2 Gulden 
ausgezahlt. 
Auf einem außerhalb Hessens, wo ist leider 
nicht zu ersehen, am 10. Oktober 1596 ab- 
gehaltenell Schützellhof, waren neben vielen andern 
Städten von jetzt hessischen folgeilde vertreten: 
Kassel, Marburg, Fulda, Hersfeld, Eschwege, 
Rotenburg, Melsungen, Hofgeismar, Fritzlar, 
Homberg, Witzenhansen, Ziegenhain, Treysa, 
Wolfhagen. Gudensberg, Lichtenau, Waldkappel, 
Grebenstein, Jmmenhausen ttnb Spangenberg. 
Dafür, daß die Schießübullgell int Hessischen 
nicht nachließen, sorgten die Landgrafen immer 
mehr, zumal die Zeitkäufe sich mit dem Beginn 
des 17. Jahrhunderts bald kriegerischer gestalteten. 
Von mehreren Ortschaften sind Quittungsbelege 
über aus fürstlichen Mitteln empfangene Zuschüsse 
zu den Zwecken der Schützen im Besitze der Landes 
bibliothek, so abgesehen von Kassel selbst in Bezug 
auf Gießen (1624), Romrod bei Alsfeld (1625), 
Frankenberg (1631), Rauschenberg (1633), St. Goar 
(1634, 1644), Marburg (1637). Die Beiträge 
bewegten sich in den Grenzen von 2—9 Gulden 
jährlich. Auch die einzelnen Stadtobrigkeiten 
steuerten wohl bei, wenigstens kehrt in den 
städtischen Rechnungen von Kassel, von dessen 
offener Hand für Schützenzwecke oben die Rede 
war, seit dem Jahre 1603 ein Posten von 3 Gulden 
für die Büchsenschützen ständig wieder. 
Das 17. Jahrhundert war in seinem weiteren 
Verlauf für die Entwickelung des Scheibenschießens 
wie die Organisation der Schützen von erheblicher 
Wichtigkeit. Nach wie vor nahm sich der Landes 
herr der Angelegenheiten der Schützen an. So 
spendete Landgraf Wilhelm VI. für das am 
29. Juli 1654 in Kassel abgehaltene große 
„allgemeine Preisschießen", zu dem alle Schützen- 
meister und Schießgesellen durch Ausschreiben 
eingeladen wurden, 50 neue Wilhelmsthaler zu 
Geldpreisen für die besten Schützen. Nach der 
neuen Schützenordnung von 1665, von der noch 
mehr die Rede sein wird, stiftete die Regentin 
Hedwrg Sophie, die Schwester des großen Kurfürsten 
von Brandenburg, zu dem am Osterdienstag be 
ginnenden Schießen 12 Gulden für die Herren 
gabe, Bürgermeister und Rath aber 6 Gulden 
jährlich. Landgraf Karl erhöhte im Jahre 1711 
die bisher bewilligte. Herrengabe um 4 Reichs 
thaler und bestimmte, daß der beste Schütze an 
Höchstseinem Geburtstage, abgesehen von den 
äußeren Ehren und dem Geldgewinn, die ihm 
winkten, für ein Jahr von jeder Kontribution, 
Geschoß und anderen Lasten befreit sein sollte. 
Derselbe Landgraf ließ zu dem an der Stelle 
des alten, mindestens seit 1681 baufälligen, 
aber erst int Jahre 1712 für 7 Reichsthaler 
16 Albus auf Abbruch verkauften Schützen 
hauses auf betn Werder an der Fulda, das 
in der Ordnung von 1665 zuerst genannt 
wurde, geplauten Neubau im Jahre 1706 die 
Hälfte der Baumaterialien an Mauersteinen, 
Kalk, Backsteinen und Eichenstämmen aus dem 
fürstlichen Bauhöfe anweisen und verlieh unter 
dem 7. März 1713, „um das zu bauen im Werk 
begriffene Schützenhaus", dessen Bau also nur 
langsam vorrückte, „desto eher zur Perfektion zu 
bringen", den Kasseler Schützen das Privileg, 
Wein, Bier, Broihan ttttb Brandtwein auszu 
schenken. Bis dahin war nach der Ordnung von 
1665 nur gestattet gewesen, daß an den Schieß 
tagen ein Kannengießer und ein Krämer ihre
	        

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