Full text: Hessenland (10.1896)

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Gr« f.*) 
Mer Wind trägt zu dem Seegestade 
^ Ein frohes Rauschen mächtig fort. 
Und auf. den Wogen eilt es westwärts. 
Zu suchen warmer Herzen Port —: 
Es grüßen Euch die blauen Hessenberge, 
Der. sanften Thale reiche Sommerpracht, 
Der Dörfer Frieden und der Quellen Murmeln, 
Der weiten Wälder milde Märchennacht! 
Es jauchzt und jubelt in den Lüften, 
Erinnrung webt in aller Brust ! 
Wie Glockenläuten aus den Bergen 
Tönt fernher durch des Tages Lust —: 
Euch schlagen warm die treugewohnten Herzen, 
Euch, die umschlingt der Heimathliebe Band. 
In Freud' und Leid, in Lust und bangen Schmerzen 
Bleibt ewig eins mit Euch das Hessenland. 
*) Dem Hessischen Nationalverband von Nord 
amerika gewidmet zu seinem Bundesfeste am 6., 7. und 
8. Juli 1896 (s. „Hessenland" 1896, Nr. 5, S. 64). 
Und wenn ein seliges Beglücken 
In stiller Stunde Euch umweht. 
Ein altes Lied vom Fuldastrande 
Durch Euer Sinnen leise geht — 
Dann grüßen Euch die blauen Hessenberge. 
Der sanften Thale reiche Sommerpracht, 
Der Dörfer Frieden und der Quellen Murmeln, 
Der weiten Wälder milde Märchennacht. 
Durch Träume aus der Kindheit Tagen, 
Aus ernster Kämpfe schwerer Zeit, 
Die heute Eure Busen füllen 
Kling' wie ein Lied der Ewigkeit —: 
Euch schlagen warm die treugewohnten Herzen, 
Euch, die umschlingt der Heimathliebe Band! 
In Freud' und Leid, in Lust und bangen Schmerzen 
Bleibt drum auch eins mit unserm Hessen- 
land! 
Walentin Hrairdl, Rauschenberg. 
— 
Airs after uñó neuer Seit. 
Ein vom Superintendenten H. Orth zu Mar 
burg am 9. Dezember 1699 erlassenes Zirkular 
schreiben an die Metropolitanen und Pfarrer seiner 
Diözese läßt erkennen, daß bei einem Theil der 
damaligen Prediger eben keine große Frömmigkeit, 
keine reinen Sitten und keine Treue in Verwal 
tung ihres Amtes vorhanden waren. Deshalb und 
„damit nicht durch des Pfarrers Person, büße more« 
und Leben, das Hl. Ampt verlästert werde" ver 
ordnet „ex autoritate officii“ der Superintendent 
in sehr energischem Tone Folgendes: 
1. Weilen die Pfarrer bisher auf der Cantzley 
und Consistorio mit Prügelln, Stöcken, auch wohl 
Reuterstisieln und Sporen vor Verhör erschienen, 
welches doch der geringste Bürger nicht thut noch 
thun darff, wovon dann offters viele scoptische 
Reden gehen, als soll ins künfftige Niemand anders, 
dan in seinem priesterlichen Habit, Mantell, Umb- 
schlag, Schuhen re. wie er pflegt auf die Cantzel 
zu gehen, daselbst erscheinen, bey Straffe allemahl 
dem Convent 1 ¡2 Rthlr. zu geben. 
2. Die Maerckte, da kein respectos personarnrn 
ist, wolle doch ein jedweder, so viel als immer 
möglich, vermeiden, so er aber doch unumbgünglich 
darzu gehen muste, so wolle er sich hüten, daß er 
nicht reuterisch, mit großen Stiffeln, Pistohlen, 
langen croatischen und farbigen Mützen, braunen 
Reißeröcken re. ankommen; auch manchmahl in- 
cognito unter Juden undt Judengenossen herum 
vagire, Wucher und andere unziemende Hand- 
thierung treibe, worauf der Fiscalis cuiusvis 
Conventus Kundschaft zu legen, solches anzu 
zeigen und der Convent nach befindten zu straffen 
hat. 
3. Privatim mitt guten Freundten in der Furcht 
des Herrn sich zu ergetzen, und geziement zu laben, 
ist erlaubt. So aber das Gegentheil dem Superin 
tend. oder Convent angedeutet wirdt, poenam luat 
arbitrariam. 
4. Weilten Ich auch berichtet werdte, daß einige 
Pfarrer, welche den Staetten nahe gelegen, fast 
alle Sonnabent (da sie auf die Predigt studiren 
sollten!) in denselben erscheinen, herumb lauffen, 
auch offt biß an den Abent, Ja, auch wohl (o Schande!) 
sich einen Rausch sauffen, und dan den Sonntag 
eine alte Predigt, welche die Bauren fast auswendig 
zuvor sagen können, wieder auffwärmen, oder 
stammelnd jammer- und aergerlich hersagen, wie 
mir solches auch von hohen Personen ist angezeigt 
worden; alß soll extra casum necessitatis auff 
den Sonnabent in die Statt zu kommen, verbotten 
seyn sub poena arbitraria.
	        

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