Full text: Hessenland (10.1896)

161 
gest. 8. März 1705, war kurmainzischer Geheim 
rath und Reichstaxator bei dem Reichshofrath zu 
Wien. Von seinen zwölf Kindern gingen drei 
Töchter in Klöster, die fünf anderen wurden an 
hochgestellte kaiserliche Beamte, theilweise aus 
gräflichem Stande, vermählt; von den vier Söhnen 
waren drei ebenfalls kurmainzische, bezw. kur 
pfälzische Minister, einer Komthur des Maltheser- 
ordens und päpstlicher Hausprälat. Joh. Christoph 
von Gudenus' Nachkommen, welche durch Heirath 
und Kauf Güter in Oesterreich und Steiermark 
erwarben, theilen sich in eine österreichische und 
eine steiermärkische Linie. 
Der obige Urban Ferdinand Gudenus, geb. 
28. August 1634, gest. 9. März 1698, war Doktor 
und Professor der Medizin und Hofrath zu Mainz. 
Sein Sohn war der spätere Reichskammergerichts 
assessor Valentin Ferdinand von Gudenus 
zu Wetzlar, geb. 19. Juni 1679, gest. 
9. März 1758, ein Mann von ausgezeichnetem 
Fleiß und seltener Arbeitskraft, welcher sich durch 
die Herausgabe der mainzischen Urkundenwerke, 
des Codex diplomaticus Moguntinus, Sylloge 
u. a. um die Quellenforschung der deutschen 
Geschichte wie auch unserer engeren hessischen 
Heimath, soweit dieselbe zur ehemaligen Erzdiözese 
Mainz gehörte, bleibende Verdienste erworben hat, 
die um so größer sind, weil in den am Ende 
des 18. und im Anfang des 19. Jahrhunderts 
über das alte Reich und die Stadt und das Erzstift 
Mainz gekommenen Kriegsstürmen ein großer 
Theil dieses Urkundenmaterials zu Grunde ge 
gangen ist. Auch als Münzkundiger hat Valentin 
Ferdinand von Gudenus einen berühmten Namen. 
Auch er wurde nebst seines Bruders Söhnen 
Philipp Ferdinand, kurmainzischem Oberstwacht 
meister, und Valentin Ferdinand Leopold, Kapi- 
tular zu Aschaffenburg, durch Diplom vom 11. 
Januar 1746 in den Reichsfreiherrnstand erhoben. 
-i-WS 
Von seiner großen Arbeitskraft wird erzählt, 
daß er im Sommer von 4 Uhr, im Winter von 
5 Uhr Morgens bis Abends 7 Uhr mit einziger 
Unterbrechung von Mittags 12 bis 2 Uhr an 
seinein Arbeitstische beschäftigt war. Seine Schreib 
stube stieß unmittelbar an den Garten. Wenn 
die Glocke drei Viertel schlug, legte Gudenus die 
Feder nieder, öffnete die Gartenthüre und pro- 
menirte iin Garten, bis die Stunde ausschlug 
als ein Zeichen für die Wiederaufnahme der 
Arbeit.*) 
Georg Friedrich Gudenus' Stamm erlosch 1732 
mit Anselm Franz Gudenus, Propst zu Paradies 
in Westfalen. 
Der jüngste Sohn endlich, welcher des Vaters 
Namen Joh. Moritz trug und, wie oben bemerkt, 
zu Ingolstadt Jurisprudenz studirt hatte, war 
Doktor und Professor der Jurisprudenz zu Erfurt 
und kaiserlicher Hofpfalzgraf. Auch er hat sich 
um die Geschichtsforschung durch eine Nistoria 
ikrkurdeimis, welche sich in Joannis Herum 
Moguntiacarum T. III, p. 123 befindet, bleibende 
Verdienste erworben. Sein Sohn C h r i st o p h 
Ignatius von Gudenus, geb. 1674, wurde 
am 9. Juni 1726 ebenfalls als mainzischer Weih 
bischof zu Erfurt mit dem Titel eines episcopus 
Anemoriensis konsekrirt; er starb am 11. De 
zember 1747. 
Das Wappen der Gudenus zeigt die hessischen 
Farben weiß-roth: im rothen Felde einen stehen 
den weißen Mann mit ausgereckten Händen, in 
der rechten eine grüne Feder, in der linken einen 
nach unten gerichteten Stoßdegen haltend, auf 
einem Drachen stehend, auf dem Helme ein rothes 
Herz, die Helmdecken sind weiß und roth. **) 
*) Rhein. Antiquarius II, 3, S. 796. 
**) Siebmacher's Wappenbuch. V, S. 104. 
Meiner Tage Frichroth! 
einer Tuge Frühroth 
Wnr kein leuchtend Glühroth; 
Dunklen Wolkenkranz berbramte 
Watten Wieks kaum das berschamte. 
Doch ich Holle muthboll, 
Daß mein Abend gluthboll 
Wird mit glühen Spatrothstrahlen 
Wir den Himmel rosig malen. 
Weibt jedoch er treudlos, 
Oder bringt mir Heid blos; 
Aun, Gott loird schon Helten tragen, 
Wenn sein Spatroth luill bersagen. 
Ludwig Mohr. 
;
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.