Full text: Hessenland (10.1896)

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Turnierkragen ein Wolf) und die abgekürzte Um 
schrift Prancisous Arnoldus Dei Gratia Epis- 
copus Paderbornensis, Sacri Romani Imperii 
Princeps et Comes Pyrmontanus. 
Während Hessen-Kassel die begonnene Kupfer- 
prägung alsbald fortsetzte, vergingen in Darm 
stadt fast 40 Jahre, ohne daß neue Kupfermünzen 
geschlagen wurden. Ludwig Vili. (1739—1768) 
prägte nur Gold und Silber, und erst unter 
Ludwig IX. (1768 —1790) beginnen im Jahre 
1773 wieder die Kupfermünzen, natürlich mit 
sehr verändertem Aussehen. Bis 1819 wurden 
fast nur Pfennige geprägt (in 47 Jahren 24 Jahr 
gänge), daneben 1776 Zweipfennig-Stücke, 1777 
Zollpfennige, 1805 von Ludwig X. (1790—1806) 
halbe und viertel Stüber, dann von demselben 
(als Großherzog Ludwig I. 1806—1830) halbe 
Kreuzer 1809 und 1817, viertel Kreuzer 1809, 
1816 und 1817. In den Jahren 1824-1855 
wurden von Ludwig I. (1806 — 1830), Ludwig II. 
(1830-1848) und Ludwig III. (1848—1877) 
als einzige Kupfermünzen Heller geschlagen (in 
32 Jahren 18 Jahrgänge), danach von Ludwig III. 
in der Zeit von 1857—1872 nur Pfennige (in 
16 Jahren 15 Jahrgänge, 1863 fehlt). Seit 
1874 sind dann einige Jahrgänge von Pfennigen 
und Zweipfennig-Stücken in Reichswährung ge 
prägt worden, jedoch beschränkte man sich bald 
auf die höheren Werthe, und schließlich ging die 
Münze zu Darmstadt ganz ein. Das Jahr ihres 
Eingehens ist mir nicht bekannt, von 1879 giebt 
es noch stücke mit ihrem Münzbuchstaben H, 
von 1888 an solche mit A, die Schließung fand 
also unter Ludwig IV. (1877—1892) statt, seit 
dem werden Stücke vom Zweimark-Stück an auf 
wärts für Hessen in Berlin geprägt. 
Die Linie Hessen-Homburg hat keine Kupfer 
münzen geschlagen; die wenigen Gold- und 
Silbermünzen sind sehr gesucht, besonders die 
kleineren Stücke zu 1, 3 und 6 Kreuzer. 
Den hessischen Münzsammlern bietet vorstehende 
Zusammenstellung kaum etwas Neues, wenn sie 
auch eine derartige Uebersicht über ein Gebiet 
von Münzen, deren Beschreibungen sonst nur 
zerstreut vorkommen, vielleicht freundlich aufnehmen 
werden. Den sonstigen Freunden unseres Heimath- 
landes und Lesern dieser Zeitschrift hoffe ich einen 
Einblick in ein wichtiges Gebiet unseres Kultur 
lebens haben geben zu können. 
Moritz Gudenus. 
Bon A. Heldmann. 
(Schluh.) 
n der Folgezeit setzten beide Konvertiten ihren 
Briefwechsel fort, und der konvertirte Pfarrer 
von Abterode in seiner weltlichen Amtmanns 
stellung zu Treffurt, zu der ihn Erzbischof Anselm 
Kasimir hatte kommen lassen, gab dem Land 
grafen über theologische Streitfragen, z. B. über 
den Kultus der Jungfrau Maria und über die 
ihr in der Anrufung zu gebenden Bezeichnungen, 
über welche die katholischen Orden unter sich 
stritten, Belehrung und Aufschluß. Auch sonst 
betheiligte er sich in theologischen Schriften an 
den seine Zeit bewegenden Streitfragen zwischen 
Protestanten und Katholiken. Als Andreas 
Wigand zur lutherischen Kirche übertrat und das 
Alter der katholischen bestritt, setzte ihm Gudenus 
unter dem Namen eines Catbolicus Laicus eine 
„Erklärung" 1671 entgegen, zu der ihm Land 
graf Ernst gratulirte. Doch sind nicht alle seine 
Schriften zum Druck gekommen, namentlich nicht 
eine gegen des Skribenten Phil. Andreas Olden 
burger (Burgoldensis) Notitia rerum imperii 
verfaßte Widerlegnngsschrift. 
Als er nach 38 jähriger Ehe, in welcher ihm 
9 Kinder, 5 Söhne und 4 Töchter geboren 
waren, von denen eine Tochter im Kindesalter, 
eine andere nach ihrer Berheirathung vor ihm 
starben, seine Gattin verloren hatte, ging er mit 
dxm Gedanken des Wiedereintritts in den geist 
lichen Stand um. Sein hohes Alter und die 
Meinung seiner Unwürdigkeit hinderten ihn 
daran, und ein gottseliger Mann rieth ihin davon 
ab, weil er im weltlichen Stande mit heiligem 
Leben und gutem Exempel mehr aufzubauen 
scheine.*) Der Erzbischof Johann Philipp (von 
Schönborn) von Mainz (1647—1673) hatte 
ihm zweimal weit einträglichere Dienste als die 
Stelle zu Treffurt angeboten. Gudenus schlug 
sie ebenso aus, wie die Wünsche seiner Gattin 
nach Landgütern, zu deren Erwerb ihm Gelegen 
heit geboten war. Er fürchtete den Reichthum 
als eine Last auf dem Wege zum ewigen Leben, 
denn großer Reichthum, meint er, sei den Eltern 
*) Septem Panes, S. 136.
	        

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