Full text: Hessenland (10.1896)

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die Inschrift 111 HELLER | SCHEIDE | MVNTZ | 
17231. Ebenso sehen die Heller von 1724 aus, 
dagegen wurde von 1725 an der Löwe durch das 
gekrönte Monogramm aus C L (Carl Landgraf) 
ersetzt (Hoffmeister 1787). Zweiheller-Stücke wurden 
unter dem Landgrafen Karl nur einmal, im Jahre 
1727, geprägt; sie sind natürlich größer als die 
Heller und enthalten die Werthzahl II, außerdem 
aber unterscheiden sie sich von jenen dadurch, daß 
zu den Seiten des Monogrammes die Buchstaben 
Z — H (zu Hessen) stehen (Hoffmeister 1812). 
Wesentlich anders ist die Vorderseite der in den 
Jahren 1726 und 1728 geprägten Dreiheller- 
Stücke, indem sie das Kopfbild des Landgrafen 
(von der rechten Seite) mit der Umschrift 
CAROL : DG : - HASS : LANDGR. (Carolus 
Dei Gratia Hassiae Landgravius) zeigen (Hoff 
meister 1817). Die meisten dieser Stücke aus 
dem Jahre 1728 haben neben der Werthzahl III 
eine eigenthümliche Erhöhung, in der man einen 
Kuhfuß erblicken wollte. Das Volk erzählte sich 
(wie Hoffmeister in seiner Münzkunde S. 48 mit 
theilt), daß in damaliger Zeit eine auf dem 
Forste bei Kassel weidende Kuh einen Klumpen 
Kupfer ausgescharrt habe, daß man aus diesem 
Kupfer jene Dreiheller-Stücke von 1728 habe 
ausprägen und zur Bezeichnung jenes Ausscharrens 
einen Kuhfuß auf dem Gepräge nachahmen lassen. 
Schon damals hielt man entgegen, daß die Er 
höhung, wenn sie überhaupt einen Fuß (oder 
richtiger ein Bein) darstelle, einem Einhufer und 
nicht einem Zweihufer angehöre. Dann aber 
kamen mit der Zeit einige Stücke zum Vorschein, 
auf denen das Pferdebein fehlte und nur eine 
feine linienartige Erhöhung an seiner Stelle zu 
sehen war. Damit war die Sache aufgeklärt: 
Der Stempel hatte einen feinen Riß gehabt und 
dieser Riß hatte sich unter der Gewalt des 
Prägens schon nach der Anfertigung der ersten 
Stücke stark erweitert und dabei zufälliger Weise 
die Gestalt eines Pferdebeines angenommen. Mit 
der Kupferhaltigkeit des Kasseler Forstes war's 
also nichts. 
Die Herrschaft Schmalkalden hatte ihre besondere 
Währung, die aus mehreren anderen gemischt 
war. Deshalb wurden für sie wiederholt be 
sondere Münzen geschlagen, so auch seit 1724 
besondere Kupfermünzen. Schmalkalder Heller, 
sogenannte dürre Heller, von denen oft zwei auf 
einen niederhessischen Heller gerechnet wurden, 
wurden von Karl in den Jahren 1725 und 1726 
geprägt. Diese ersten Schmalkalder Heller (Hoff 
meister 4819), die übrigens nicht häufig vor 
kommen, zeigen das ungekrönte Monogramm 
aus C L (in Schreibschrift) und die Inschrift 
111 SCHMALE. | HELLER 11725 »der 1726] |. 
Aehnlich sehen die seit 1724 geprägten Schmal 
kalder Pfennige und Stücke zu 1V» Pfennig aus 
(Hoffmeister 1778 und 1786). — 
Wir haben danach von Karl aus den ersten 
sechs Jahren, von 1723 an, folgende Kupfer- 
gepräge: 1 Heller: 1723, 1724, 1725, 1726, 
1727, 1728; 2 Heller: 1727; 3 Heller: 1726, 
1728; 1 Schmalkalder Heller: 1725, 1726; 
1 Schmalkalder Pfennig: 1724,1726; !-/- Schmal 
kalder Pfennig: 1725, 1728. • 
Andere Werthe in Kupfer wurden erst später 
geprägt, und zwar l'/r Heller im Jahre 1746 
von Friedrich I. (1730—1751), Hanauische Zwei- 
heller-Stücke im Jahre 1745 und Heller seit 
1739 von Friedrich's Bruder Wilhelm, der schon 
bei dessen Lebzeiten die im Jahre 1736 an 
Hessen-Kassel gefallene Grafschaft Hanau-Münzen- 
berg regierte (als Wilhelm VIII. Landgraf 
1751 —1760); ferner von Friedrich II. (1760 bis 
1785) Vierheller-Stücke seit 1760, Stücke zu 6 
und 8 Hellern (die sogenannten „Schusterthaler") 
seit 1772, für Oberhessen ganze, halbe und viertel 
Kreuzer seit 1783, für Schaumburg „gute" 
Pfennige seit 1769; endlich vom Erbprinzen 
Wilhelm, der 1760—1785 zu Hanau regierte, 
Hanauische Kreuzer vom Jahre 1773. 
Die Linie Hessen-Darmstadt entschloß sich zwölf 
Jahre später als die von Kassel zur Prägung 
von Kupfermünzen, im Jahre 1735 ließ nämlich 
der Landgraf Ernst Ludwig Stücke zu 1, 2, 3, 
4 und 6 Pfennigen in Kupfer schlagen. Sie 
stimmen in der Prägung alle fünf im Wesent 
lichen überein: die Vorderseite enthält das Mono 
gramm aus E L mit dem Fürstenhut und die 
Umschrift FURSTL. HESS. DARMST. LAND- 
MUNTZ, die Rückseite dagegen in einer Kartusche 
die Werthzahl und als Umschrift ANNO DOMINI 
1735 (Hoffmeister 3648). Als Muster für die Rück 
seite hatten offenbar Paderbornische Kupfermünzen 
gedient, aber merkwürdiger Weise nicht die des da 
maligen Bischofs Clemens August (1719 — 1761), 
der übrigens zugleich Kurfürst von Köln war, son 
dern die seines Vorgängers Franz Arnold Freiherrn 
von Wolf Metternich zu Gracht, auch nicht dessen 
letzte Kupfergepräge (von 1718), sondern dessen 
erste (von 1706). Auch auf den Sechspfennig- 
Stücken dieses Bischofs von 1706 zeigt die Rück 
seite in einer Kartusche die Werthzahl und als 
Umschrift ANNO DOMINI 1706. Die Vorder 
seite ist dagegen ganz anders gestaltet; sie zeigt 
in einer Kartusche das viersilbige Stiftswappen 
(in Feld 1 und 4 das Paderbornische Kreuz, 
in Feld 2 und 3 das Pyrmontische Ankerkreuz) 
mit dem Metternich'schen Herzschild (unter einem
	        

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