Full text: Hessenland (10.1896)

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früher schon zur Einführung der Kupfermünzen 
entschlossen. Abzusehen ist hierbei zunächst von 
den etwas rätselhaften kupfernen Marken aus der 
Zeit Wilhelm's IV., die als Grundsteiiimarken 
für die Bastionen der Festung von Kassel gedient 
zu haben scheinen.*) Ferner gehören nicht hierher 
Kupferabschlüge von Gold- und Silbermünzen, 
so z. B. der in meinem Besitze befindliche seltene 
Kupferabschlag eines für Schaumburg vom Land 
grafen Karl 1680 geprägten silbernen Hohl 
pfennigs (Hoffmeister, Beschreibung aller hessischen 
Münzen, Nr. 4733). Endlich sind auch die aus der 
berüchtigten Kipper- und Wipperzeit (1619—23) 
stammenden fast wie Kupfermünzen aussehenden 
Stücke, insbesondere die Schreckenberger des Land 
grafen Moritz von 1621 und 1622, sowie die 
Kreuzer und Zweipfenniger Ludwig's V. aus 
dieser Zeit, nicht hierher zu rechnen, da sie that 
sächlich Silbermünzen vorstellen sollen. 
Erst der Anfall der Grafschaft Schaumburg 
an die Linie Hessen-Kassel führte zur Prägung 
wirklicher Kupfermünzen in Hessen. Im Jahre 
1640 war Otto VI., der letzte Graf von Schaum 
burg, gestorben, und 1648 wurde durch den west 
fälischen Frieden dem Hause Hessen-Kassel das 
jus directi et utilis in praefecturas Schaum 
burg, Buckenburg, Saxenhagen et Stadthagen 
an der Grafschaft zugesprochen. Schon am 19. Juli 
1647 hatte Hessen-Kassel mit dem Grafen 
Philipp zur Lippe, der Mitantheil an der er 
ledigten Grafschaft erhielt und dadurch zum Stifter 
der Linie Schaumburg-Lippe wurde, einen Ver 
trag geschlossen, in dem es heißt, daß Titel und 
Wappen nicht weniger als die Münzgerechtigkeit 
beiden Theilen gemeinsam bleiben sollen, und am 
12. Dezember 1647 wurde festgesetzt, daß „Sechs 
hundert Thaler an kleiner kupffern Müntz, darauf 
auf einer seiten ein Lawe, auf der Andern ein 
Nesselblatt, in beysein des hierzu von beiden 
Fürst- und Greffl. Deputirten beEydigten gesambt 
Zöllners zu Rinteln jetzo geschlagen werden soll". 
Ohne Zweifel hat man dann alsbald im Jahre 
1648 solche Kupfermünzen mit dem hessischen 
Löwen und dem schaumburgischen Nesselblatte 
geprägt, man darf also die dem Münzsammler 
bekannten Kupsergepräge dieser Art zu 6 und 
4 Pfennigen, die übrigens etwas selten geworden 
sind, in das Jahr 1648 setzen, obwohl sie selbst 
keine Jahreszahl enthalten. Stücke, auf denen 
der Löwe fehlt, sind mindestens zweifelhaften Ur 
sprungs, wenngleich später auch manchmal die 
*) Vergl. Hoffmeister in Memoires de la societe 
d'archeologie et de numismatique de St. Petersbourg, 
1848, S. 243 ff., und in Leihmann's numismatischer 
Zeitung. 1848, Nr. 16. Spalte 126. 
von Hessen für Schaumburg geprägten Münzen 
nur das Nesselblatt führen. Die von einigen 
Münzwcrken unter Hessen aufgeführten Pfennige, 
Mariengroschen u. ü. aus dem Jahre 1750, die 
lediglich das Nessclblatt führen, sind dagegen 
sicher vom Grafen Wilhelm I. (1748-1777) 
und nicht von Hessen geprägt worden. 
Wenn auch nun obige Stücke von Hessen ge 
schlagen worden sind, so waren sie doch für 
Schaumburg und nicht für das eigentliche Hessen 
geprägt. Hier schritt man erst später zur Kupfer- 
prägung. Das entsprechende Reskript des Land 
grafen Karl, datirt Cassell den 9ten Aug. 1723, 
hat folgenden Wortlaut: 
„Nachdem Uns; verschiedentlich fürgebracht 
worden, daß zu genugsahmcr scheidcinünze so 
wohl im Connnercio alß auch in abstattuug 
derer praestandorum es in Unser» Landen an 
eintzclncn Hellern ermangele, und solche wegen 
des jetzo gestiegenen silber prcyßes in einiger 
feine mit nutzen des publici zwar nicht zu 
inachen stünden, gleich wählen aber weder im 
handelt und wandelt noch bei entrichtig (!) der 
steur und Monathlicher contribution auch 
Amts-Càmmerey- und dergleichen gefällen ohne 
mercklichen schaden derer dantium nicht zu 
entbehren seyn; So haben Wir endlich in 
gnaden re8o1viret, diese kleine scheidemüntze 
nach dem Exempel derer Benachbarten Herr- 
schafften und derer meisten Eurvpaeischen Staaten 
aus purem kupfer prägen zu lassen, jedoch der 
gestalt, daß ein eintzeler Heller denen Fürst!. 
Braunschweig - Wvlsfenbüttelischen schwehren 
Pfennigen*) im gewicht wenigstens gleich komme, 
und die stückelung solchergestalt eingerichtet 
werde, daß nach Bezahlung des Kupfers undt 
derer auffs genaueste zu bedingenden Müntz- 
kvsten aufs den Centner Kupfer etwa Fünff rthlr. 
Überschuß verbleibe, wovon die Salaria mit 
zu bestreiten, das übrige aber Unß gehörig zu 
verrechnen ist; Darnach sich dann diejenige, 
so es angehet, zu achten haben." 
Alsbald begann denn nun auch in Kassel die 
Kupferprägung, der Medailleur Gabriel Hölting 
verfertigte die Stempel, und es wurden noch im 
Jahre 1723 kupferne Heller im Betrage von 
928 Thalern 4 Albus 6 Hellern geprägt. Diese 
ersten Kupfermünzen von Hessen-Kassel (Hoff 
meister 1765), von denen es drei Varianten 
(mit unbedeutenden Abweichungen) aus dem Jahre 
1723 giebt, zeigen auf der einen Seite den ge 
streiften, doppeltgeschwänzten Löwen, auf der anderen 
*) Diese das bekannte lauenburgische springende Roß 
zeigenden Münzen wurden bereits seit 1704 geprägt.
	        

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