Full text: Hessenland (10.1896)

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keineswegs die einzigen Waffengattungen, in deren 
Gebrauch man sich übte, sondern außerdem 
wurde auch mit zweipfündigen „Fa lcko netzten" 
(Feldstücken*) und Hakenbüchsen* **) nach der 
Scheibe geschossen. Diese Hakenbüchsen mit langen 
eisernen oder bronzenen Rohren mit Schwamm 
schlössern, die ihren Namen von einem am Schafte 
angebrachten eisernen Haken führten, welcher 
außen an der Schießscharte oder an einem 
dreibeinigen, Bock genannten Gestelle angelegt 
wurde, um den Rückstoß zu vermeiden, erforderten, 
wenn sie von schwerem Kaliber waren, wie die 
Doppelbüchsen, aus denen mit achtlöthigen Kugeln 
geschossen wurde, zwei Mann Bedienung. 
Das von Georg von Scholley, dem obersten 
Befehlshaber der Stadt und Festung Kassel für 
den 3. September 1581 anberaumte Preisschießen 
mit Feldschlangen, zu dem aus anderen Gegenden 
Deutschlands aus damaliger Zeit manches Analogon 
bekannt ist ***), wurde auf deni Werder auf 600 
Ellen Entfernung gegen eine schwebende, vier Ellen 
lange Scheibe abgehalten. 
Es durften sich neben allen vom Adel alle 
Büchsenschützen betheiligen, „so sich in Zeit der 
Noht in»- oder außerhalb der Vestungen vor 
Schutzen gebrauchen wollen lassen", so daß der 
Zweck des Schießens deutlich zll Tage trat. 
Als Preise waren für den besten Schützen 
ein Ochse, reichlich 20 Thaler im Werth, be 
stimmt, für den zweitbesten seidener Atlas zu 
einem Wamms. Dann hatte jeder Theilnehmer 
"1 S. Edelmann a. a. O. S. 29, 30. 
**) S. Edelmann a. a. O. S. 24. 
***) S. Edelmann a. a. O. S. 69—76. 
einen Gulden einzuschießen, damit aus diesen 
Einlagen weitere Preise errichtet werden konnten. 
Das Schießen mit den Doppelhaken sollte auf 
400 Ellen statthaben, der erste Preis bestand 
wieder in einem 20 Thaler-Ochsen, der zweite in 
4 Ellen Lundischem Tuch zu einem Rock oder 
Mantel, der dritte in einem Paar Hosen, der 
vierte in einem vom Landgrafen gestifteten seidenen 
Hut mit einer Straußenfeder und einer seidenen 
Fahne. Zwei weitere Preise sollten aus der von 
den Theilnehmern des Schießens erhobenen Ein 
lage von je 16 Albus beschafft werden, doch 
durften sich an der Bewerbung um die letzten 
Preise nur die bis dahin ohne Gewinst aus 
gegangenen Schützen betheiligen. Nicht ohne Be 
lang sind die übrigen Punkte des Ausschreibens 
des Georg von Scholley, in dem fortgefahren 
wird: „Wehr nun umb hochgedacht m. g. F. 
u. Hern Gaben gedenckt mit zu schißen, der soolde 
sich ein Tag 2 oder 3, wie ihme das geliebt, 
zuvor auhero nach Cassel vorfügen, dem söl durch 
Ihr. F. G. Zeuchwertter und Zeugschreiber ein 
Doppelhaken mit einem Schwammschloß sampt 
seiner Zugehör und ein halb Pfd. Pulver neben 
einem Pfd. Pley zugestellt werden, darmit seine 
Versuchsschuß zu tuhn. Und da derselbig ferner 
von Pulver etzwas von Nützten haben wird, sol 
ihme vom Zeuchwertter und Zeuchschreiber jedes 
Pfd. vor fünf Albus zu vorkeufen gefolget werden. 
Es sol auch ein jeder Schutz, so balt daz Schissen 
geendet, seinen empfangenen Doppelhaken auß- 
gewischet mit aller Zugehör dem Zeuchwertter 
und Zeuchschreiber bei Vermeidung einer nahm- 
haftigen Straf wieder überliefern und zustellen." 
(Fortsetzung folgt.) 
Me ersten hessischen Kupfermünzen. 
Von vr. Paul Weinmeister. 
^p^achdem im 17. Jahrhundert erst vereinzelt 
T^‘ angefangen worden war, Kupfermünzen zu 
&I prägen (z. B. von dem Bisthum Würzburg, 
den Städten Bocholt, Hamm u. a.), verbreitete sich 
im 18. Jahrhundert die Kupferprägung über fast 
ganz Deutschland und erhob so den bisherigen 
Tauschhandel, der bis dahin hei kleineren Be 
trägen immer noch unentbehrlich gewesen war, 
allmählich zu einem wirklichen Verkausshandel. 
Preußen führte unter Friedrich dem Großen 
1751 die Kupferprügnug ein, Oesterreich unter 
Maria Theresia 1760, in Sachsen ließ Kurfürst 
Friedrich August I., der seit 1697 zugleich König 
von Polen war, im Jahre 1721 den ersten 
Kupferpfennig schlagen, genehmigte aber dann seine 
Ausgabe nicht. Infolgedessen ist dieser Probe 
pfennig sehr selten und wird heute von Sammlern 
mit 36 Mark bezahlt; ja sogar für eine galvano 
plastische Nachbildung wurden vor einem Jahre 
3 Mark verlangt und — gegeben! Erst 1772 
(unter dem letzten Kurfürsten und ersten König 
von Sachsen) wurde dort das Kupfergeld thal- 
sächlich eingeführt. Demgegenüber hat Hessen 
unter richtiger Beurtheilung der Verhältnisse sich
	        

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