Full text: Hessenland (10.1896)

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mehr den eitelen Wind einiger Schmähung und 
Verachtung ob fidem catholicam, nachdem Ew. 
fürstl. Durchlaucht mit Dero klaren Schein (cum 
nihil clariore homine praefulgeat, quam reeta 
fides in principe) im geliebten Vaterlande 
voranstehen. Von dergleichen bei Ew. fürstl. 
Durchlaucht coram underthenigst zu gedenken und 
Dero gehorsambst ufzuwarten, habe ich etliche 
Jahr Gelegenheit gesucht, war auch im Majo 
nächst vorigen Jahres nach abgelegter meiner 
Rechnung zu Maintz in procinctu forters bei 
Ew. fürstl. Durchlaucht Residentz mich under 
thenigst anzumelden, aber dieselben waren ver- 
reyset". Gudenus hegte jetzt, wenn auch nicht 
für sich, so doch für seine Söhne, die Hoffnung 
einer Rückkehr und Anstellung durch Landgraf 
Ernst in der alten Heimath. „Mit meines jüngsten 
Sohnes Moritzen's, welcher itzo zu Ingolstadt 
juris prudenliae studirt, seiner thesium under- 
thenigsten dedication", schreibt er weiter an 
Ernst, „ist zu nichts anders gezielet, als bei Ew. 
fürstl. Durchlaucht dardurch in etwas zu in- 
notesciren. Könnte er oder sein älterer Bruder 
Christoph, welcher praxin zu sehen in Speyer 
sich aufhält, solche qualification erreichen, daß 
s war ein altes Universitätsstädtchen, in das 
eben der Frühling einzog. Zwar blies der 
Wind noch rauh aus Norden, und an jedem 
Morgen breitete der Reif ein silberschimmerndes 
Tuch über die Wiesen und Berggelände, aber 
die Sonne schien hell und warm und verkündigte 
strahlend, daß nun alle Wintersnoth ein Ende 
haben sollte. Im Thale spiegelten sich moderne 
Wohnhäuser und reizende Villen in dem klaren 
Gewässer eines schnell dahin eilenden Flusses. 
Oben auf dem Berge aber thronte eine alte 
Burg mit gewaltigen Steinmauern, an denen 
die Gothik nur bescheiden gemeißelt und gehämmert 
hatte. Trotzig sah das stolze Bauwerk auf die 
kleinen Behausungen seiner nächsten Umgebung, 
die wie Schwalbennester an den steilen Burgberg 
angeklebt waren, hernieder. 
Auf einem Absätze des mächtigen Bergkegels, 
gleich unter dem alten Schlosse, war früher der 
Frühling immer zuerst eingezogen und hatte in 
wohlgepflegten Gärten tausende von Frühjahrs 
ihrer einer zu Ew. fürstlichen Durchlaucht under- 
thenigsten Diensten hiernechst tauglich und etwa 
nach meinem Tod underthenigst suppliciren 
würde, so verhoffe demüthigst und bitte under 
thenigst, Ew. fürstliche Durchlaucht wollen Dero 
angestamte fürstliche clementz nit versagen denen, 
welche zur fidelitat Ew. fürstlichen Durchlaucht 
und zu Dero underthenigsten getreuen Diensten 
sich durch eine Erbschuldigkeit gewidmet und ver 
pflichtet wissen. Schließlich ruffe an den all 
mächtigen Gott, der wolle Ew. fürstliche Durchlaucht 
sampt Dero hochfürstlichen Gemahlin und junge 
Herrschaft bei guter vermuglicher Leibesgesundheit 
und friedlicher Regierung, auch allen selbst er 
wünschten fürstlichen hohen Wohlstand gnedigst 
erhalten und endlich zur unendlichen glorie aller 
Seligen im Himmelreich einführen. Mit welchen 
innigen Wünschen meines Herzens zu Ew. fürst 
lichen , Durchlaucht beharrender fürstlicher Ge- 
wogniß mich und die Meinigen demüthigsten 
Fleißes underthenigst recommendire Ew. fürst 
lichen Durchlaucht uuderthenigster und in Pflicht 
schuldiger treu gehorsambster Diener Mauritius 
Gudenus. Dreffurth, am 16. Februar 1660." 
(Schluß folgt.) 
blumen hervorgelockt. Beschützt gegen rauhe 
Winde von dem jäh aufsteigenden Felsen hatten 
hier Sträucher und Bäume ein sonniges Dasein 
geführt. Sie hatten durch buntfarbige Blüthen- 
pracht und das erste zarte Grün das Auge der 
Menschen entzückt und manchem armen Herzen 
in der trostlosen Wüste des Lebens ein süßes 
Eden vor die trüben Augen gezaubert. Nun 
war alle Herrlichkeit verweht, und nur ein alter, 
breitästiger Apfelbaum stand noch allein aus 
einem kleinen grünen Rasenfleck. 
Ueber die Menschen war fieberhafte Bauthätig 
keit gekommen. Wo nur ein freies Plätzchen 
Erde sich zeigte, wuchsen, wie mit Zaubermacht, 
große Gebäude hervor, kasernenartig und mit 
langen Reihen von Fenstern übereinander. 
Immer näher waren die Häuser gerückt, hatten 
alle Gärten zerstört, und unter ihren Steinmassen 
waren nun die zarten Crocus, Veilchen und 
Maiblümchen begraben. Immer enger drängten 
! sie sich um den Apfelbaum, raubten ihm Luft 
Was der Apfelbaum erlebt bat. 
Von Emilie Scheel.
	        

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