Full text: Hessenland (10.1896)

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und in Erinnerung des von ihr verbreiteten 
Segens in Werken der Barmherzigkeit ist die 
Reformation des Landes durch Landgraf Philipp 
und seine Nachfolger von jeher katholischer- 
seits bis in die Neuzeit auf Alban Stolz 
herab als ein Undank und Jmpietät bezeichnet 
worden, und sowohl die einzelnen Konvertiten 
aus Hessen, wie die römische Kirche haben diesem 
Vorwurf bei den in der Neuzeit in Hessen und 
Thüringen errichteten Kirchen und der Dedikation 
von Altären durch deren Benennung Ausdruck 
gegeben, um dem hessischen Volke und Fürsten 
haus diese Landesheilige in's Gedächtniß zu 
rufen. Auch Gudenus sagt, er habe täglich seine 
Patronin, die heilige Elisabeth, angerufen, daß 
sie mit ihrer kräftigen Fürbitte bei Gott die 
Bekehrung seines Vaterlandes und ihrer Nach 
kommen erlangen, und Gott deren Herzen erleuchten 
möge. In der 1652 erfolgten Konversion des 
Landgrafen Ernst zu Rheinfels, wie in der am 
19. November, dem Elisabethentage, 1647 erfolgten 
Wahl und Erhebung des Grasen Johann 
Philipp von Schönborn auf den erzbischöflichen 
Stuhl zu Mainz glaubte er eine Frucht seiner 
Fürbitte bei seiner Patronin, der heiligen Eli 
sabeth, zu finden. Außer ihr gedachte er be 
sonders des heiligen Bonifatius, des Apostels der 
Hessen und Thüringer. 
Landgraf Ernst eröffnete selbst den Brief 
wechsel mit Gudenus, seines Vaters Taufpathen, 
der denselben Lebensweg wie er selbst gegangen, 
aber durch tieferes Studium und größere Nöthe 
seines unruhigen Gewissens auf denselben gekom 
men und tiefer als durch eine bloße theologische 
Disputation, darin gegründet und darum auch 
alles für die genannte Ueberzeugung zu opfern 
bereit war*). Auf Landgraf Ernst's Erkun 
digung, wie er zur katholischen Kirche gekommen, 
erwiderte ihm Gudenus in einem Schreiben 
vom 16. Februar 1660**) unter herzlicher Freude 
und Dank, daß die Ursachen von ihm vor seinem 
Scheiden aus Hessen den Räthen dargelegt seien. 
Weiter erörtert er dann nochmals seine Betrüb 
niß über die durch seinen Uebertritt in seinem 
Verhältniß zu Landgraf Moritz eingetretene 
Aenderung. 
*) Dm Landgrafen Ernst bezichtigten bekanntlich seine 
Zeitgenossen theilweise übler Dinge, namentlich, daß er 
einen Harem von jungen Mädchen unterhalte. 
**) Dieser Brief, der meines Wissens noch nicht veröffenP 
licht ist, findet sich im Staatsarchiv zu Marburg, Eccle- 
siastica der Niedergrafschaft Katzenellenbogen, Bd. VIII, 12. 
Die in der Schrift Septem Panes enthaltenen Briefe 
des Gudenus, welche bei Strieder 5, S. 161 und 162 
aus den Jahren 1671 ff. angeführt werden, sind demnach 
nicht di« ersten. 
„Unter allen den vielfältigen Beschwerden, so 
mir dero Zeit als einem armen, betrübten 
Menschen vor Augen gestanden und mich ab 
geschreckt, vom Irrweg umzukehren und zu wählen 
den Weg der Wahrheit und ewigen Seligkeit, 
weiß ich nit, ob mir etwas von Fleisch und Blut 
so grausam vorgebildet, als die okkousion, Zorn 
und Ungnade des durchleuchtigen hochgeborenen 
Fürsten und Herrn, Herrn Moritzen, meines 
gnädigen Herrn. Denn Ihre fürstl. Gnaden 
hielten mich vor dero Taufpathen, hatten mich 
aus sonderbar hoher Gnad auch eine Zeit lang 
mit Verlag aus der fürstl. Rentkammer zum 
Studieren gehalten, haben niemals abgeschlagen, 
sondern jedesmal gnädig verwilligt, wenn vor 
mich etwas underthenig gebeten worden. Meine 
Eltern und Voreltern* waren in ihrer fürstl. 
Gnaden und dero Vorfahren Diensten gewesen. 
Ew. fürstl. Durchlaucht weiland Frau Mutter 
ließen usf Cassel und Rotenburg mich ad habendas 
conciones fordern und nicht ohne gnädige Be 
gabung wiederumb nach Hause ziehen. Daß 
solche fürstl. Gewogenheit und Gnad durch meine 
Veranlassung uff einmal in lauter Zorn und 
Ungnade verwandelt und bei solchen hohen gnädigen 
Wolthätern ich vor ein undankbaren und leicht 
fertigen Menschen gehalten werden solle, das war 
mir gleichsam der Tod und ein über alle Maße 
großes Elend und Beängstigung, welches doch 
endlich durch göttliche Verleihung mit Furcht 
der ewigen Schande und diesen Gedanken über 
wunden." 
Die Verachtung der Menschen wegen seines 
Uebertritts kam ihm jetzt weniger hart vor, als 
früher. Denn „obgleich itzund", schreibt er in dem 
erwähnten Schreiben an Landgraf Ernst weiter, 
„von meiner Bekehrung zum katholischen Glau 
ben so übel geurtheilt wird, dennoch werden 
Engel und Menschen ein ander judioiuiu fällen. 
Was ich nun vermeint alles im Himmel zu 
erwarten, das habe noch in der Welt erlangt, 
indem durch die große Güte und vorkommende 
Gnade des allerhöchsten Gottes geschehen, daß 
Ew. fürstl. Durchlaucht die allein seligmachende 
heilige katholische religion erkannt und bekannt 
haben und mit dero fürleuchtendem exempel dem 
ganzen Vatterland bezeuget, ja vieler Herzen ge- 
rühret nachzudenken, daß nit wahr sei, was die 
römisch-katholische Kirche von Lästerern beschuldiget. 
Post hanc mutationem dexterae Excelsi hat 
mich bedanket, daß verschämet und verstummet 
feint, welche zuvor meine Bekehrung übel gedeutet. 
Und gleich wie ein geringes Kräutlein oder die 
niedrige luirioas, so der hohe Cedernbaum be 
deckt, die Winde nit treffen, also empfinde nit
	        

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