Full text: Hessenland (10.1896)

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Helm IV., Wilhelm V., Amalie Elisabeth, Wilhelm VI., 
Karl und Wilhelm VIII., ohne jede Einschränkung 
mit Schmutz zu bewerfen, ist völlig schleierhaft. 
Auf gleicher Höhe mit der Allgemeinheit derartiger 
Ausstellungen stehen deren Ausführungen im Ein 
zelnen. Daß der „Dichter" den „Soldatenhandel" 
sich nicht hat entgehen lassen, wen will das Wunder 
nehmen? In dieser Hinsicht sind wir Hessen nicht 
im mindesten verwöhnt, wenn die Angelegenheit, 
um die es sich handelt, auch hier mit besonderer 
Unverfrorenheit ausgebeutet ist. Aber dann Vers 3, 
4, 5 u. s. w.! So viel Strophen, so viel Un 
wahrheiten. Ein kräftiges „Pfui!" ist die einzige 
Antwort, welche uns darauf, wie auf das ge- 
sammte Geschreibsel des Herrn Karl Brumm zu 
Gebote steht. 
Hessische Müchev schau. 
A u g. Eigenbrodt, Dr. phil. 2 am pert von 
Hersfeld und die neuere Quellen 
forschung. Eine kritische Studie. Kassel, 
Verlag von Ernst Huhn, 1896. 
Tie Leser des „Hessenlandes" kennen alle aus 
der Geschichte des unglücklichen deutschen Königs 
Heinrich IV. die Erzählungen von dem Königs 
raub bei Kaiserswerth (Ostern 1062), von der 
Prunk- und Herrschsucht des für die nordischen 
Lande so wichtigen Erzbischofs Adalbert von Bremen, 
unter dem Helgoland entdeckt worden ist, sowie 
von der Verschlagenheit des Kölner Erzbischofs 
Anno, der sich zum größten Unheil des Zöglings 
und des deutschen Vaterlandes mit dem Bremer 
in.die ganz verkehrte Erziehung des jungen Königs 
Heinrich theilte, ferner von Heinrich's Flucht von 
der Harzburg nach Eschwege und Hersfeld (1073) 
und seiner beschwerlichen Alpenfahrt nach Canossa 
und der dortigen Buße (1077). Diese und andere 
Erzählungen sind dem Geschichtswerk unseres 
hessischen Landsmannes Lampert von 
Hers seid, des Geschichtsschreibers König Hein 
rich's IV., entnommen, bei dem die historische 
Forschung allerdings vielfach die Unrichtigkeit 
der Einzelheiten nachgewiesen hat, dessen 
hervorragende Darstellung aber immerfort 
seine Bedeutung sichern wird. 
Das hessische Benediktinerkloster Hersfeld, das dem 
Mainzer Erzbischof Lullus seine Gründung verdankt, 
ist durch sein hohes Alter und seinen literarischen 
Ruhm wohl bekannt. Der Abt war ein angesehener 
Reichsfürst. Zur Zeit Heinrich's IV. stand die 
Reichsabtei im Mittelpunkt des sogen. Thüringer 
Zehntstreites. Fulda und Hersfeld nämlich be 
saßen in Thüringen viel Eigengut und eine Reihe 
stattlicher Kirchen, von denen sie den üblichen 
Kirchenzehnten einzogen, während das übrige Thü 
ringen seit der Bekehrung durch Bonisatius aus 
Zweckmäßigkeitsrücksichten ausnahmsweise von dieser 
Steuer befreit war. Aber schon unter König 
Heinrich III. hatte das Erzstift Mainz angefangen 
auch in Thüringen den Kirchenzehnten einzuführen, 
von dem ihm dann der vierte Theil rechtlich zu 
fließen mußte. Der Widerstand der Thüringer 
gegen diese Neuerung wurde durch Fulda und 
Hersseld auf's Eifrigste geschürt. Denn wenn das 
Erzstift mit seiner Forderung durchdrang, mußten 
diese Abteien nicht allein von ihren reichen thü 
ringischen Gütern den Zehnten entrichten, sondern 
auch ihre eigene Zehntgerechtigkeit in Thüringen 
verlieren. Aus Betreiben Siegfried's von Mainz 
kam es unter Heinrich IV. zur Entscheidung: Aus 
der Erfurter Synode im Jahre 1073 wurde die 
Aushebung der thüringischen Zehntsreiheit verfügt 
und außerdem zwischen Mainz einerseits und Fulda 
und Hersfeld andererseits unter Vermittelung des 
Königs ein Vergleich erwirkt. Dieser Vorgang 
trieb die erzürnten Thüringer auf die Seite der 
gegen Heinrich ausstehenden Sachsen, die die Harz 
burg erstürmten und auf das Barbarischste zer 
störten. „Nach der Beruhigung Sachsens und 
Thüringens nahm Siegfried aus einer Erfurter- 
Synode im Oktober 1074 die Zehntsorderung von 
Neuem aus." Als die Thüringer mit ihrem Wider 
spruch und ihrer Berufung auf den Gerstunger 
Frieden kein Gehör fanden, sprengten sie die Ver 
sammlung. Nach der Schlacht bei Hohenburg 
sprach deshalb Siegfried den Kirchenbann aus. 
In Hersfeld zürnte man gleichfalls deni Erzbischof 
und dem Könige. 
Unter diesem Gesichtspunkte — und nur deshalb 
ist der Thüringer Zehntstreit hier ausführlich er 
wähnt worden — muß Lampert's Geschichtswerk 
betrachtet werden. Lampert ist ein gefinnungs- 
eifriger Hersfelder. Er wird in seinem Werke dem 
König immer feindseliger, ohne aber ungerecht 
gegen ihn zu werden. 
Nur wenig wissen wir über Lampert's Persön 
lichkeit. Nach der Annahme des Mönchskleides im 
Frühjahr 1058 war er noch im Herbst desselben 
Jahres in Aschaffenburg zum Priester geweiht 
worden und hatte eine heimliche und gewiß recht
	        

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