Full text: Hessenland (10.1896)

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Mag Brief und Sendullg vielleicht für Landgraf 
Philipps gleichnamigen Sohn, den Regenten der 
Grafschaft Katzenelnbogen, bestimmt gewesen sein, 
dessen großer Durst sicher beglaubigt ist, so haben 
die drei anderen hier in Betracht zu ziehenden 
Briefe auf Persönlichkeiten Bezug, deren Ruf auch 
in dieser Beziehung tadellos ist. 
Am 2. August 1590 schreibt Landgraf WilhelmIV. 
an Herzog Philipp zu Braunschweig*) aus Ziegen 
hain: „Wir mögen Euer Liebden freundtlich nicht 
verhalten, daß wir ein zeithero keinen guten Drunck 
Biers auß der Stadt Eimbeck bekommen können, 
so uns zu drincken anmutig oder gut gewesen. 
Wann wir bau nicht zweifeln, E. L. bei dem Rath 
oder andern Leuten daselbst wol etwas Guts zu 
wegen bringen können, alß gelangt an E. L. unsere 
freundtlich Bitt, E. L. wollen sich unserthalben 
soviel bemühen und gegenwertigem unserm Hauß- 
schencken gute Anweisung geben, auch bei dem Rath 
oder andern Leuten zu Eimbeck die Beförderung 
thun, damit ehr ein Kueffen oder etzliche deßelben 
Biers so gut und uns zu drincken anmutig seyn, 
bekommen möge. Daran thun E. L. uns zu sreundt- 
lichen Gefallen" re. 
Am 16. November 1592 schrieb Landgraf Moritz 
von der Zapfenburg aus seinem Amtmann zu 
*) Herzog Philipp II., geboren 1533, gestorben 1596, 
war der letzte Sproß der Linie Grubenhagen des Welfen- 
hauses. 
Aus Aeimulh 
Geschichts verein. Bei Gelegenheit eines 
Ausfluges am 26. April besichtigten eine Anzahl 
Mitglieder des hessischen Geschichtsvereins zu Mar 
burg die behufs Ausführung eines Neubaues im 
gothischen Stile im Zustande des Abbruchs befind 
liche Kirche zu Schönstadt, insbesondere das 
noch stehende Chorgewölbe, in welchem jüngst 
gothische Wandmalereien aus dem 15. Jahr 
hundert entdeckt wurden, welche Ereignisse aus der 
Lebens- und Leidensgeschichte des Heilandes und 
das stingste Gericht in charakteristischer Ausführung, 
theilweise sehr drastisch, zur Darstellung bringen. 
Regierungsbaumeister Zölffel, welcher den An- 
wesenden die Wandgemälde in liebenswürdiger 
Weise erläuterte, wird dafür sorgen, daß die Kunst 
werke durch Photographien der Vergessenheit ent 
rissen werden. 
M ü n z f u n d. In einem Hause zuHeskem bei 
Marburg fand man am 9. Mai beim Abreißen in 
der Füllung einer Stubenthür einen Beutel mit 
Höckelheim iu der Herrschaft Plesse: „nachdem wir 
zu behuef unser Hofhaltung in Mangel des Ein- 
beckischen Bier stehen, undt aller unsers Ambts 
Zapfenburgk Underthanen zu Haltung unser Schweine 
hatz undt zu anderm fursallenden Behuef dißmahl 
zu Abholung solches Biers nicht wohl entrathen 
können, alß bevehlen wir dir in Gnaden, das du 
jegenwertigem unserm Bender soviel Wagen auß 
unserm Stift Höckelheim zugebest, alß ihm zu zwölf 
Kuefen Biers von Einbeck gehn Pleß zu fuhren 
vonnötten sein." 
Neben dem Einbecker scheint am hessischen Hofe 
namentlich das Hamburger Bier „zu drincken 
anmutig und gut" gewesen zu sein; denn am 
5. Januar 1591 ließ Herzog Heinrich Julius 
zu Wolsenbüttel*) an seinen „freundlichen, lieben 
Vetter, Schwager und Vater" vier Tonnen Ham 
burger Bieres abgehen, deren Verehrung er ihm 
bei seinem letzten kürzlich stattgefundenen Besuche 
am Hofe zu Kassel zugesagt hatte. Der Herzog 
bat den Landgrafen, „E. L. wollen dieselben, so 
gut wir sie vor dies Mal haben können, freundlich 
annehmen und in Frolichkeit mit den Ihren ge 
nießen". Gleichzeitig wünscht er dem Landgrafen 
„ein gnadenreiches, froliches newes Jahr". 
*) Herzog Heinrich Julius (1589—1613) ist bekannt 
als fruchtbarer dramatischer Dichter und bedeutender Rechts 
gelehrter. 
unö Ivenröe. 
15 alten Silbermüllzen preußischen und braun 
schweigischen Gepräges, die meistens die Jahreszahl 
1756 trugen. 
Todesfälle. Am 1. Mai starb im „Rothell 
Kreuz" zu Kassel Amtsgerichtsrath a. D. Julius 
Willius im 62. Lebensjahre. Der Verstorbene, 
Sohn eines kurhessischen Oberstlieutenants zu Kassel, 
hat 31 Jahre in Witzenhausen gewirkt, und zwar 
von 1865- 1867 als* Assessor, von da bis 1875 
als Amtsrichter und seitdem bis zum 1. April 
dieses Jahres als Oberamtsrichter, bezw. Amts- 
gerichtsrath. Als berufstreuer Richter und liebens 
würdige Persönlichkeit genoß der Dahingeschiedene 
allgemein großes Ansehen. — Am 6. Mai setzte 
ein Schlaganfall dem segensreichen Wirken des 
Metropolitans zu Felsberg, Pfarrers Ferdinand 
Wilhelm Hellwig, ein plötzliches Ziel. Ge 
boren am 26. November 1812 zu Dannenberg im 
Lüneburgischen als Sohn des dortigen Brigadiers der 
westfälischen Gendarmerie, nachherigen kurhessischen
	        

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