Full text: Hessenland (10.1896)

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1263 begegnet uns der erste Ballenhänser, der 
sich nach seiner Besitzung am Fuldastrande nennt, 
Werner mit Namen. Auch er befindet sich 
nicht in hessischer Umgebung, sondern auf der 
Mainzischen Veste Heiligenberg, neben dem 
Mainzischen Lehensmanne Hugo von Heiligen 
berg, dem Grafen Gottfried von Reichenbach und 
anderen. Friedrich von Schwarzenberg, der 
1308 noch lebte, war von 1275 bis 1295 
gräflich Ziegenhain ischer Schultheiß zu 
Nauschenberg. 1275 waren die Ziegenhainer mit 
dem Landgrafen Heinrich arg verfeindet: Gräfin 
Hedwig zog mit dem Erzbischöfe von Mainz 
gegen ihn zu Felde, und Graf Gottfried ver 
bündete sich mit Thüringen gegen das Kind von 
Hessen. Die vier auf ihrer Burg gebliebenen 
Schwarzenberger halten sich zunächst noch zu den 
Freunden des hessischen Fürsten. Als er aber 
verlangt, sie sollen ihre Güter von ihm zu Lehen 
nehmen, da weigern sie sich, und offene Fehde 
beginnt. Das Kriegsglück giebt ihnen Unrecht, 
ihre Burg sinkt in Trümmer. 
Für ein Jahrhundert ist ihr Trotz gebrochen, 
sie werden hessische Lehnsleute, und nach fünfzig 
jähriger Bewährung erhalten sie ihre Lehen 
erblich. Da kommen aber unter Hermann dem 
Gelehrten schwere Zeiten über Hessen. Der Adel 
empört sich gegen den Landgrafen, die Städte 
werden schwierig, und schließlich fällt auch noch 
der Erzbischof Adolf von Mainz in's Land, und 
mächtige Bundesgenossen stehen ihm zur Seite, 
Otto der Ouade, Herzog von Braunschweig, und 
Balthasar, Landgraf von Thüringen und Mark- 
graf zu Meißen. Nun ergreift auch wieder ein 
Junker von Schwarzenberg, Helfer ich mit 
Namen, die Mainzische Partei. Er behauptet, 
vom Landgrafen Hermann in seinem Besitze 
geschädigt zu sein. Eine Schädigung war schon 
vor einer Reihe von Jahren erfolgt. Im Oktober 
1372 bekennt Johann von Schwarzenberg, daß 
Landgraf Heinrich und dessen Sohn, Otto der 
Schütz, das Schwarzenberger Kirchlehen dem 
Martinsstifte in Kassel übergeben hätten. Und 
dieses Kirchlehen gehörte gewiß ursprünglich zu 
den Lehen der Schwarzenberger, wie die Kirchen 
hufe sich noch 1351 unter Johann's Gütern be 
findet. So wird Helferich in's feindliche Lager- 
getrieben. — Der Erzbischof ernennt ihn 1385 
zu seinem Burgmanne auf Bischofstein und nimmt 
ihm das Versprechen ab, diejenigen seiner Güter, 
die der Mainzer dem Landgrafen mit gewappneter 
Hand abnehmen oder in anderer Weise erwerben 
würde, Adolf zu Lehen aufzutragen. Als dann 
die Verbündeten Melsungen erstürmen, taucht 
Junker Helferich in dieser Stadt auf, wohl als 
Mainzischer Amtmann, und untersiegelt im 
Januar 1392 dort eine Urkunde. Diesmal 
unlgiebt die Widderhörner auf dem Siegel die 
Umschrift „von Schwarzenberg". Länger als ein 
halbes Jahrzehnt dauerte die Fremdherrschaft in 
Melsungen, aber auch des Erzbischofs Macht 
war nicht im Stande, bem Schwarzenbergischen 
Hause neuen Glanz zu verleihen. Ruhmlos 
endete das Geschlecht, schon ehe es ausstarb, war 
es für Welt und Geschichte todt. — — — 
Der Thiergarten, der sich 1414 zwischen 
Schwarzenberg und Melsungen befand, war ohne 
nachweisbare Beziehungen zum Schwarzenberger 
Hause und Geschlecht. 
(Schluß folgt.) 
Me Kirchiveihe in Kleinsassen. 
Von Joseph Schwank. 
K 
ur eine ganz geringe Zahl der lieben Jugend 
freunde und fröhlichen Genossen weilen noch 
unter den Lebenden, mit denen ich am Ende 
der dreißiger und Anfang der vierziger Jahre aus 
dem Petersthore in Fulda heiteren Sinnes auszog, 
um nach Kleinsassen zu wandern, wo die 
vierzehn Tage währende Kirchweihe im Oktober 
gefeiert wurde. 
Es war dies ja keine Dorfkirchweihe gewöhn 
lichen Schlages, auf der nur die Jugend eines 
einzigen Dorfes sich zu Spiel und Tanz ver 
sammelt; nein, zur Kleinsassener Kirmes zogen 
auch aus entferntercu Orten Theilnehmer in 
großer Anzahl herbei, war doch deren Ruf als ein 
alle Anwesenden befriedigendes, durch keinen Mißton 
gestörtes Vergnügen ein weit verbreiteter. Nament 
lich gaben sich dort die in den Herbstferien in der 
Umgegend bei ihren Eltern weilenden Studenten 
von Würzburg, Jena und Marburg ihr Stell 
dichein. Alle waren dem erst am 19. August 1893 
in seinem 84. Lebensjahre verstorbenen, allgemein 
beliebten, immer freundlichen Gastwirth Karl 
Schmitt stets willkommene Gäste, ließen sie 
doch all ihre mitgebrachte Baarschaft bei ihm
	        

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