Full text: Hessenland (10.1896)

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halten. Bemerkenswerth ist, daß gerade der Gatte 
seines Enkelkindes sür Bertold Vrundes eintrat 
und den Wettesinger Meierhof an sich brachte. 
Derartige Erscheinungen, die im Mittelalter ziemlich 
häufig zu verzeichnen sind, stellen dem in jener 
Zeit herrschenden Familiensinn das günstigste 
Zeugniß aus. Von Johann und Widelen von 
Steinheim ging der Hof bald an den Roden- 
berg'schen Vasallen Knappen Burchard von 
Steinheim und seine Frau Else über, später 
am 12. September 1428 an den Bruder 
Burchard's, den Paderborner Domherrn Hein 
rich von Steinheim. Die geistlichen Be 
ziehungen des neuen Inhabers des Hofes machten 
sich unverzüglich geltend. Domherr Heinrich 
überwies dem St. Katharinenaltar in der Pfarr 
kirche zu Marburg und Borchholz,, mit dessen 
Patronat der Bischof von Paderborn Heinrich 
und seine Familie erblich belehnt hatte, als 
Benefizium jährlich 6 Malter Frucht. Vor 
läufig blieb nun der Wettesinger Hof der 
Familie von Steinheim erhalten. 1469 
wird Johann von Steinheim und 1502 Burchard 
von Steinheim als Inhaber genannt. 1535 
Vincenz von Steinheim nebst Gattin Jda, einer 
geborenen von Pappenheim. Durch Erbschaft 
von dem verwandten Geschlecht der Sculteten 
war das von Steinheim'sche Gut zu Wettesingen, 
zu dem die Familieubeziehungen zu dem einstigen 
Meier Berthold Vrundes den Grund gelegt hatten, 
inzwischen um Ländereien auf dem Wettesinger 
Hagen, welche die Sculteten im Jahr 1372 von dem 
bereits bekannten Geschlecht von Driburg erstanden 
hatten, vermehrt worden, hernach 1502 durch den 
sog. Burghäckel vor Wettesingen, den ihnen 
Knappe Wolf von Kalenberg nebst Zubehör zu 
Lehen auftrug. An dem Lehnsverhältniß, bezw. 
Pfandschaftsverhältnisse der von Steinheim zu 
den von Pappenheim-Kalenberg hatte sich in 
zwischen nichts geändert, von irgend welchen An 
sprüchen und Anrechten der von Driburg war 
seit dem Zeitpunkte der Verpfändung des Hofes 
an Bertold Vrundes im Jahre 1373 nicht mehr 
die Rede, wie so oft war der Vorbehalt des 
Wiedereinlösungsrechtes ohne praktische Bedeutung 
geblieben. Wohl in Folge ihres rittermäßigen 
Lebens hatten die von Steinheim übrigens nicht 
Muße zu eigener Bewirthschaftung des Wette 
singer Hofes gefunden, wenigstens nicht auf die 
Dauer. Im Jahre 1535 bewirthschaftete den 
Hof der Meier oder Pächter Johann Hesse, 
der noch 1577 als solcher verbürgt ist. 
(Schluß folgt.) 
Moritz Gudenus. 
Von A. Heldmann. 
c jL\\ denjenigen Geistlichen, welche unter Land- 
it. graf Ludwig V. bei der Besitznahme des vom 
Cs Landgrafen Moritz seit Landgraf Ludwig's IV. 
Tod innegehabten oberhessischen Landestheiles 
1624 entlassen wurden, gehört der Subdiakonus 
Moritz Gudenus zu Marburg. Derselbe war 
am 11. April 1596 zu Kassel als der Sohn des 
später als Amtsschultheiß zu Sontra gestandenen 
Christoph Gudenus und dessen Frau, einer geb. 
Lucan, geboren und stammte aus einer Bürger 
familie zu Frankeuberg, welche bald Jeide, Jeude, 
Geude, bald Guderus oder Gudenus geschrieben 
wird. Schon der Frankenberger Chronist Wigand 
Gerstenberg erwähnt einen Altaristen Joh. Jeude, 
welcher 1476 nach dem großen Brande das Ge 
stühl der dasigen Pfarrkirche herrichtete, einen 
Jakob Geude, dessen Frau Gertrud, geb. Hüstener, 
1496 eine Tuchstiftung für arme Leute daselbst 
gemacht hat. Weiter war aus dieser Familie 
im Anfange des 16. Jahrhunderts Konrad Jeude 
(1507) Pfarrer zu Röddenau, Joh. Geude, Bürger 
meister und Rathsschöff zu Frankenberg (1585), 
Joh. Geude, wahrscheinlich dessen Sohn, 1588 bis 
1591 ?ra666ptor tertius, 1591—1593 Konrektor, 
1594—1606 Diakonus zu Frankenberg, welcher 
wegen Nichtannahme der sog. Verbesserungspunkte 
von Landgraf Moritz entlassen wurde, aber 
1612—1622 wieder als Rektor daselbst erscheint, 
sich also „anbequemt" hat. Endlich war Kunegunde, 
des Theis Geude Tochter, seit 1637 die Gattin 
des zu Röddenau (1624—1657) gestandenen 
Pfarrers M. Heinrich Preusch aus Franken 
berg und somit die Stammmutter der späteren 
Freiherrn von Preuschen zu Liebenstein. Pathe 
unseres Moritz Gudenus war kein Geringerer, als 
Landgraf Moritz, welcher ihn im Studium 
wesentlich unterhielt, und bei dem, wie er selbst 
nachgehends bekennt, niemals eine Fehlbitte für 
ihn geschah. Moritz Gudenus erlangte am 
29. Dezember 1617 zu Marburg die Magister
	        

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