Full text: Hessenland (10.1896)

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sichtspunkt bloßer Rentberechtigung des Grund 
herrn trat wie für die Bauerngüter so auch für 
den Fronhof in den Vordergrund. Damit wuchs 
denn selbstverständlich nicht minder die soziale 
Stellung der Meier, zumal wenn sie so wie so bereits 
nähere persönliche Beziehungen zu ihren ritterlichen 
Herren hatten, als Lehnsmannen des Grund 
herrn mit dem Fronhof erblich bewidmet erschienen 
und sich den Ministerialen anreihten.*) 
In solch bevorzugter Stellung befand sich um 
das Jahr 1370 der Meier und Erbpächter 
Bertold Vrundes zu Wettesingen, der 
den dortigen Meierhof der stammverwandten 
Raben von Pappenheim und von Kalen 
berg bewirthschaftete, von denen die ersteren 
damals auf den Burgen Kogelnberg, Liebenau, 
Marburg und Kalenberg angesessen waren. 
Ueber die Lage des Meierhofes werden wir 
durch ein altes Lehnsregister der von Pappen 
heim vom Jahre 1573 unterrichtet, nach welchem 
dessen Ländereien auf dem sog. Wettesinger 
Hagen gelegen waren und seit dem Jahre 1433 
„die fünf Hufen zu Etzelkiesen" genannt 
wurden. Darnach scheint um diese Zeit auf dem 
Wettesinger Hagen zwischen Wettesingen und 
Breuna eine bald untergegangene Ortschaft des 
Namens bestanden zu haben. 
Bertold Vrundes ist bereits von Rittern als 
ihresgleichen betrachtet worden; denn Widele, 
die Gattin Johann's von Steinheim, dem er am 
29. September 1400 Ländereien zu Wettesingen und 
Herlingshausen abtrat, war seine Enkelin, die von 
Steinheim aber waren ritterliche Ministerialen 
der von Pappenheim. Nach dem Lehnsverzeichniß 
von 1573 befanden sich die Raben von Pappen- 
Heim-Kalenberg mindestens seit dem Jahre 1326 
im Besitze des Gutes zu Wettesingen. Von ihnen 
zu Lehen trugen es damals zwei Brüder, die 
Knappen Ludolf und Heinrich von Driburg. 
Eben diese Brüder von Driburg trugen zur 
Erhöhung des Ansehens und des Einflusses des 
Bertold Vrundes gewiß nicht unerheblich bei, 
indem sie, vermuthlich in wirthschaftlicher Be 
drängnis, ihm am 26. Mai 1372 mit Einwilligung 
ihrer Lehnsherrn von Pappenheim eine Mark 
jährlichen Zinses aus dem in seinen Händen be 
findlichen Meierhofe zu Wettesingen und am 
6. Januar 1373 diesen Meierhof selbst für 
10 Mark schwerer Warburger Pfennige — 
4 Mark löthigen Silbers, bezw. für 60 Mark 
schwerer Pfennige — 24 Mark Silbers ver- 
*) Zu dem Vorangehenden sei auf Karl La mp recht. 
Deutsche Geschichte, Bd. 3, S. 58—68 und auf Richard 
Schröder, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte, 
2. Auflage, S. 418 f. hingewiesen. 
pfändeten, oder wie es in der Urkundensprache 
des Mittelalters heißt, auf Wiederkauf ver 
äußerten. Daß diese Veräußerung nach mittel 
alterlicher Art nur pfandweise erfolgte, sollte, 
wie sich später Herausstellen wird, für die Folge 
zeit von erheblicher Bedeutung sein. Der bis 
herige Lehnbesitz der von Driburg zu Wette 
singen wurde in dieser Zeit überhaupt nicht 
unwesentlich verringert, da die beiden genannten 
von Driburg außerdem noch am 27. Juni 1371 
dem Knappen Tile Wolff von Gudenberg und 
seiner Gattin Jutta zwei Hufen (eine Hufe 
etwa — 30 Morgen gerechnet) und dem Propste 
in Wormeln 2 Hufen Landes auf dem Hagen 
daselbst widerkäuflich veräußerten. Da in den 
diesbezüglichen Urkunden die Hufe Landes mit 
11 1 /2 bezw. 9 Mark Pfennigen berechnet wurde, so 
wird der Meierhof des Bertold Vrundes 5 — 6 Hufen 
umfaßt haben. Damit stimmt es durchaus, wenn 
nach dem Pappeuheim'schen Lehnsregister von 
1573 die Größe des Meierhofs auf 5 Hufen 
Landes angegeben wird. Dieser Bertold muß 
überhaupt ein strebsamer Mann gewesen sein, 
dem sehr daran gelegen war, vorwärts zu 
kommen und seinen Besitz zu vergrößern. So 
erwarb er am 16. Mai 1378 pfandweise von 
den Knappen Werner und Friedrich von dem 
Rodenberge, Ritter Werner's Söhnen, 5 Morgen 
im Felde des jetzt ausgegangenen Dorfes Rott- 
wersen, nördlich von Wettesingen bei dem Hunolds- 
berg, ferner am 25. November 1380 die Hälfte 
des Bosenhofes in Hcrlingshausen von dem 
Knappen Gier von Kalenberg, nach dem Preise 
von 25 Mark Pfennigen zu urtheilen etwa 
2 1 li Hufen. Bereits früher hatte er im Rott- 
werser Felde von dem Warburger Bürger Bischof 
eine halbe Hufe Landes käuflich erstanden, Lehen 
von Reineke und Gier von Kalenberg. Auch zu 
Wormeln und Holzhausen war Bertold begütert, 
wie wir sogleich sehen werden. Durch seine 
Arrondirungspolitik scheint sich Bertold jedoch in 
zu große Unkosten gestürzt zu haben und so den 
erhofften Vermögensvortheil nicht erreicht zu haben. 
Wir erfahren nämlich, daß Bertold Vrundes 
und sein Sohn Diedrich dem Warburger Bürger 
Liborius für von ihm entliehene 30 rheinische 
Gulden Ländereien zu Wettesingen, Herlings 
hausen, Wormeln und Holzhausen verpfänden 
mußten, ebenso dem oben bereits erwähnten 
Ehepaar Johann von Stein heim und Frau 
Widelen den Meierhof in Wettesingen und 
weitere Güter daselbst, sowie den Bosenhof in 
Herlingshausen, dessen zweites?) Hälfte er, wie 
gesagt, erst selbst erworben hatte. Selbst seinen 
ältesten Besitz vermochte er demnach nicht mehr zu
	        

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