Full text: Hessenland (10.1896)

8 
Die ursprüngliche Burg Schwarzenberg kann 
nicht lange bestanden haben, llm's Jahr 1293 
eroberte iiitb zerstörte Heinrich I, das Kind von 
Hessen, nach dem Bericht des Chronisten Wigand 
Gerstenberg viele Schlosser im Lande. Unter den 
gebrochenen Burgen befand sich auch Schwarzen 
berg. Die Nachricht erhält ihre Bestätigung in 
einigen urkundlichen Zeugnissen. 1275 bezeugte 
noch der landgräfliche Schultheiß Gerhard in Mel 
sungen einen Kaufbrief Eckeh ard's*), Hugo's, 
B e r t h o l d 's und W i d e k i n d 's von Schwarzen 
berg (1275—1301). Am 26. Mai untersiegelte 
Widekind von Schwarzenberg neben Berlepsch, 
Grope und anderen eine Urkunde. Da aber 
Berlepsch und Grope ;u den guten Freunden des 
Landgrafen gehörten, so kann man daraus ent 
nehmen, daß damals Schwarzenberg dem Fürsten 
auch noch nicht feindlich gegenüberstand. Dies 
Verhältniß wird sich aber schon im nächsten 
Jahre geändert haben, den» am 19. August 1290 
schlossen Hessen und Mainz ein Landsriedens- 
bündniß zur Unterdrückung des räuberischen 
Adels. Und am 28. September 1295 war 
die Burg schon zerstört, da Widekind und 
Berthvld von Schwarzenberg die Hälfte von 
dem Grunde und Boden auf dem ihr Schloß 
gestanden hatte, an den Landgrafen verkauften. 
Bald aber erstand ein neuer Bau aus Schutt 
und Trümmern. Im September 1351 belehnte 
Heinrich II., auf Bitten seines „lieben getreuen 
Dieners" Johann von Schwarzenberg, dessen 
Gattin Katharina und die Kinder beider, 
Johann und Gisela, erblich mit den Gütern,' 
die der ältere Johann bisher allein als persön 
liches Lehen inne gehabt hatte. Dazu gehörte 
auch Haus nnb Hof in Schwarzenberg, worin 
Katharina um diese Zeit wohnte. Wann dieses 
neue Haus wieder in Verfall gerieth, ist nicht 
sicher, vielleicht 1469, damals sollen Borken und 
Schwarzenberg (oder Schwarzenborn?) verbrannt 
sein. Es wird erzählt, daß zum Melsunger 
Schloßbaue, welchen Landgraf Wilhelm IV. in 
den Jahren 1550 bis 1557 unternahm, theil- 
weise die Steine der Schwarzenberger Burg 
benutzt wurden. Damit stinimt überein, daß 
1555 Johann von Nordeck nicht das Haus 
der ausgestvrbencn Schwarzenberger, sondern eine 
Scheune auf dem Grunde und Boden der Dorf 
gemeinde zu seinem Burgsitze machen wollte. 
Lanze und Gerstenberg melden überein 
stimmend, daß Heinrich, das Kind von Hessen, eine 
Anzahl von Burgen um 1293 zerstörte, nicht bloß 
*) äß ciut nennt ihn wohl mit Unrecht Eberhard in 
der Urkunde von 1301. 
um dem Ranbritterthume zu steuern, sondern auch 
weil verschiedene Adelige ihre Güter nicht vont 
Landgrafen zu Lehen nehmen wollten. Zu den 
letzteren haben zweifellos die Schwarzenberger 
gehört. Denn sie besaßen bis 1295 Allode, 
d. h. ganz freie Güter, und waren für andere 
Besitzungen Lehensleute des Grafen von Bielstein. 
Der Landgraf wollte sie in alleinige Abhängigkeit 
von sich selbst bringen und kaufte darum von 
zwei Mitgliedern des Geschlechtes Lehengüter und 
Allode, offenbar um sie ihnen nachher wieder zu 
Lehen zu geben. 1301 löste er auch die An 
sprüche des Grafen Otto von Bielstein ab. 
1351 finden sich dann ehemals Bielsteinische 
Lehen (in Krumbach) und ein Allod (in Körle) 
unter den Gütern, die Johann's Gattin und 
Kinder vom Landgrafen empfingen. 
Aber ob Allodsbesitzer, ob Lehensmann, war 
gewiß nicht die einzige Streitfrage; denn fast 
iinmer gesellten sich die Herren von Schwarzen 
berg den Feinden der Landgrafen zu. Eine 
seltene Ausnahme bildete der erwähnte Johann 
(1336, 1351) und dessen Sohn Johann 
(1351, 1372). Daß unser Rittergeschlecht sonst 
den hessischen Fürsten nicht freundlich gesinnt 
war, wird wohl schon aus seiner Abstammung 
erklärlich. Es gehörte nicht dem Hessenvolke, 
sondern den Niedersachsen an. Es stammte aus 
dem südlich von Göttingen gelegenen Gebiete, das 
unter Mainzischem Einflüsse stand, von Ballen 
hausen. Noch 1275 führte das Schwarzen 
berger Siegel mit den nach außen gebogenen 
Widderhörnern die Umschrift „von Ballenhausen". 
Der Stammvater des Geschlechts scheint Uno cv 
von Ballenhausen gewesen zu sein, den Reinhard, 
der erste Abt des benachbarten Klosters Rein 
hausen, zwischen 1110 und 1137 erwähnt. Die 
folgenden Mitglieder der Familie standen in 
nahen Beziehungen zuni Mainzer Erzbischöfe. 
1172 bezeugte Konrad von Ballenhausen eine 
Urkunde des Erzbischofs Christian in der 
italienischen Stadt Siena, und 1189 wird 
Otto in einer allerdings recht verdächtigen Ur 
kunde des Erzbischofs Konrad für das Kloster 
Weende bei Göttingen genannt. Möglicher Weise 
haben diese geistlichen Fürsten gegen das Ende 
des zwölften Jahrhunderts, als ihnen Melsungen 
noch gehörte, einen Zweig der Familie an den 
Fuldastrom verpflanzt. Ein anderer Zweig blieb 
in der Heimath. Eichsfelder Urkunden von 
1262 und 1306 erwähnen Eckehard und 1262 
auch dessen Sohn Helf er ich von Ballenhausen. 
Die Vornamen Eckehard und Helferich finden 
sich auch in dem Schwarzenberger Zweige.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.