Full text: Hessenland (10.1896)

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Personen ist aufgelöst oder genau untersucht 
worden. Man hat gefunden, daß sie aus ver 
schiedenen Materialien, als Eisen, Kupfer, Sand 
und Kiesel, das Ganze durch die Heftigkeit des 
Feuers in Fluß gebracht, besteht. Wiewohl diese 
Materie fließet, so fehlt doch viel daran, daß sie 
so flüssig wie Wasser oder andere Flüssigkeiten 
sei, sie gerinnt oder verdickt sich sehr leicht; ich 
habe an Stellen, wo sie mit Heftigkeit floß, be 
merkt, daß, indem sie eine Spitze von einem 
Felsen antraf, sie in die Luft spritzte und daß 
Stücke auf die Seite fielen, welche mit dem Getös 
von Steinen oder anderen harten Körpern an 
prallten, es hat sich sogar ereignet, daß, indem 
man auf eins dieser ganz glühenden Stücke ge 
schlagen hat, es, anstatt wie das Eisen oder 
anderes Metall glatt zu werden, sich in mehrere 
Stücke zertheilt hat; indem es eine Menge Funken 
aussprühete. Glaubwürdige Personen haben mich 
noch versichert, daß, da sie sich einem dieser 
Ströme so sehr genähert hatten, um ihn mit 
einer Stange zu erreichen, sie versucht hätten, sie 
hinein zu stoßen, aber nie hätten ihren Zweck 
erreichen können, indem die Materie immer wider 
standen habe, wohlverstanden, daß sich die Stange 
sogleich entzündete. Diese Ströme fließen lang 
samer nach Maßgabe, wie sie sich von ihrer 
Quelle entfernen. Ich habe einige Striche dieser 
-8»- 
Ker junge 
Eine wahre Geschichte. V 
Bäche vor meinen Augen gerinnen sehen, nach 
und nach ihre rothe Farbe verlieren und die 
schwarze, der alten Lava, auf welcher ich mich be 
fand, ähnliche annehmen. Diese schwarze Kruste, 
welche der Form und Farbe nach sehr dem Eisen 
schaum gleicht, ist eigentlich nur eine Art Schaum, 
die wahre Lava ist von grauer Farbe mit 
schwarzen und metallischen Punkten. Die Straßen 
von Neapel sind damit gepflastert, sie läßt sich 
auch gut polieren, man macht in Neapel Dosen 
daraus, von denen ich eine besitze mit mehreren 
andern kleinen Arbeiten; die Dämme, selbst die 
jenigen, welche man in dem Meere anlegt, nur 
die Gewalt der Wellen zu brechen, sind von diesem 
Stein, welches zeigt, daß, wenn auch diese Ströme 
vielen Schaden verursachen, sie auch ihren Nutzen 
haben. 
Da ich endlich sah, daß der Regen schlechter 
dings nicht nachlassen wollte und cs noch drei 
Stunden bis zur Nacht waren, entschloß ich mich, 
zurück zu gehen; ohne Verweilen stieg ich demnach 
den Berg herunter, und nach einem sehr er 
müdenden Gang von zwei Stunden kam ich endlich 
an dem Orte an, wo ich beit Wagen, welcher 
mich von Neapel gebracht, verlassen hatte, dahin 
ich alsdann, in der That sehr ermüdet und durch 
näßt, aber auch sehr zufriedeit mit dem, was ich 
auf dem Berge gesehen hatte, zurückkehrte. 
Axothcker. 
tt Christian Lewalter +. 
Christian Lewalter, geb. 27. Dezember l825, einer der beliebtesten hessischen Lyriker der neueren Zeit, ver 
faßte die Gedichtsammlung „Wiesenblumen" (Kassel 1853) und war Herausgeber der „Kasseler Tagespost", in welchem 
Elatte eine große Anzahl seiner Gedichte zuerst erschienen. Nach dem am 27. Juni 1874 in Kassel erfolgten Tode 
des Dichters erschien bei C. Huhn, Kassel, ein Band „Ausgewählter Gedichte" (1876). Nähere Auskunft giebt die 
neueste Auflage des Franz Brümmer'schen „Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des 19. Jahrhunderts" 
(Leipzig, Ph. Reclam's Universalbibliothek). — Nachstehendes Gedicht verdanken wir freundlicher Mittheilung seines 
Sohnes, unseres verehrten Mitarbeiters Herrn Johann Lew alter in Kassel, durch dessen Güte wir in die Lage 
gesetzt werden dürften, unsern Lesern demnächst noch mehrere bislang unbekannte Dichtungen seines Vaters zu 
unterbreiten. 
n einer Stadt, — den Namen weiß ich nicht, 
Doch davon ward mir jüngst die Kunde, 
Daß sie nur höchstens eine Stunde 
Entfernt von Bettenhausen liegt —, 
In einer Stadt also — 's ist lange her. 
Und mancher weiß es schon nicht mehr — 
Begab sich's, daß aus einem nahgeleg'nen Orte 
Ein Landmann kam und an der Apotheke Pforte 
Sich lang das Schild besah, eh' er in's Jnn're schritt. 
Er brachte ein Rezept von seinem Doktor mit 
Und wollte gern ein halbes Stündchen warten. 
Er schaute rings die Gläser aller Arten 
Und las, wie das der Langenweile Brauch. 
So gut wie möglich ihre Inschrift auch. 
Da fiel sein Blick hoch oben in die Ecke, 
Wo in dem Käfig, drehend flink sein Rad, 
Ein munt'res Eichhörnlein sich bene that. 
Der Bauer schaute staunend nach der Decke, 
Noch unbekannt war ihm das Instrument. 
Er fragte deshalb, wie man's nennt. • 
Der Apotheker dacht' bei sich im Stillen: 
Den Bauer führst du heute an! 
Und sprach: „Das wißt Ihr nicht, mein lieber Mann? 
Ein junger Apotheker ist's, der dreht die Pillen!" — 
Der Bauer schwieg. — Er ging dann seine Straße, 
Und nach zwei Jahren führt ihn das Geschick 
An den besproch'nen Ort zurück. 
Um was zu holen für die kranke „Wase",
	        

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