Full text: Hessenland (10.1896)

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Schloß Wilhelmstmrq bei Schmalkalden. > 
chmalkalden war noch bis in die jüngere Zeit 
ein stiller und vom großen Verkehr wenig 
i erreichter Ort; kein Wunder also, wenn die 
alte hessische Fürstenburg, die von der Qucste 
auf das Städtchen herabblickt, und deren Aeußeres 
so schlicht und anspruchslos erscheint, lange Zeit 
übersehen und von der Denkmälerforschung stief 
mütterlich behandelt wurde; kein Wunder auch, 
daß sie mehr und mehr zerfiel und kaum vor 
dem schlimmen Schicksal, zu Gefängnißzweckcn 
nutzbar gemacht zu werden, bewahrt werden konnte. 
Wohl hatte sie ihre Verehrer und Freunde in 
der engeren Heimath, aber darüber hinaus blieb 
sie fast unbekannt, sic mußte für die Außenwelt 
erst entdeckt werden. Mel da hl in Kopenhagen, 
der die hohe Bedeutung des Baues für die 
dänischen Königsschlösser erkannte, und Essen 
wein. der einstige hochverdiente I. Direktor des Ger 
manischen Nationalmuseums, gaben fast gleichzeitig 
die ersten Anregungen; direkt fördernd griff Lübke 
ein, indem er im Jahre 1877 bei Stellung der 
ersten Aufgabe der Friedrich Eggers'schen Stiftung 
auf die Schloßkirche der Wilhelmsburg hinwies. 
Laske, in dessen Hand damals die Bearbeitung 
gelegt wurde, konnte elf Jahre später mit Unter 
stützung des Kultusministeriums eine zweite er 
schöpfende Aufnahme des gcsammten Schlosses 
folgen lassen; sie liegt nunmehr vor in einer 
Publikation, die den Architekten und Kunst 
historiker, den Erforscher wie den Freund hessischer 
Geschichte im vollsten Maaße erfreuen und be 
friedigen muß. Auf 24 Tafeln und in 62 Text- 
bildern werden »ns Plan der Anlage und ihrer 
Theile wie alle bemerkenswertsten Einzelheiten der 
Ausführung und Einrichtung erschlossen. Zn 
den sorgfältigen und gewissenhaften Zeichnungen 
Laske's und seiner jüngeren Mitarbeiter aus 
der Schule des Berliner Kunstgewerbemuseums 
*> Schloß Wilhelmsburg bei Schmalkalden, 
aufgenommen. dargestellt und kunstgeschichtlich geschildert 
von Friedrich LaSkc. Unter Beigabe geschichtlicher 
Forschungen von Di'. Otto Gerlan d. Herausgegeben 
mit Unterstützung des Königlich Preußischen Ministeriums 
der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten. 
Mit 34 Tafeln. von denen 9 in Farbendruck, und 
62 Textabbildungen. Berlin 1895. Schuster & Bufleb. fol. 
treten Photographien, die Rothe in Kassel 
mit bekannter Meisterschaft gefertigt hat; in die 
Vervielfältigung im Lichtdruck und Farbendruck 
haben sich, gleich tüchtig in der Herstellung, 
A. Frisch in Berlin und RömmlerL Jonas 
in Dresden getheilt. 
Auf derselben Höhe wie der bildliche Schmuck 
steht der Text. Hier ist dem Werke die treue 
Beihilfe eines Mannes zu Gute gekommen, der 
längst geschätzt als Kenner der Geschichte Schmal 
kaldens wie nur einer zur Mitarbeit berufen war. 
Otto Gerland's Verdienst tritt zu bescheiden zu 
rück, wenn ihm das Titelblatt nur die Beigabe der 
geschichtlichen Forschungen, in denen im vierten 
Kapitel aus zumeist ungedruckten Quellen eine 
Geschichte des Baues und seiner späteren Schick 
sale gegeben wird, zuschreibt; fußt doch Laske in 
den von ihm bearbeiteten Abschnitten „Bauherr 
und Werkleute" und „Bauanlage", wie er auch 
selbst hervorhebt, zum guten Theil auf den 
umsichtigen und glücklichen Nachsuchungen und 
Forschungen Gerland's und seinen ungedruckten 
wie gedruckten Materialien. 
Die Zeit Wilhelm's IV. bedeutet für Hessen 
gegenüber der Regierung seines Vaters eine 
Periode der Ruhe; sie gestattete dem Fürsten 
Lieblingsneigungen sich hinzugeben, unter denen 
die oft gepriesene Vorliebe für wissenschaftliche 
Thätigkeit wie die noch fast gar nicht gewürdigte 
Pflege der Kunst ihre besondere Rolle spielen. 
In die Reihe der Bauten, welche, in verschiedenen 
Städten des Landes, dein Landgrafen ihre Ent 
stehung oder Wiederherstellung verdanken, stellt sich 
die Wilhcl msburg, die seit 1584 auf der 
Stätte der abgetragenen Hennebergischen Wallrabs 
burg emporwuchs. Als der Landgraf die Augen 
schloß, war sie in der Hauptsache vollendet; 
Moritz brauchte nur noch für die Außenanlagen, 
für Garten und Vorgelände zu sorgen. 
Laske weist darauf hin, daß dem Landgrafen 
bei seinem Banplane eine Schöpfung seines 
Schwiegervaters, des Herzogs Christoph von 
Württemberg, nämlich das von diesem umgebaute 
bezw. neu gebaute alte Schloß zu Stuttgart in 
vielen Stücken, besonders auch hinsichtlich der
	        

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