Full text: Hessenland (10.1896)

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Wenn wir der Lesart der Monumenta Germaniae 
folgen, so lagen diese Besitzungen in Marzhausen 
und (Nieder-)Elsungen im Hessengaue, in den 
(Cent-)Grafschaften der Grafen Gumbo und 
Reginwerth. So liest man wirklich in einer 
älteren Urkundenabschrift. Zwei andere überliefern 
aber Melesenga statt Elesenga und Reginverichi 
statt Reginwerthi, also Melsungen in der Graf 
schaft Reginwerk's — Reinwerk's. Die Verwaltung 
zweier nicht zusammenhängenden Centgrafschaften 
durch einen Grafen bietet wohl Schwierigkeiten, 
aber keine unübersteiglichen Hindernisse. Jeder, 
der weiß, daß Reinwerkerode nur eine Viertel 
stunde von Melsungen entfernt lag, wird in der 
erwähnten Urkunde den Lesarten Melsungen und 
Reinwerk den Vorzug geben. Denn der sächsische 
Name Reinwerkerode mitten im Hessengau findet 
auf diese Weise eine höchst einfache Erklärung 
als Gründung des sächsischen Centgrafen Reinwerk. 
Die ersten urkundlichen Erwähnungen des 
Ortes Reinwerkerode fallen in die Jahre 1303 
und 1332. Damals stattete der Melsunger 
Priester Konrad, Herold's Sohn, den Allerheiligen- 
und Marienaltar in der Stadtkirche mit den 
Mitteln zu einer Frühmesse aus. Unter den 
Gegenständen der Schenkung waren auch eine 
Wiese und eine halbe Hufe in Reinwerkerode, 
die „das Lehen" hieß. Ein halbes Jahrhundert 
später (1384) gehörte dieses Lehen zu den schoß 
pflichtigen Besitzungen Werner's von Schlutwins 
dorf, wurde aber dann wieder Eigenthum der 
Frühmesse. Die Schlutwinsdorf hatten auch den 
Zehnten von Reinwerkerode als hessisches Lehen 
inne, nach ihrem Aussterben ging er auf die 
Wolfershausen über. 1375 besaß die Melsunger 
Burgfrau Else von Leimbach schoßpflichtige Acker 
und Wiesen in Reinwerkerode und an dem 
Spangenbergischen Wege diesseits des Tiefenbachs. 
Reinwerkerode lag also nicht, wie der gelehrte 
Schmincke im vorigen Jahrhundert annahm, auf 
dem jetzigen Katzenroth, das schon 1470 unter 
diesem Namen (Coczinrade) vorkommt, sondern 
zwischen der Kaisersau und dem Abhange des 
Schöneberges, unter den Waldtheilen, die Tiefen 
bach und Kraftshecke heißen. 1415 giebt Wolf 
von Wolfershausen in einer Urkunde an, daß 
Reinwerkerode unter dem Karlshagen gelegen 
war, und unterscheidet darin obere und untere 
Wiesen. Die oberen Wiesen hatten ehemals die 
Herren von Schlutwinsdorf besessen. Wie wir 
aus einer Frühmeßurkunde von 1416 erfahren, 
gehörte zu dem „Lehen" auch ein Driesch, 
dem Walde abgerungenes und am Rande des 
Waldes gelegenes, noch nicht anbaufähiges Land. 
Zwei Kirchhöfer Bauern pachteten das „Lehen", 
das damals noch nicht zur Melsunger Flur ge 
rechnet sein muß, 1449 ist wiederum von 
Reiwigkerode zwischen der Stadt Melsungen 
und dem Dorfe Kirchhof die Rede, 1463 von 
Wiesen und Ländereien zu Reybeckerade, bei 
der Wiese des Jsernhenze, der Karthäuserwiese, 
dem Frühmesserlande und der Hospitalswiese. 
Die letztere befand sich nach einer Urkunde von 
1400, einer Grenzbeschreibung von 1577 und 
liegt noch heutigen Tages auf dem linken Ufer 
des Kehrenbaches, zwischen Kaisersau und Tiefen 
bach. Also noch eine Bestätigung für unsere 
Angabe, daß Reinwerkerode dort lag. 1495 wird 
das „Gelände" Rewyckerode genannt, und 
das Melsunger Saalbuch von 1575 theilt mit, 
daß Jörge Eyserheintz, dessen Vorfahr 1463 
Jsernhenze hieß, Rentegeld von seinem Lande zu 
Rückeroda zu geben hatte. Dann ist alles 
still, der Name Reinwerkerode ist der Vergessen 
heit anheimgefallen, die Flur des Ortes nach 
der Grenzbeschreibung von 1577 zur Melsunger 
Feldmark geschlagen. Die unsichere Schreibweise 
des Namens seit der Mitte des 15. Jahrhunderts 
bereitet gewissermaßen schon auf seinen gänzlichen 
Untergang vor. 
In allen Erwähnungen, die wir angeführt 
haben, ist Reinwerkerode nur noch ein Flurname, 
der Ort muß also wohl schon vor dem Jahre 
1300 zerstört oder verlassen sein. Möglich ist 
es, daß die Einwohner bei der Erhebung Mel 
sungens zur Stadt dorthin übergesiedelt sind. 
Wenn Schmincke in seinen Aufzeichnungen von 
einem Schlosse Reinwerkerode spricht, so ist das 
eine bloße Vermuthung, die aber viel Wahr 
scheinlichkeit für sich hat. Denn Graf Reinwerk 
wird doch zunächst ein Herrenhaus angelegt 
haben, in dem er zur Ausübung der Gerichts 
barkeit absteigen konnte. 
2. Burg Schwarzenberg. 
Steil steigt man vom Kirchhöfer Grunde, 
dem Thale des Kehrenbaches, den Karlshagen 
hinan, und abschüssig geht es auf der anderen 
Seite hinunter nach Schwarzenberg. Noch 
heute sieht der Berg, an den es sich lehnt, schwarz 
aus; denn bis zum Fuße bedeckt ihn Nadelholz. 
Er verdient eher jenen Namen als das freundliche 
Dorf. Dort, wo die Schule liegt, erhob sich 
ehemals die Burg der Herren von Schwarzenberg 
und spiegelte ihre Zinnen im Fuldastrome. Ein 
winziges Bächlein, jetzt noch Burggraben benannt, 
trennte sie von dem Grunde und Boden, den 
die Kirche und die benachbarten Häuser nun 
einnehmen.
	        

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