Full text: Hessenland (10.1896)

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Mächtig war dies Zauberwort; 
Denn die Gabel trug mich fort, 
Aufwärts, auf, 
Den Schlot hinauf; 
Aber dann, zu meinem Schrecken, 
Abwärts und — d u rch Dorn und Decken, 
Mährend — neckend mich — die Kleine 
Trabte über Stock und Steine. 
patt' ich's doch beim Spruch verfehlt 
Und statt „über" „durch" gewählt, 
Und nun schoß 
Flugs mein Roß 
Trotz Ruf, Schelten, Fleh'n und Ritten 
Und trotz püh und I70U stets mitten 
Durch die Hindernisse alle 
Zu dem perensabbathsballe. 
Mitten durch — durch Sumpf und Rohr, 
Korn und Dorn und Ried und Rohr. 
Ach! wie spliß 
Mir und riß 
Da der pambuttdorn, der spitze, 
In's Gesicht und Koller Ritze, 
Und wie färbten Schuh und Strümpfe 
Gelb die Pfützen und die Sümpfe. 
„Liebe Gabel," rief ich aus, 
,,pab' Erbarmen! Eil' nach paus! 
Mhne Ruh 
Immerzu 
Durch die Luft und über Wälder, 
U e b e r Korn und Dorn und Felder, 
Ueber Stock und Stein und Decken 
Flink, wie wind geschwind, mein Stecken!" 
Statt gehorsam mir zu sein, 
Ging's zum Riederwald hinein, 
wo sogleich 
Das Gesträuch 
Don dem Kopf mir, trotz der Litze, 
Streifte meine neue Mütze, 
Und wo Schrammen es und Beulen 
Setzte an den Eichstammfänlen. 
Endlich war der Wald zu End', 
Und durch grünendes Geländ 
Ging's jetzund 
Zu dem Grund, 
wo mit spitzen Kirchenthurme 
Blank ein Dörfchen; d'raus im Sturme 
Groß' und kleine Leute wallten 
Und, wie toll, mit Peitschen knallten. 
„Liebe Gabel," rief ich aus, 
,,pab' Erbarmen! Eil' nach paus! 
wie der wind, 
pfeilgeschwind 
Durch die Luft und über Wälder, 
Ueber Korn und Dorn und Felder; 
Rur den lauten Schwarm der Leute 
Meide, liebe Gabel, heute!" 
Aber, daß sich Gott erbarm'! 
Mitten durch den dicht'sten Schwarm 
Ging's in Pa st 
Mir zum Brast; 
Denn ich sah auf Stein und Stufen 
Kreuze rings, und lautes Rufen 
Flog von Mund zu Mund der Spötter: 
„Knüll? . . Das kommt vom Knüll, perr Detter!! 
„Auch noch das?" rief ich verschämt, 
wie ein Sünder, der vervehmt. 
Da — da schrie: 
„Kikeriki!" 
pell der Dorfhahn von der Stange, 
Und nun inachte bei dem Klange 
Kehrt mein Rößlein, um zum zweiten 
Male durch den Schwarm zu reiten. 
Das, das machte — meiner Sechs! — 
Mich zum Schluffe ganz perpler, 
Und wie ich 
Endlich mich 
wieder und zurecht gefunden, 
Denkt! war's bei dem Träubel unten, 
Das bereits am perd hantierte 
Und das Kaffeefeuer schürte. 
Als sodann ich ihm beschrieb, 
wie mit mir die Gabel trieb 
Rarrethei; 
War's vorbei 
Mit dem Ernst ihm. Ja, mit voller 
Kehle lachte's. als im Koller- 
Ich ihm zeigte all' die Ritze 
Und des Röhrichts gelbe Sprühe. 
„„Junge!"" sprach es schelmisch d'raus, 
„„Schwarzen Kaffee gieß' ich auf; 
Doch versprich 
Mir, nie Dich 
In der walpurg'snacht in Kneipen 
An dem Knüll herum zu treiben; 
Finden doch die B 0 ck b i er g e i st e r 
In Dir keinen perenmeister!"" 
Ludwig Alottr.
	        

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