Full text: Hessenland (10.1896)

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kauften sich gentzlich enthaltenn. Unnd do einer oder 
mehr hierüber betretten wurden, welcher obenan ge 
zogene Wahr uff dem Margkt vor der Stadtthornn 
oder sonstenn hin unnd Widder uf dem Landt 
nffkauffen, Gelt daruf thun unnd also der Burger 
schafft vorgreiffen unnd eine Theuerung machenn 
werdenn, dieselbige sollenn hertiglich gestrafft, ihnen 
auch das Borhauckenn Hinfurt gentzlich verbotten 
sein. . . . 
Alß auch B. unnd Rahdt hiebevor geordnet, das 
die Vorheucker nuhr drey Tage alß Mittwochen, 
Freitagk und Sonnabent biß ahnn 12 Uhr usin 
Margk feilt habenn sollenn, so soll solichs gleich- 
sals nachmals deromaßen gehalten werden. 
Jnngleichen sollen auch die Vorheucker kein Saltz 
uf dem Markt kauffenn, welches sie Widder ver- 
kauffen wollen, es wehr dann, das es zum dritten- 
maell außqeruffeu unnd unqekaufft vonn der Buraer- 
schafft stehen pleibe." 
Daran knüpfen sich Festsetzungen über die Höhe 
des den Vorhökcrn bei den einzelnen Diktualien rc. 
zu gestattenden Verdienstes. 
Dann heißt es weiter: 
„Es sollen auch hinfuro kein Vorheucker gelitten 
werden, welche zweyerley Gewicht brauchen unnd 
sich der ander durchaußen eutschlagenn, zu ver- 
hueteu allerley Finantz, so hieraus begangen 
werden kann. . . . 
Unnd da ein Vorheucker in oder außerhalb 
Landts gekaufft hette und vom Bürgermeister unnd 
Rath befragt worden« were, wie theuer er die 
Wahr gelangt, aber er, der Vorheucker unrecht 
berichtet und mehr »emmen wurde, dann er auß- 
geben unndt uffgewendet hette oder zu Cassel der 
Kauff unnd Schlagt wehre, eine solchs auch auß- 
keme, derselbig soll sich hinsurters deß Vorhauckenns 
gentzlich enthalten, auch hierüber in Straff ge 
fallen sein. 
Ferners soll auch kein Vorheucker dem anderm die 
Wahr uff Jahrmarckten oder sonstenn hindergeheu 
oder sonsten ohntrewlich handlenn, so hernachers 
gemeiner Stadt unnd der Bürgerschaft zu Nach 
theil gerathen mochte. 
Item es sollen auch die Vorheucker keine Pakta 
oder Geding machen, dardurch die Wahr ver- 
tewert, auch der gemein Mann übernommen wurde. 
Mehr soll auch kein Vorheucker falsch Betrug 
oder Listigkeitt im Gewicht, Maaß unnd Wahr 
prauchen. daßelbig verselschenn oder geringern», 
sonndern einem jederm (!) recht Maß »und Ge 
wicht, auch unverselscht Wahr geben, alls bey 
Straaff, so Bürgermeister unnd Raht erkennen 
werden. . ." 
Ist es von den hessischen Landgrafen bekannt, 
daß sie sich mit besonderer Vorliebe „des gemeinen 
Mannes" annahmen, „daß ihm gleich und recht 
widerfahre", wie es in der letztwilligen Verfügung 
Landgraf WilhelnLs IV., des Weisen, heißt, daß 
sic anderseits aber darauf bedacht waren, allen 
berechtigten Interessen der einzelnen Erwerbszweige 
ihren landesherrlichen Schutz zu Theil werden zu 
lassen, so gilt dieses auch in Bezug aus vorstehende 
Verfügung der Marburger Stadtobrigkeit, die, wie 
wir oben sahen, neben dem Interesse des Käufers 
auch das der Aufkäufer wahrte, soweit es eben 
wirklich berechtigt erschien. 
Aus Keimcrth 
Der Verein f ü r h e s s i s ch e G e s ch i ch t e und 
Landeskunde zu Kassel hielt am Abend des 
30. März an gewohnter Stätte seine Monats- 
versammlung ab. Wiederum konnte der Vorsitzende, 
Bibliothekar Dr. Brunner, über den Eingang 
werthvoller Geschenke- (Hassiaca) berichten. So 
schenkte Apothekenbesitzer Dr. Weiß in Kiel außer 
einigen kleineren Druckschriften Rechnung der Hanse 
grebengilde von 1798, Karte des Königreichs 
Westfalen sowie Expose de la Situation du royaume 
de Westphalie; ferner Major a. D. von Stainsvrd 
zu Kassel mehrere Drucksachen, darunter seine 
Schrift: „Der Antheil der hessischen Regimenter 
des XI. Armeecorps am Kriege von 1870/71". 
Rittmeister a. D. Freiherr Gustav Rabe von Pappen- 
rinö Iveinöe. 
heim überwies von ihm selbst angefertigte photo 
graphische Ausnahmen von zwei Urkunden der 
Rabe von Kalenberg vom 21. Juni 1459 und 
l. August 1461 sowie der Siegel der erstgenannten 
Urkunde, von denen das erste, ein Heirathswappen 
(Allianzwappen), besonders bemerkenswerth ist. 
Nach Erledigung der geschäftlichen Mittheilungen 
hielt Oberstlieutenant a. D. von Stamford seinen 
angekündigten Vortrag über den Feldzug des 
Drusus im Sigambrer-, Cherusker- und Chatten 
lande und die Schlacht bei Arbalo im Jahre 
11 v. Chr., für den der Vorsitzende dem Herrn 
Redner zum Schluß den Dank der Versammlung 
aussprach.
	        

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