Full text: Hessenland (10.1896)

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Aus alter tmö neuer Zeit. 
Mar bürg er Ordnung wegen der Bor 
höker von 1586. Höchst wahrscheinlich sind be 
reits viele unserer Leser und Leserinnen, nament 
lich aber der letzteren, zumal in kleineren Orten 
mit den sogenannten Auskäufern (Vorhökern), einer 
besonders lästigen Zugabe des Marktverkehrs, in 
nicht eben angenehme Berührung gekommen, indem 
sie es erleben mußten, daß die ihre Waare zu 
Markt führenden Landleute von denselben so um 
lagert wurden, daß andere Käufer garnicht anzu 
kommen vermochten, sondern sich daraus angewiesen 
sahen ihre Bedürfnisse statt aus erster Hand von 
diesen Zwischenhändlern zu erheblich theuerern 
Preisen zu erstehen, als sie bei unmittelbarem Einkauf 
zu haben gewesen wären. 
Auch unseren Vorfahren sind gleiche Erfahrungen 
nicht erspart geblieben. Schon zeitig führte das 
Bedürfniß, den Ausschreitungen der Zwischen 
händler Maß und Ziel zu setzen, zum Erlaß dies 
bezüglicher Verordnungen. Die bislang aus Hessen 
bekannte älteste Ordnung dieser Art, welche sich in 
gleichzeitiger Niederschrift auf der Ständischen 
Landesbibliothek in Kassel befindet, trägt die Ueber- 
schrist: „Willkürliche Ordnung unnd Ver 
gleichung eines erbarnn Rahts gemeiner 
Stadt Marpurgk mitt denn Vorheuckern 
allhier des Vorhaucks halbenn, denn 
14. Aprilis anno 1586 getroffen".*) 
Bei der Wichtigkeit der Aufkäuserfrage für das 
praktische Leben wird es sich lohnen unsere Auf 
merksamkeit dem kulturhistorisch bemerkenswerthen 
Aktenstück zuzuwenden und uns mit dessen Inhalt 
etwas näher bekannt zu machen, indem wir dies 
und jenes daraus mittheilen. 
„Erstlichenn soll kein Vorheucker hinfuro in 
der Stadt gelitten« oder zugelassenn werdenn, er 
hab dan zuvorderst ann Eidesstadt anngelobt dißer 
Ordnung zu gelebenn, unnd sich derselbigenn nichts 
zu widdersetzen. 
Es soll auch lütt ein jeder zum Vorheucker ge 
duldet , sondern mitt Vorwissen Bürgermeisters 
unndts Rahts darzu gelaßenn werdenn unnd sonder 
lich diejenigen, so vonn Torffenn in die Stadt 
ziehen« unnd so zu Burgern uff- unnd angenommen 
werden, derselben keiner soll innerhalb sechs Jarenn 
sich des Vorheuckens underfangenn, es wehre dann. 
*) Anfänglich war in der Ueberschrift als Tag der 
Entstehung der 19. Juli 1582 angegeben, doch ist dies 
Datum durchgestrichen und durch das neue ersetzt. Es 
liegt anscheinend ein Konzept vor. Die 1582 geplante 
-Ordnung wird erst vier Jahre später zur Durchführung 
gelangt sein. 
das einer eine Witfraw oder Burgerstochter nehme, 
die eine Vorhenckersche wehre und daß zuvor bey 
ihrem ersten Mann oder im Wittwenstande etzlich 
Jare getriebenn hette. 
Diejenigen, welche ihre Handtwerk gelernet unnd 
treiben« unnd davon ihren« Unterhalt haben können, 
sollenn auch nicht liederlich zugelassen werdenn. 
Welche aber inn ihren Handtwergkenn untrew- 
lichenn umbgangen. Betrug! und Falsch darinnen 
gebraucht, sollenn keineswegs zu Vorheucker« ge 
duldet werdenn, dann es vermutlich, dieweil! sie in 
ihren Handwergkenn meineidig erfunden, das sie 
auch im Vorheuckenn betruglich handle« werdenn. 
Es soll auch derjenig, so sich dieser Partirung 
underfangenn will, erstlichenn Bürgermeister und 
Raht zuvor angeben« unnd sonder Vorwißen der- 
selbigen nitt vor einen Vorheucker uffwerffen. Unnd 
do er seiner Personn halber verdechtig wehre, soll 
er diese Partirung zu treibenn sich enthalten unnd 
keinswegs anngenommen werdenn. 
Was die Vorheucker vor Wahr kauften unnd feil 
haben, dieselbige sollenn sie alhier nit uff dem 
Margkt inn der Wochen noch inn der Stadt, son 
dern ahn andern Ortern kauften unnd in die Stadt 
Prinzen. Und damit aller Verdacht vermitten 
werde, soll kein Vorheucker, wann Whar in 
der Wagen ist, darin kommen noch mitt Fnr- 
leuthen heimlich unterredden, dardurch die Wahr 
vertewert unnd denn Burgern der Vorkauff entzogen« 
werdenn mochte, pflegen oder habenn, sondernn sich 
deßen gentzlich meiden bey Poen unnd harter Straff, 
es wehre dann Sach, das Kauft- oder Fuerleuth 
Wahr zu feilem Kauft brechten, dieselbige ausge- 
ruffen wurde unnd unngekaufft vonn der Burger 
schafft stehen pliebe, alsdann sollenn die Vorheucker 
vonn denn Unnderkeuffern solche Wahr nach ihrer 
Gelegennheit zu kauften erfordert werdenn, des 
gleichen« wo einer zu seiner selbst Haushaltung 
oder Notturfft und nicht auf einen Vorkauff etwas 
kauffenn wurde, soll er darin ohnngefert sein." 
Folgen Bestimmungen über Ansetzung des Preises 
der von den Aufkäufern zu Markt gebrachten 
Waaren durch die städtische Obrigkeit, „der Gestaldt, 
daß sie dem Vorheucker, der die Wahr Widder ver- 
kauffenn will, einen zimlichen Gewinst darauf 
schlagenn, das der Vorheucker zu kommen, der ge 
meine Mann nicht übernommen und vor sein Geldt 
Whar bekommen möge. 
Es sollen aber die Vorheucker, der Duppen- 
(— Tops) oder Landtbotter, Landtkeß, Eyer unnd 
was der Landtman vor Eßennspeiß zu feilem Margkt 
pringtt oder Prinzen« magk, ns einenn Vorkauff zu
	        

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