Full text: Hessenland (10.1896)

Mas ehemalige Benediktinerkloster Breitenau. 
Von Adolph Feh. 
(Sortfe&ung.) 
|ic Lehnsherrlichkeit über das Kloster besaß 
der Mainzer Stuhl, während die Landgrafen 
von Thüringen die naturgemäßen und er 
wählten Schutzvögte waren. Verfolgen wir nun 
die Beziehungen des Klosters zu der Kirche wie 
zu den Landgrafen im Einzelnen, soweit die ge 
druckten Quellen dies gestatten, und zwar zunächst 
die Berührungspunkte, welche zwischen dem Kloster 
und den Landgrafen bestanden, so ist an erster 
Stelle zu erwähnen, daß schon unter den Zeugen 
der Bestütigungsurkunde Graf Ludwig von Thü 
ringen mit dem Zusatze vorkommt: ,gui et 
advocatus“. Landgraf Konrad gab zwar 1231 
die Schutzherrschaft mit Vorbehalt des peinlichen 
Gerichts auf, aber schon Landgräfin Sophie er 
hielt sie 1263 wieder zu Lehen. Die Landgrafen 
Heinrich und Otto machen 1357 mit dem 
Kloster den Vergleich, daß der Landgraf das 
oberste Halsgericht, der Abt dagegen die niedern 
Gerichte behalten sollte. Bei einer bevorstehenden 
Fehde mit Mainz wollte sich Landgraf Hermann 
zuvor des Gehorsams der Geistlichkeit versichern. 
Der Abt von Breitenau, Heinrich von Wolfers 
hausen, erwiderte auf die bezügliche Anfrage 1407, 
daß er den Landgrafen als angeborenen Schirm 
herrn anerkenne, dessen Willen er sich gleich 
seinen Vorfahren unterwerfen wolle. Und dabei 
blieb es vorerst, der Blutbann war allenthalben 
des Landgrafen, dessen Schultheißen nach Be 
fragung der Schöffen Recht sprachen, atich die 
Klöster waren nicht ausgenommen. Aber auch 
die Jurisdiktion über geringere Sachen wurde 
später den Klöstern mehr und mehr entzogen. 
Landgraf Heinrich III., der sich wenig um die 
Bannflüche des Mainzer Stuhles kümmerte, 
zwang selbst seine Prälaten, ihre weltlichen 
Rechtshändel vor das weltliche Gericht zu bringen. 
Das Rügegericht wurde alle Jahre im Herbst 
in Guxhagen abgehalten. — Das Sammthaus 
Hessen blieb auch mit der Vogtei Breitenau be 
lehnt, wegen dieses Lehens sah sich Kardinal 
Albrecht von Mainz am 26. Juni 1520 ver 
anlaßt, gegen die Erbverbrüderung zwischen Hessen 
und Sachsen zu protestiren. Im übrigen fehlt 
. es indessen nicht an Nachrichten, daß die Land 
grafen dem Kloster Breitenau, wo die beiden 
Landgrafen Wilhelm II. und Wilhelm III. am 
16. Mai 1487 ihre Erbeinigung abschlössen, ihre 
besondere Fürsorge angedeihen ließen; besonders 
wird dies von Ludwig II. mitgetheilt. 
Recht bezeichnend für den Geist, welcher die 
Klöster und deren Leiter in der zweiten Hälfte 
des Mittelalters beseelte, sind die Beziehungen 
Breitenaus zu Papst und Erzbischof. Die Päpste 
gaben dem Konvent wichtige Vortheile und 
wendeten ihm ihre Gunst zu, so daß sich Heinrich 
von Wolfershausen 1412 als dem Apostolischen 
Stuhle direkt unterstehend nennt. Wo es etwas 
zu erreichen galt, waren die Aebte, wie wir sehen 
werden, auch keineswegs wählerisch in ihren 
Mitteln. Sie versteigen sich nämlich in einer 
Eingabe an den Papst um Unterstützung im 
Jahre 1325 zu der dreisten Behauptung, daß 
sie unter einem widrigen oder verderbten Volke 
unter Tyrannen und Räubern wohnend (in loco 
nationis perversae ac inter tyrannos et rap- 
tores) derselben dringend bedürften. Zu dem- 
gleichen Zwecke geben sie 1465 dem Erzbischof von 
Mainz an, daß sie durch kalte (?) Lage und 
Mangel an Fischen herabgekommen seien, während 
sie doch reich begütert waren und zwei fischreiche 
Flüsse in ihrer nächsten Nachbarschaft hatten. Sie 
erhielten vom Papst die Erlaubniß, die Zahl der 
Mönche auf 20 herabzusetzen; doch paßte ihnen 
das nachher nicht, und die Zahl wurde wieder 
auf 24 vermehrt. Aber es fehlte überall an 
Ordnung, auch der Uebertritt zur Bursfelder 
Kongregation im Jahre 1496 (nicht 1457, wie 
Landau sagt) brachte keine nachhaltige Besserung 
hervor. Es war umsonst, der frühere Glanz 
war erloschen, der alte Wahlspruch: „Ex scholis 
omnis nostra salus, omni« gloria, omnis fe-
	        

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