Full text: Hessenland (10.1896)

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Durch den Vertrag vom 13. Dezember 1880 
wurde Schönfeld den Agnaten der Philippsthaler 
Linien des kurhessischen Fürstenhauses, welche An 
spruch an das kurhessische Hausfideikommißvermögen 
erhoben hatten, überlassen. Es wurde dabei vor 
behalten, daß „dem Domänenstskus als Besitzer der 
Domäne Meierei, bezw. dem Pächter der letzteren, 
zur Bewirthschaftung der Domänenländerei die 
Uebersahrü über einen Theil der Parkanlagen zu 
Schönseld in der Fortsetzung des sog. Spital- 
siechenwegs in der bisheriger Weise für alle Zu 
kunft ungehindert zu gestatten", sowie „dem 
Publikum der Verkehr, bezw. die Benutzung der 
Fahr- und Fußwege in den Parkanlagen zu 
Schönfeld in dem bisherigen Umfange zu gestatten 
sei. Beschränkungen in letzterer Beziehung dürfen 
nur nach vorgängiger Verständigung mit der 
Staatsregierung eingeführt werden". In dem 
Schlußprotokolle von demselben Tage wurde so 
dann Schloß Schönseld speziell dem Prinzen 
Karl von Hessen-Philippsthal zugewiesen. 
Schließlich wollen wir nicht unerwähnt lassen, 
daß zur Zeit die Absicht bestehen soll, in Schön 
feld einen zoologischen Garten einzurichten. 
A. W. 
Aus Keinruth unö Irrernöe 
Nachdem wir auf der großen Kunstausstellung 
im Meßhause im vorigen Herbst mancherlei Anregung 
empfangen, sargt wieder die permanente Ausstellung 
des Kasseler Kunstvereins im Kunst ha use andauernd 
für die Befriedigung unseres kunstsinnigen Publikums. 
U. A. erregten im verflossenen Winter viel Inter 
esse die hier der Allgemeinheit zugänglich gemachten 
Entwürfe für den Wettbewerb um die Preise der 
Wimmelstiftung. Leider ist weder bei .der Gemälde- 
noch bei. der Denkmalkonkurrenz ein Hesse als 
Sieger hervorgegangen, wiewohl auch von unseren 
Landsleuten — namentlich hinsichtlich der Gemälde-, 
skizzen — ganz Hervorragendes geleistet wurde. 
Bekanntlich wurde die Denkmals - Ausführung 
wenigstens einem Lehrer an unserer einheimischen 
Kunstakademie — Professor Karl Begas — 
übertragen, die Ausführung der Skizze „Einzug 
Wilhelm's IX. nach der Rückkehr aus dem Exil" aber 
dem bekannten Düsseldorfer Künstler Klein- 
Chevalier. Letzterer stellt jetzt, wahrscheinlich 
um auch hier einmal ein fertiges Ergebniß seines 
Könnens zu zeigen, seine schon viel gewanderte 
Darstellung der Feier der Enthüllung des Nieder 
walddenkmals aus. Dieselbe steht indeß an Wahr 
heit und Lebendigkeit der Schilderei seiner preis 
gekrönten Skizze nach, auch ist die Maltechnik 
wenig reizvoll. Immerhin bekundet das Bild ein 
gewisses Geschick in der Behandlung und Gruppirung 
größerer Massen, sowie Fleiß und Liebe in der Aus 
führung. Da steht das vorher an derselben Stelle 
vorgeführte Historienbild des hiesigen Akademie 
direktors Professor L. Kolitz „Die Fahrt des 
großen Kurfürsten über das frische Haff" weit 
höher, das ist ein künstlerisches Werk ersten Ranges, 
das es uns auf's Neue mit Genugthung empfinden 
läßt, einen solchen Meister an der Spitze der 
Haupt-Kunstschule unseres alten Hessenlandes zu 
besitzen. Wiederholt wurde uns in dieser Aus 
stellung Gelegenheit, auch die Werke speziell hessischer 
Künstler zu-sehen und reiche Begabung darin zu 
entdecken. So finden wir jüngst wieder Arthur 
Ahnert, Joh. Kleinschmidt, M. Lieberg 
und' Th. Matt hei vielseitig thätig. Letzterer 
stellte eben noch ein gefällig gemaltes, lebendig 
wirkendes Knabenbildniß aus. Von Klein- 
s ch m i d 1' s hervorragender Begabung für die 
Bildnißmalerei empfangen wir hier immer wieder 
neue Beweise. Er zeigt, daß er sowohl die Oel- 
wie die Pastelltechnik virtuos beherrscht. Sodann 
sind seine Bildnisse besonders durch die Lebendigkeit 
der Auffassung und Wahrheit der Darstellung ausge 
zeichnet. Die von Kleinschmidt mit Vorliebe gemalten 
Schildereien aus dem Kinderleben, denen er wieder 
neue amüsante hinzufügt, beweisen guten Blick für 
die Leiden und Freuden der kleinen Welt und viel 
Geschick in der Wiedergabe solch humorvoller 
Szenen. Matthei und Ahnert lieferten noch an 
ziehende Kasseler Straßenbilder voll Leben und 
Bewegung. M. Lieb erg war mit interessanten 
Skizzen bei der Wimmel-Konkurrenz betheiligt und 
bringt jetzt alleilei Baumstudien, beobachtete Re 
sultate des Zerstörungswerkes, das der vorjährige 
Orkan auf Wilhelmshöhe vollzogen. Hübsche land 
schaftliche Motive versteht Fritz Barth in 
seiner hessischen Heimath, namentlich im Habichts 
wald und der Rhön, auszusuchen und in guter 
Stimmungswiedergabe auf die Leinwand zu bannen. 
So sehen wir auch die Künstler, deren Wiege im 
Hessenland gestanden, in der Kunstausstellung 
unserer alten Residenz neben anderen in gleich 
kräftigem Wettstreit. M.
	        

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