Full text: Hessenland (10.1896)

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wurde. Aus dem Besitze des Generals von Schön 
feld, der nach dem Tode Landgraf Friedrichs II. 
in preußische Dienste trat, ging das Schlößchen 
in den des Landgrafen Wilhelm IX. über, der es 
dem Tabaksfabrikanten Thorbecke in Kassel über 
ließ. Für dessen Geschäft waren die Gebäude 
aber nicht geeignet. Thorbecke verkaufte sie da 
her bald an. einen emigrirten holländischen Major 
van der Hoop. Dieser wollte um Schönseld 
herum einen englischen Park anlegen und ließ 
deshalb die angepflanzten Alleen wieder entfernen. 
Er starb aber bald nach dem Erwerb, sodaß die 
Parkanlagen nicht zur Ausführung kamen. 
Das Schlößchen gelangte nun durch Kauf aber 
mals in die Hände eines Holländers, eines Barons 
de Smeet, welcher die Nebengebäude errichten 
und einen Brunnen graben ließ. de Smeet kehrte 
schon mach wenigen Jahren in seine Heimath zurück, 
und nun erwarb der Kasseler Bankier Jordis 
Brentano Schönfeld. Auch dieser blieb nicht 
lange Eigenthümer; aus seinen Händen kam die 
Anlage in den Besitz des Königs JörSme von 
Westfalen. 
Jetzt begann ein reges Leben in Schönfeld. Der 
König, der oft und gern dort weilte und in dem 
Schlößchen kleine Feste gab, ließ eine große Zahl 
benachbarter Grundstücke ankaufen und den Plan 
zu einem umfangreichen englischen Park entwerfen, 
mit dessen Ausführung unter der Leitung des 
späteren Hofgärtners Sennholz begonnen wurde. 
Auf der kleinen Insel im Teiche des Parks er 
richteten die Freunde des westfälischen Generals 
Ducoudras, Grafen von Bernterode, diesem 
ein von Johann Werner Henschel in Erz 
gegossenes Denkmal, welches 1813 wieder entfernt 
wurde. *) 
Ducoudras war 1806 und 1807 als fran 
zösischer Kapitän, später als Eskadronchef, Ad 
jutant des Prinzen Jörüme während des Feldzugs 
in Schlesien und trat nach der Bildung des 
Königreichs Westfalen in die westfälische Armee 
als Oberst und Flügeladjutant ein. Er wurde 
zunächst Kommandeur des Grenadier - Garde- 
Bataillons, dann am 13. Juni 1808 Brigade 
general und Kapitän der Garden. Am 1. Ja 
nuar 1809 schenkte ihm der König das der 
Krone heimgefallene Lehen Bernterode (südlich von 
Heiligenstadt) und erhob ihn in den Grasenstand. 
Während des Feldzugs 1810 in Spanien führte 
Ducoudras das aus westfälischen, holländischen 
und belgischen Truppen bestehende Gros des 
10. Corps der Großen Armee. Nachdem er 
am 1. Januar 1810 Divisionsgeneral und am 
*) Siehe „Hessenland", Jahrgang 1892, S. 272. 
24. Januar 1810 Ritter 1. Klasse des Ordens 
der westfälischen Krone geworden war, kehrte er 
zur Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesund 
heit nach Frankreich zurück, wo er am 13. Juli 1810 
zu Epernay starb. 
Als bei einer Reinigung des Teiches im Schön 
felder Park vor einigen Jahren die Grundmauern 
des erwähnten Denkmals auf der Insel wieder zu 
Tage traten, verbreitete sich alsbald das Gerücht, 
auch hier auf dieser Insel sei 1806 ein Theil 
des kurfürstlichen Vermögens eingemauert worden, 
— ein Beweis dafür, wie leicht solche ganz un 
gegründete Behauptungen entstehen. — 
Jörüme konnte auch nach seiner Vertreibung 
sein liebgewonnenes Schönfeld nicht vergessen. 
Nachdem er infolge der Thronbesteigung Na 
poleon's III. wieder nach Paris zurückgekehrt war, 
richtete er zu mehreren Malen an den kurhessischen 
Gesandten das Ersuchen, er möge doch die kur 
hessische Regierung zur Erstattung der Kosten 
veranlassen, die Jerome auf die Herstellung des 
Schönselder Parks verwendet habe. Die hessische 
Regierung ging stets scheinbar auf die Sache ein. 
stellte aber den durch das Niederbrennen des 
Kasseler Landgrafenschlosses ihr entstandenen Schaden 
in Gegenrechnung, worauf dann Jörüme sein Er 
suchen jedesmal zurückzog, um es nach einiger 
Zeit ebenso erfolglos zu wiederholen. 
1813 wurde Schönfeld wieder Eigenthum 
des Kurfürsten Wilhelm I. Kurfürst Wilhelm II., 
auf den es durch den Tod seines Vaters über 
gegangen war, schenkte das Schlößchen am 
1. Mai 1821 seiner Gemahlin, der Kursürstin 
Auguste, zu ihrem Geburtstage, von welcher es 
nun den Namen „Aug usten ruh e" erhielt, der 
aber gegen den bisherigen Namen „Schönfeld" 
nicht aufkommen konnte. 
Jetzt bekam Schönseld vorübergehend auch eine 
politische Bedeutung. Hier pflegte Kurfürstin 
Auguste Abendgesellschaften zu halten, in denen 
sie ihren kleinen Anhang um sich versammelte, 
jene Abendgesellschaften, die in so hohem Grade 
den Unwillen und den Argwohn Wilhelm's II. 
erregten und schließlich den Uebertritt des hessischen 
Artilleriehauptmanns Joseph Maria von Rado- 
witz in preußische Dienste herbeiführten. 
In der Hofdotationsurkunde vom 9. März 1831 
wurde Schönfeld als Bestandtheil des kurfürstlichen 
Hausfideikommisses anerkannt. 
Nach dem Tode der Kursürstin Auguste stand 
das Schlößchen verwaist. Erst seit den 1870 er 
Jahren wandte sich der Strom der Kasseler 
Spaziergänger ihm mehr und mehr zu. Einige 
Jahre war es dem General von Kalkreuth als 
Wohnung überlassen.
	        

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