Full text: Hessenland (10.1896)

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Füßen lag, nicht vielmehr als ein heimathloser, 
elender Bettler, da zog sie ihn empor an ihr starkes 
Herz und gelobte ihm Treue bis zum Tode. 
Frau von Saliern, welche sür die Zukunft der 
in holder Schönheit erblühten Tochter große 
Hoffnungen hegte, wollte nichts wissen von einer 
Liebelei mit einem entlaufenen Mönch, einem ab 
trünnigen Ketzer, aber Margaretha schlug die 
glänzendsten Partien aus, weder offene Fehde noch 
List und Intrigue vermochten sie von dem Ge 
liebten zu trennen. Ihre Treue war der Fels 
der allen Wogen des Leids, allen Stürmen des 
Geschicks siegreich widerstand. — 1 - 
Die Straßen Fuldas sind fast menschenleer. 
Die Sonne liegt sengend auf den weißen Mauern 
des Schlosses und bestrahlt die Erzstatue des 
„Apostels der Deutschen", welcher das Kreuz 
kampfesmuthig zum blauen Aether hebt. Ueber 
den Domplatz schleichen ein Paar alte Weiblein, 
Gebetbuch und Rosenkranz in den welken Händen. 
Hätten sie ahnen können, daß der stattliche Herr, 
der mit seiner lieblichen Frau soeben aus dem 
Schloßgarten trat, Eusebius sei, der entlaufene 
Franziskaner, sie hätten voller Entsetzen ein Kreuz 
geschlagen und nicht dem schönen Paare bewundernde 
Blicke nachgesandt. 
Magnus führt sein Lieb durch das Paulusthor, 
die Kastanicnallee empor zum Frauenberg. Weh 
müthig betrachtet er die Fenster seiner einstigen 
Zelle und spricht von den qualvollen Stunden, 
wo er dort oben gestanden und in's Weite geschaut, 
das Herz zerrissen von Selbstanklagen und Zweifeln. 
Innig umschlungen schreiten sie weiter und 
stehen wiederum nach langen Jahren unter dem 
Stamme des Kreuzes, an dem der Ephcu höher 
und höher emporrankte und wo die Kletterrose 
jetzt schon die Blüthen schlingt um die Dornen 
krone des Erlösers. Dieselben Bäume rauschen 
über den Glücklichen, und als jetzt das Aveglöckchen 
herüber klagt voin Frauenberge, da umschließt 
weiland Bruder Eusebius nur um so fester sein 
holdes Weib und segnet die Stätte, wo er einst 
seine Margaretha wiederfand und mit ihr die 
Kraft, seine Schultern von dem Gewände, seinen 
Geist von den Fesseln zu befreien, die man ihm 
einst übergeworfen, als er am Boden lag, ge 
brochen an Leib und Seele. 
Im Winterschlaf» lag die Erde 
Mit stillem Todtenangesicht! 
Da braust der Frühlingssturm: „Es werde! 
Schlag deine Augen auf zum Ficht 
And spreng' des Eises starre Sande, 
Der Gstergrutz schallt dnrch die Lande! 
Die Knospen drängen an der Meide, 
Im Mald, am Hang in neuem Grün! 
Schmück' dich mit deinem schönsten Kleide, 
Faß alle Mintrrqualrn stiehn! 
Der Sonne Gruß mußt du erwidern 
Mit neuem Leben, neuen Liedern! 
And tenbt mit grambefangnen Sinnen 
Der Mensch den Schritt in die Natur, 
Laß seine Sorgen dann zerrinnen 
Mie leichten Schnee auf Frühlingsflur! 
Nach Todesnacht dein neues Stützen 
Soll himmelwärts sein Soffen Sehen!" 
Ieanrretle Wramer. 
Aus after uuö neuer Ieit. 
Schönfeld. Der steile Abhang rechts der 
Straße von Kassel nach Niederzwehren, an welchem 
sich jetzt die zum Schlößchen Schönseld gehörigen 
Parkanlagen hinziehen, hieß um die Mitte des 
vorigen Jahrhunderts der „Hasenbusch". Es war 
ein wüster Platz, der aber wegen der schönen 
Aussicht, die er bot, dem landgräslich hessischen 
Generalmajor und Generaladjutanten Heinrich 
von Schönfeld so gut gefiel, daß er sich den 
Platz von dem Landgrafen Friedrich II. zum Ge 
schenk machen ließ. Er baute dann aus dem 
geschenkten Gelände die beiden noch heute stehenden 
Wohngebäude, die erst später durch den Mittelbau 
zu einem Ganzen vereinigt wurden, legte einige 
Alleen an und nannte das Ganze „Schönseldsberg", 
woraus allmählich der kürzere Name „Schönfeld"
	        

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