Full text: Hessenland (10.1896)

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j Staatsministern von Waitz und von Bau m- 
dach, schwere Bedenken, insbesondere wegen des 
in Sababurg verborgenen Silbergeschirrs. Die 
beiden Herren waren bis dahin vom Kurfürsten 
über die heimliche Bergung jenes Silbers ganz 
im Unklaren gelassen worden und hatten keine 
Ahnung von dieser Maßregel. *) Da überbrachte 
ihnen der Oberbaurath Jussow einen an ihn 
gerichteten Brief des Kriegszahlamtsdirektors 
Buderus vom 2. November, in dem es hieß, 
daß bereits in der ganzen Gegend von Sababurg 
von den dort vermauerten Effekten gesprochen 
werde. Zum Schutze des Silbers gegen etwaige 
räuberische Einbruchsdiebstähle hatte, man — 
nicht sehr überlegter Weise — ein Jägerkommandv 
nach dem einsamen Jagdschlösse gelegt; denn 
dadurch war die Sache noch auffälliger geniacht, 
und da die Entwaffnung der hessischen Truppen 
ohnehin in Aussicht stand, so konnte auch jenes 
Kommando diesem Schicksal nicht entgehen. 
Buderus bat daher 2 ), den Generalmajor von 
Webern zu veranlassen, daß er das Jäger 
kommando zurückziehe, statt dessen die Förster 
und Forstlaufer fleißig patrouilliren sollten. Von 
seiner Rathlosigkeit zeugt der Rath, welchen er 
dem Förster Bauer in Sababurg ertheilte, er solle 
hier und da in der Gegend erzählen, daß alle 
Sachen in der Nacht bereits abgeholt worden 
seien; — wodurch die Franzosen erst recht auf 
die Fährte gebracht worden wären. 
So bemächtigte sich die Angst aller Wissenden. 
Der Steuerrath Gottsched erschien bei den 
Ministern, um ihnen das Geheimniß anzuver 
trauen und sich damit außer Verantwortung zu 
setzen. Und der Hofmarschall Graf von Bohlen 
gab zu vernehmen, wie er dem Gouverneur 
Lagrange auf dessen Nachfrage nach dem herr 
schaftlichen Hofkämmerei-Silber die geschehene 
Absendung eines Theils davon um so mehr 
eröffnet und ihm das vom Kriegszahlamts 
direktor Buderus unterschriebene Verzeichniß vor 
gezeigt habe, als dieser Defekt durch Vergleichung 
des wirklich vorräthigen mit dem im Inventar 
verzeichneten Silbergeräth sofort entdeckt sein würde. 
Das Geheime Ministerium sah sich daher alsbald 
*) Es erklärt sich dies daraus, daß der Kurfürst ur 
sprünglich die Absicht gehabt hatte, die Kisten mit dem 
Silbergeräth von Münden aus zu Schiffe die Weser hinunter 
bringen zu lassen. Wie aber I. S. R u h l in seinen lim 
Besitze des Herrn Generalmajors von Bauer befindlichen) 
handschriftlichen Denkwürdigkeiten erzählt, konnte sich der 
sparsame Herr mit dem Schiffer über die Fracht nicht 
einigen; sie blieben um 50 Thaler auseinander, und so 
wurde das auch historisch überaus werthvolle Silbergeräth 
Hals über Kopf in Sababurg eingemauert. 
') Der Brief befindet sich bei den Akten! 
bewogen, die fraglichen Effekten eilends und noch 
vor der Bekanntmachung der Proklamation uck 
Iiouin imde zurückbringen zu lassen, illdelil ihnen 
so bewandten Umständen nach dies das einzige 
Mittel zu sein schien, die Sachen womöglich noch 
vor dem sonst ganz unvermeidlichen Verlust zu 
XCttClt. 
Der Hofmarschall Graf Bohlen erhielt des 
wegen die Weisung, vom Gouverneur sofort die 
nöthigen Pässe nebst einer Schutzwache zu ver 
langen, um die Silbergerüthe wieder an Ort 
und Stelle zu bringen.') 
In ihrem Bericht an den Landesherrn vom 
5. Dezember 1806 klagen die Minister nicht mit 
Unrecht darüber, daß man sie so ganz ohne 
Kenntniß der versteckten Sachen gelassen habe, 
da sie also auch außer Stande gewesen seien, 
zeitig geeignete Anstalten für deren Rettung zu 
treffen. So seien denn leider ihre Besorgnisse 
in Erfüllung gegangen, indem sämmtliche Vcr- 
wahrungsorte den Franzosen bekannt geworden, 
welche nicht nur alle in Sababurg gewesenen 
Sachen, sondern auch die zu Wilhelmshöhe und 
auf der Löwenburg noch vorgefundenen etwa 
30 Kisten abgeführt hätten. Das Silber wurde 
nach Mainz gebracht. _ 
Dabei nahmen die Franzosen keine Rücksicht 
auf die Reklamationen des Privateigenthums 
der Kurfürstin und Kurprinzessin, noch der 
Frau von Schlotheim, — der bekannten Reichs 
gräfin von Hessenstein, — sondern konfiszirten alles. 
Sogar dem kaiserlich österreichischen Gesandten 
Herrn von Wessenberg in Kassel ließen sie 
eine sehr harte und sonst ungewöhnliche Be 
handlung widerfahren, als sie in seiner Wohnung 
zwei Kasten mit Rechnungen u. dgl., welche dem 
Hofe zustanden, entdeckten. Ohne seiner Erklärung, 
daß verschiedene darin befindlich gewesene Sachen 
noch vor dem Erscheinen der Proklamation wieder 
heraus genommen worden seien, Glauben zu 
schenken, ckegte Lagrange ihm mehrere Mann 
Wache in's Haus, wovon einer sogar sich in 
seinem Zimmer aufhielt und Nachts sich auf sein 
Bett setzte, sodaß man nur mit unsäglicher Mühe 
und durch Anwendung aller nur denkbaren Mittel 
sich aus derartigen Verlegenheiten ziehen konnte. 
Dem Kurfürsten fielen diese Nachrichten sehr- 
schwer auf's Herz. Besonders mochte es die 
Sorge um sein unter dem Dache des Frontispice 
der Säulenhalle am Wilhelmshöher Schlosse ver- 
') Protokoll des Geh. Staatsministeriums vom 5. No 
vember 1806. Ständische Landesbibliothek, Mss. Hass, 
fol. 867. — Bericht an den Kurfürsten voni 1. Dezember, 
ebenda fol. 375,
	        

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