Full text: Hessenland (9.1895)

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Si virtus medicaeque queant aspellere mortem 
Artis laetus adhuc verlieret ipse suos. 
Nil mirare pios vita breviore potiri 
Qitos amathos citius vectat ad astra Deus. “ 
Deutsch; 
„ zwei Kinder jammern im Schmerz. 
Johannes Leuderoth hat solch ein Denkmal verdienet. 
Würdig zn leben dereinst glückliche Jahre als Greis; 
hätten ihm Kunst und Geschick vertrieben den grau 
sigen Tod, 
Froh noch würde er heut unter den Seinigen sein. 
Doch den Frommen ist oft nur kurz zn leben be- 
schieden. 
Früh ruft Gott sie oft ab, ewigen Frieden zu schaun." 
Die eigentliche Grabschrist sagt, daß Johannes 
Lendenroth, ein Sohn des Kirchhainer Raths- 
schöffen Konrad Leudenroth, noch verhältnißmäßig 
jung und mit Hinterlassung von zwei Kindern 
ans Palmsonntag 1590 selig gestorben ist. Eines 
dieser Kinder mit Namen Elisabeth war an 
den Kirchhainer Rathsschöffen und Bürgermeister 
Konrad Kornmann in Kirchhain verheirathet; in 
einem alten Stammbaume der Familie Korn 
mann von Kirchhain kommt im Anfange des 
17. Jahrhunderts als Bürgermeister und Raths 
schöffe Konrad Kornmann vor, ein Bruder des 
Dr. Heinrich Kornmann; als seine Frau ist an 
gegeben: „Elisabetha Leutenrad, Tochter des 
Johannes Leutenrad". 
Der K i rch h a i n e r A m t s sch u lt he i s H e i n- 
rich Leuderv.de ist die wichtigste Person der 
Familie Leuderode in Kirchhain. Er ist, wie 
sein Sohn David Lenderode, welcher Keller in 
Neustadt war, im Jahre 1650 an die Land- 
gräsin Amalie Elisabeth schrieb, 43 Jahre lang 
Amtsschultheis in Kirchhain gewesen. Er ist 
etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts ge 
boren und hat seinen Dienst anscheinend bis zum 
Jahre 1617 versehen; er hat dann noch einige 
Jahre in Kirchhain gelebt. Wann er gestorben 
ist, hat noch nicht genau festgestellt werden können. 
Im Jahre 1623 war er aber schon todt, denn 
in diesem Jahre fanden Verhandlungen statt 
ivegen seines Nachlasses. Er hinterließ vier 
Kinder, drei Söhne und eine Tochter. Die 
T o ch t er hieß S i b h l l a und war verheirathet 
an Dr. Heinrich Kornmann aus Kirchhain; die 
Söhne waren: Ioh ann es, David und 
Heinrich. Heinrich Lendero.de war 1623 
schon gestorben ohne Leibeserben hinterlassen zn 
haben; David Leuderode war der schon oben 
erwähnte Keller in Neustadt, der dort int Jahre 
1667 starb; I v h a n n es Leuderode war 
Domherr in Breslau, wo er am 10. Oktober 1665 
starb. 
Bei den Akten findet sich folgender Brief des 
Kellers David Leuderode aus dem Jahre 1623, 
den derselbe an einen Marburger Notar geschrieben: 
„Ehrenvester, Wohlgelahrter H. Notarie! 
Demselben verhalte ich endtßgenanter nicht, 
daß 4 vnser geschwister, zwey H. Johannes 
Leudenradt vndt ich peregre von den Eltern 
gelebt, andere zwen alß Soror Sybilla Korn 
mannin vndt Henricus f'rater, so nunmehr 
auch todt, kein leibßerben hinterlassen, als 
anheimische zu elterlicher Verlasienschaft genehrt, 
absentiam H. Johannis allegirt ad familiam 
heriscundam nicht haben kennen gebracht 
werden, Als; nvthwenlichen ich für ihnen 
Spondiret. negotiiret solches für genehm an 
genehm gewesen. Ter Herr Bruder H. Johann 
hat mir auch seine negotia furzetragen man- 
diret, honores ejus zu befördern habe td) 
viel mühe vndt Vmstandt angewandt. Daher 
ihro Hochwürden auch an mich schreibt, td) 
dasselbige zu Kirchhain heilen vndt halber 
statt zu meiner Kinder nottdnrfft gebraucheit 
solle. Weil ick) nun an dem Fürstl. Hessischen 
Sampthoffgericht zu Marpurg meine Person 
für Ihro Hochwürden legitimiren will un 
gewißen werden, ob nun wohl Iraker pro 
tratre in judicio stehen kann, So will ick) 
jedock) E. E. als Notarium publicum gebeten 
haben, angezogene Ihrer Hochwürden Handt 
vndt Vrkundt an mich zu ersehen, zu ver 
zeichnen vndt weill die originalia groß ruber 
vndt nuber zn führen, gefährlid), beklaubte 
Vhrknndt meiner nottdnrfft nach mick) dazu 
gebrauchen haben möge, vmb die gepur mit 
zutheilen. Ick) getroste mich dessen vrtdt ver 
bleib deß H. Notarii 
sreundtwilliger 
Dauid Lutheroht, Kell." 
Dr. Heinrich Kornmann, Gemahl der Sibylla 
Lenderode, hat nock) gelebt int Jahre 1627; in 
diesem Jähre thut er ttoch gemeinschaftlich mit 
seinem Schwager, dem Keller David Leuderode 
in Neustadt, Sck)ritte in der Erledigung der 
Nachlassenschast des verstorbenen Amtsschultheisen 
Heinrich Leuderode von Kirchhain. Int Jahre 
1632 war Dr. Heinrich Kornmann schon todt, 
da in diesem Jahre die Sibylla Korn- 
m ann in in den betreffenden Akten als Wittwe 
vorkontmt; sie hat noch int Jahre 1659 gelebt 
und zwar in Alsfeld. 
Tie wichtigste Person der Familie Leuderode 
ist der als Domherr am 10. Oktober 1665 
in Breslau verstorbene Johannes de Leude 
rode. Jit einem alten Stammbaume wird er 
! ausgeführt als Dominus Johannes de Leuderoth
	        

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