Full text: Hessenland (9.1895)

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Dienste zu treten, ebenso sollten die Unteroffiziere 
und Soldaten ihrem Wunsche gemäß in die 
österreichische Armee einverleibt, die übrigen aber 
mit Abschied entlassen werden. Der unglückliche 
Ausgang des Krieges ließ indeß Oesterreich sein 
Versprechen nicht halten, und der Kurfürst mußte 
ans die Anstellung seiner Offiziere bis zur Hälfte 
derselben verzichten. Bei der Abschiedsaudienz 
dankte der Kurfürst bewegten Herzens den Offi 
zieren für ihre geleisteten Dienste und gab ihnen 
sein Fürstenwort, daß sie in allen Lagen ihres 
Lebens darauf rechnen könnten, wie er sie nie 
vergessen und sich erkenntlich zeigen werde, wenn 
die gütige Vorsehung ihn wieder auf seinen recht 
mäßigen Thron zurückführe. Gleichzeitig be 
willigte er jedem verabschiedeten Offizier neben 
einer Monatsgage noch ein Geschenk von 60 Gulden 
Papier. Jeder Unteroffizier und Soldat, der 
nicht in österreichische Dienste trat, empfing eine 
dreitägige Löhnung zur Bestreitung der Reise 
kosten , und sollten ihm die Uniform, Hose, 
Gamaschen, Strümpfe, Schuhe und Hemd belassen 
bleiben. 
Die kurhessische Legion des Jahres 1809 ist 
als eine vollgültige kurhessische Heeresformation 
zu erachten. Sämmtliche Stamm- und Rang 
listen führen die einzelnen Theile derselben in 
der Geschichte der 1813 wieder hergestellten kur 
hessischen Regimenter rc. als ihnen zugehörig 
auf. So z. B. heißt es beim Leibgarderegiment 
„Im Jahre 1809 wurde ein Bataillon Garde 
in Böhmen neu errichtet, in demselben Jahre 
nach geendetem Feldzug aber wieder aufgelöst", 
bezw. beim 2. Husarenregiment: „1809 nahm 
die in Böhmen neu errichtete Husareneskadron an 
den Feldzügen in Sachsen und im Bayreuth'schen 
Theil". — 
Nachrichten über die Familie Leuderode. 
Von Joseph Anton Ruhl, Postsekretär in Marburg. 
(Schluß.) 
ieser Konrad Leudenroth hatte einen Sohn 
Johannes, der noch verhältnißmäßig jung 
auf Palmsonntag 1590 starb. Diesem Johan 
nes Leuderode, welcher studirt hatte und wahr 
scheinlich hessischer Geistlicher war, ist zu Kirch- 
hain ein schönes steinernes Grabdenkmal er 
richtet worden, das sich noch heute außen an 
der Ostniauer der Kirche zu Kirchhain befindet. 
Das Grabdenkmal hat die Gestalt eines kleinen 
Altars, welcher über einem massiven Sockel ruht; 
ans dem Sockel erhebt sich zwischen zwei künstlich 
behauenen vorstehenden Säulen der Haupttheil 
des Denkmals, llämlich der verstorbene Johannes 
Lenderode in nieender, betender Stellung, und 
über seiner Figur steht die eigentliche Grabschrist; 
über diesem Theile befindet sich ein Engel, welcher 
das L e u d e r o d e' s ch e F a m i l i e n w a p p e n hält; 
dieses stellt einen Schild dar, auf welchem von 
oben rechts nach unten links ein Balken mit 
zwei Krellzen angebracht ist; von den Armen des 
Engels erhebt sich aus jeder Seite ein Flug, 
welcher den Kopf des Engels an beideil Seiten 
einschließt; das Denkmal findet seinen Abschluß 
durch eine kleine Bedachung, unter welcher ein 
Todtenkopf, eine Sanduhr und einige Todtenknochen 
allgebracht sind. Folgendes sind die Inschriften 
dieses Grabdenkmals: 
Unterhalb des Todtenkopfs irnd oberhalb des 
Engels mit dem Wappen stehen die Worte: 
„Momento mori“ — „Gedenke, daß bit stirbst". 
Unterhalb des Wappens und oberhalb der 
eigentlichen Grabschrift steht das Wort: 
„Epitaphium“ — „Grabdenkmal". 
Hieraus folgt die eigentliche Grabschrift in 
dem oberen Haupttheile des Denkmals, welche 
folgendermaßen lautet: 
„Viri piotate et doctrina eximii Domini 
Johannis Leudenradi, Conrado Leudenrado 
• cive Kirchanensi primario et optimo nati, 
pie defuncti die palmarum Anno MDXC.“ 
Deutsch: 
„Grabdenkmal des durch Frömmigkeit und 
Gelehrsamkeit ausgezeichneten Johannes Leuden- 
rade, Sohn des Kirchhainer angesehenen und 
besten Bürgers Konrad Leudenrade, selig ge 
storben auf Palmsonntag 1590." 
Auf dem Sockel befindet sich eine Inschrift in 
Hexalnetern und Pentametern, von welcher jedoch 
die erste Zeile ganz und die zweite zum größten 
Theile fehlt. Diese Inschrift lautet, soweit sie 
lloch vorhanden ist, folgendermaßen: 
„ pignora bina gemunt 
Haec Leudenradus meruit monumenta Johannes, 
Nestorei dignus vivere lustra senis
	        

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