Full text: Hessenland (9.1895)

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Vereins gewählt, dessen Ziel bei dem engen Zu 
sammenschluß aller Deutschen der Stadt Jnowraz- 
law, besonders aus dem Mittelstände, gilt. 
Einladung an deutsche Künstler zum 
Wettbewerb. Ein Kasseler Bürger, der Weiß- 
binder Johannes Wimmel hat der Stadt Kassel 
eine Stiftung vermacht behufs Verwirklichung ver 
schiedener öffentlicher künstlerischer Zwecke. So 
soll zur Verherrlichung der Einigung Deutschlands 
in den Jahren 1870 und 1871 ein Denkmal 
errichtet werden, zu dessen Standpunkt die städtischen 
Körperschaften den Wilhelmshöher Platz ausersehen 
haben. Um die Herstellung eines Werkes von 
hervorragendem künstlerischen Werth zu ermöglichen, 
ist beschlossen worden, an alle deutschen Künstler 
eine Einladung zum Wettbewerb zu erlassen und 
ist diese Einladung soeben ergangen. Für den 
besten Entwurf wird die Ausführung zugesichert. 
Es stehen dafür, ausschließlich der Nebenkosten, 
50 000 Mark zur Verfügung. Der zweitbeste 
Entwurf erhält einen Preis von 600 Mark. — 
Weiter hat der Erblasser für die Herstellung 
zweier Oelgemalde einen Betrag von 12 000 Mark 
(zweimal je 6000 Mark) ausgesetzt. Das eine 
Bild soll eine Schilderung aus dem jetzigen Kasseler 
Leben geben, das andere eine Schilderung aus 
der Zeit des ersten Kurfürsten, Wilhelm's I. 
Universitätsnachrichten. Der ordentliche 
Professor an der Universität Greifswald Di-. Ernst 
Maaß ist vom 1. April d. I. ab in die philo 
sophische Fakultät der Universität Marburg versetzt. 
— Der außerordentliche Professor und Vorsteher der 
chemischen Abtheilung des physiologischen Instituts 
der Friedrich Wilhelms-Universität Berlin Di-. 
Albrecht Kassel ist zum ordentlichen Professor 
in der medizinischen Fakultät und Direktor des 
hygienischen Instituts der Universität Marburg er 
nannt. — Der ordentliche Professor der Theologie 
Dr. Kuehl in Marburg ist in gleicher Eigenschaft 
uach Königsberg in Preußen versetzt. — Der 
Oekonomiekommissar Dr. phil. Strecker zu 
Witzen Hausen ist als ordentlicher Professor der 
Landwirthschaftslehre an die Universität Leipzig 
berufen. — Dem Professor an der Forstakademie 
zu Hann. Münden Dr. Metzger ist der Charakter 
als Geh. Regierungsrath verliehen worden. 
Brüder Grimm. Auch in Berlin und zwar 
am Hause Linkstraße 7, ihrer langjährigen Wohn 
stätte, befindet sich jetzt eine Gedenktafel der Brüder 
Grimm. Tie Inschrift lautet: „Hier wohnten 
von 1847 bis zu ihrem Tode die Brüder Jakob 
Grimm (1 20./9. 1863), Wilhelm Grimm 
(4 16./12. 1859). Ihrem Andenken die Stadt 
Berlin." 
Um an seiner Stelle einen modernen Ban auf 
zuführen, hat die Kasseler Aktienbrauerei als Be 
sitzerin beschlossen, das Gasthaus zur Stadt Stock 
holm an der Ecke der Mittel- und Entengasse in 
Kassel niederlegen zu lassen. Damit fällt wiederum 
eines der älteren Gebäude der Stadt. Zwar 
zeichnet sich die „Stadt Stockholm" nicht durch be 
sonders bemerkenswerthe Bauart aus, so daß aus 
künstlerischen Gründen ihre Erhaltung zu wünschen 
wäre, wohl aber zählt sie zu den Häusern, an 
welche sich interessante geschichtliche Erinnerungen 
knüpfen. Weilte hier doch Karl XIl., König von 
Schweden, ans seinem denkwürdigen Ritt in die 
Heimath nach seiner Flucht aus türkischer Gefangen 
schaft im Jahre 1714, hatte das Haus doch einst 
die Ehre, keinen Geringeren als Meister Johann 
Sebastian Bach 51t beherbergen, und zwar am 
21. September 1732 und an den folgenden Tagen. 
Bach war nach Kassel gekommen, um die neue 
große Orgel der St. Martinskirche zu prüfen. 
Man vergleiche darüber Carl Scherer, Joh. Seb. 
Bach's Aufenthalt in Kassel, in den „Monatsheften 
für Musik-Geschichte". Leipzig (Breitkopf und 
Härtel). Jahrg. 25. (1893.) Heft 8. 
Todesfälle. In Kiel starb am 27. Februar der 
frühere Reichstagsabgeordnete Dr. med. Heinrich 
Wachs, ein geborener Kurhesse. Er ist am 4. August 
1822 geboren, erhielt seinen Jugendunterricht in den 
Bildungsanstalten der Heimath und studirte in 
Marburg Medizin. Im Jahre 1848 trat er bei 
Ausbruch des schleswig-holstein'schen Aufstands in 
die rasch gebildete Armee der Herzogthümer als 
Militärarzt und machte die drei Feldzüge bis 1850 
mit. Nach dem unglücklichen Ausgang der Erhe 
bung ging er mit dem Nest des tapferen Heeres 
nach Südamerika. Dort verweilte er mehrere 
Jahre als Arzt in Rio de Janeiro, Montevideo und 
Bnenos-Ayres. In Montevideo hatte er Gelegen 
heit, in einer heftigen Blatternepidemie als Wohl 
thäter der Stadt aufzutreten. Er hatte eben von 
dem Arzte eines englischen Schiffes ein Fläschchen 
mit Lymphe erworben, als die gefährliche Krankheit 
ausbrach. Er war dort damals der einzige Arzt, 
welcher das Schutzmittel besaß. Seine Erfolge 
waren bedeutend; alles wollte jetzt revaccinirt wer 
den. 1853 reiste Wachs wieder in die Heimath 
zurück und kam nach Schleswig-Holstein, wo er sich 
verheirathete und Gutsbesitzer wurde. Sein Wohn-
	        

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