Full text: Hessenland (9.1895)

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der Werbeoffizier von Nvstiz in österreichische 
Dienste trat resp. mit Zustimmung des Erzherzogs 
Karl eine besondere Bayreuthische Legion bildete. 
Besseren Erfolg hatte die Werbung, als aus 
gesprengt wurde, es sollten nur Polen angeworben 
werden, deren Sprache die Werbe-Unteroffiziere 
indeß nicht verständen. Die Folge war, daß viele 
böhmische Soldaten ihre österreichischen Fahnen 
verließen und als angebliche Polen im kurhessischen 
Corps Aufnahme suchten und fanden, oft ohne 
Handgeld zu fordern und in der Aussicht, dort 
weniger Prügel, aber besseres Essen zu erhalten. 
Diesen Kniff seitens der hessischen Werber wurde 
aber von österreichischer Seite sehr übel vermerkt 
und der Kurfürst mußte herbe Anklagen hören. 
(Schluß folgt.) 
Nachrichten über die Familie Leuderode. 
Bon Joseph Anton Ruht, Postsekretär in Marburg. 
(Fortsetzung.) 
in 19. Juli 1655 belehnten der Keller*) David 
ßk Leuderode und der Neustädter Bürger- 
o]' meister Johannes Heiden den Müller Hennig 
Krauß mit der sog. Hainmühle, welche der 
Kirche in Neustadt gehörte. 
Nach einer Urkunde des Kellers Leuderode vom 
22. März 1639 hatten die Momberger für ihre 
Grundstücke, welche sie in der Neustädter Gemarkung 
besaßen, jährlich 9 Rthlr. als Schatzung in die 
Kellerei zu zahlen. 
Durch den Keller David Leuderode sind auch 
einige Nachrichten über das Neustädter Schloß, 
das heutige Amtsgericht, auf uns gekonimen. Im 
Jahre 1652 erstattete derselbe nämlich einen aus 
führlichen Bericht an die kurfürstliche Regierung 
zu Mainz über den „ruinirten Schloßbau" zu 
Neustadt; er beantragte Reparirung der beiden 
vorzüglichen Keller des Schlosses, welche immer 
schadhafter würden; in Bezug aus den Schloß 
thurm (den runden Thurm oder Junker Hansens 
Thurm) schreibt Leuderode in seinem Berichte 
Folgendes: „Der schöne Thorn, der Burckthorn 
genanndt, neben dem ruinirten Schloßbau, stehet 
noch in starkem Fuß und Mauern und kann 
dem Dach wohl geholfen werden." Als Sach 
verständiger für die Schieferung des Thurmes ließ 
Leuderode den Steindecker Georg Dauber von 
Marburg kommen, welcher nach Besichtigung des 
Thurmes am 4. März 1652 sein Gutachten und 
einen Kostenanschlag abgab. Daraufhin fand 
noch im Jahre 1652 die Reparatur der Dächer 
auf dem Schlosse und dem Burgthurme statt. 
Im Jahre 1654 führt die Kellereirechnung 
150 Gulden Strafgelder auf, welche der Keller 
Leuderode für seinen Sohn bezahlen mußte, weil 
*) Keller aus lat. cellarius — Verwalter eines 
Kellers, dann auch der Weinberge und schließlich über 
haupt der Einkünfte von Ländereien. 
derselbe einen Dieb, welchen er bei Nacht ver 
folgte, niederschoß, als derselbe ans sein Anrufen 
nicht stehen blieb. 
Die Kellereirechnungen für die Jahre 1656 
und 1657 find nicht mehr von dem Keller David 
Leuderode, sondern von dem Kellereiverweser und 
Kellereiadjunkten Matern Sebastiani ausgestellt; 
vom Jahre 1658 war Leuderode aus seinem 
Dienste ausgetreten und an seiner Stelle Sebastiani 
zum Keller ernannt worden. Ob Leuderode aus 
Gesundheitsrücksichten den Kellereidienst nieder 
legte, oder ob er es that, um seine Güter in 
Neustadt besser verwalten zu können, darüber ist 
nichts Gewisses bekannt geworden. Wie die alten 
Kellereirechnungen von 1658—1667 ersehen lassen, 
erhielt der alte Keller David Leuderode auf 
Anordnung des Kurfürsten von Mainz jährlich 
8 Viertel oder Mött Korn als Gnadenbesoldung. 
Der Tag, an welchem der alte Keller David Leude 
rode im Jahre 1667 starb, ist nicht bekannt. Die 
Kellereirechnung für 1667 führt nur 2 Viertel 
Korn als Gnadenbesoldung für den alten Keller- 
David Leuderode auf, die Besoldung für ein 
Vierteljahr, das er noch gelebt hatte, wie die 
Kellereirechnung sagt. Die Kellereirechnungen 
wurden jährlich aufgestellt von dem Sonntage 
Oculi, dem dritten Sonntage in der Fasten, des 
einen Jahres bis zu demselben Sonntage des 
nächsten Jahres. Da also der Keller David 
Leuderode im Jahre 1667 noch ein Vierteljahr 
gelebt und für diesen Zeitraum seine Gnaden 
besoldung mit 2 Mött Korn erhalten hat, so 
muß er um Pfingsten des Jahres 1667 gestorben 
sein. 
Die Kellereirechnung, welche Leuderode für das 
Jahr 1648 ausstellte, hat folgende Ueberschrift: 
„Des Hochwürdigsten Fürsten und Herrn Johann 
Philipp, des Heil. Sülls zue Meintz Ertzbischouen
	        

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