Full text: Hessenland (9.1895)

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damals an der Spitze der hessischen Hilsstruppen 
in Amerika kein Baron Hohendorfs, an den der 
Bries gerichtet sein soll, wie damals überhaupt 
kein Ossizier dieses Namens in der hessischen 
Armee vorhanden war. Ebensowenig findet sich 
ein Major von Mindorf in den hessischen Rang 
listen der damaligen Zeit. In dem Briefe wird 
weiter die Zahl der bei Trenton Gebliebenen 
genau bezeichnet. Konnte der Landgraf von Hessen, 
der damals allerdings in Italien weilte, aber 
am 8. Februar 1777, dein angeblichen Datum 
seines Schreibens, dort schon von den Vorgängen 
bei Trenton so sorgfältig unterrichtet sein? 
Dampfschiffe gab es damals noch nicht. Wir 
wissen, das; die deutschen Zeitungen erst im An 
sang des März 1777 von den Vorgängen des 
26. Dezembers 1776 Kunde erhielten, ja, daß 
man nach zwei vollen Jahren, im Dezember 1778, 
über die Größe des Verlustes von Trenton 
noch keine Gewißheit hatte. Erst nach 1781 
gelang es, den Verlust mit einiger Sicherheit 
festzustellen. Dieser Verlust betrug in Wirklichkeit 
aber nicht etwa 1450 Gefallene, von denen unser 
Brief spricht, sondern belief sich ans 17 Getödtete, 
78 Verwundete und an Gefangenen auf 84 Offi 
ziere, 25 Trommler und 759 Soldaten. Schließ 
lich sei darauf verwiesen, daß Gefühle und An 
schauungen, wie sie in dem Briefe sich äußern, 
dem Landgrafen Friedrich II., dem damaligen 
Regenten des Hessenlandes, den wir damit aber 
gerade noch nicht als einen Mann ohne Fehl. 
und Tadel hingestellt haben wollen, durchaus 
fremd waren. 
Der Brief ist nichts als die Verbalhornung 
eines französischen, vermuthlich aus den Mirabeau- 
schen Kreisen hervorgegangenen Pamphlets, welches 
in den vierziger Jahren zur Blüthezeit der nnti- 
vistischen Bewegung gegen die Fremden, zumal 
die Deutschen ausgenutzt wurde. 
Zum Schluß sei nur noch die Hoffnung aus 
gesprochen, in Zukunft dem Briese „des Grafen 
von Schaumburg und Prinzen von Hessen" in 
deutschen Zeitungen nicht wieder begegnen zu 
müssen. W. chrolefend. 
Die Theilnahme Kurfürst Wilhelm s I. von Hessen an 
dein Kriege Oesterreichs gegen Frankreich im Jahre 1809. 
Vene C. Weschke. 
'Wer Krieg Oesterreichs gegen Frankreich war 
JH im Anfang April 1809 ansgebrochen. Das 
österreichische Heer, befehligt vo»l Erzherzog 
Karl, war durch diesen seit 1806 neu organisirt, 
verbessert unb vermehrt worden. Den alten bnreau- 
kratischen Schlendrian, die Treulosigkeiten in der 
Heeresverpflegung, die Uneinigkeit und llubot- 
lnüßigkeit der zaudernden und schwankenden Generale 
sonnte er indeß nicht bemustern. Zudem wurde die 
Eröffnung des Feldzugs hingezogen durch das De- 
battiren in Wien über den einzuschlagenden Feld 
zugsplan und die Frage über die Benntzllng der 
in Kurhessen, Hannover unb Preußen fast gleich 
zeitigen Aufstände gegen das französische Regiment, 
die von Oesterreich unb Preußen sowie den de- 
possedirten Fürsten in geheimer Weise in's Leben 
gerufen worden waren oder doch wenigstens von 
ihnen stillschweigend gutgeheißen wurden. Dem 
Erzherzog Karl stand zuerst Marschall Berthier, 
bann vom 18. April an Napoleon selbst entgegen. 
Wir wissen, daß dieser die beiderseits der Donau 
operirenden österreichischen Heere zurückdrängte 
unb am 13. Mai in Wien einzog. Am 20. und 
21. Mai war die blutige, aber unentschiedene 
Schlacht bei Aspern unb Eßlingen auf dem linken 
Donauufer, am 6. Jllli entschied die Schlacht bei 
Wagram über das Geschick Oesterreichs. Durch 
den Waffenstillstand voir Znaym am 12. Juli 
und den diesem folgenden Frieden von Wien oder 
Schönbrnnn am 18. Oktober verlor Oesterreich 
2058 Quadratmeilen mit 4flZ Millionen Ein 
wohnern. 
An diesem für Oesterreich so unglücklichen Kriege 
von 1809 nahm auch der von Napoleon entsetzte 
Kurfürst Wilhelm I. von Hessen Theil, wenn 
auch nicht in Person, so doch durch ein selbstge 
worbenes H i l s s c o r p s, dessen Geschichte und Thaten 
fast tragikomisch zu neunen sind, zumal diese Truppe 
in die Lage kam, gegen ihre eigenen Landsleute, 
gegen königlich westfälische Truppen unter Hiero- 
uymus Napoleon, zu scharmützeln. 
Kurfürst Wilhelm I., seit Juli 1808 in Prag 
wohnend, schloß also am 20. März 1809 einen 
Allianzvertrag mit Oesterreich, nach welchem er 
sich verpflichtete, ein Truppencorps von 4000 Mann 
in's Feld zu stellen, das je nach Lage der kriege-
	        

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