Full text: Hessenland (9.1895)

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eigenen Glaubensgenossen helfen müsse, so möge 
die Fürstin das Stipendium dem Studiosus Franz 
Möller weiter gewähren, der es bisher auf ihre 
Präsentation in Kassel „studiorum gratia“ be 
zogen habe. Ferner ist aus den Akten zu ersehen, 
daß zwei Brüder ans einer Familie Schott dieses 
Stipendium schon früher nach einander bezogen 
hatten.. . 
Gegen die Adligen in Neustadt scheint der 
Keller David Lenderode ziemlich streng gewesen 
zn sein; er suchte deren vermeintlichen Anmaßungen 
und liebergriffen kräftig zu steuern, was znr Folge 
hatte, daß sich dieselben wiederholt seinetwegen an 
den Kurfürsten 311 Mainz wandten und ihn da 
selbst verklagten. So hatte er einmal einen Diener 
der Herren von Linsingen wegen Nichtzahlung von 
7 Albns 2 Heller in's Gefängniß setzen lassen, 
worüber sich die Gebrüder Johann Gottfried nnd 
Johann Burkhard von Linsingen beim Kurfürsten 
Johann Philipp beschwerten. Dieser befahl dem 
Keller Leuderode am 28. November 1651, den 
Linsiugischen Diener sofort frei zu lassen, nnd er 
mahnte ihn zugleich, gegen die adligen Basallen 
und ihre Leute künftig mehr Bescheidenheit walten 
zu lassen. Im Jahre 1652 beschwerte sich der 
Rittmeister Johann Bnrkhard von Linsingen 
wiederum wegen des Lenderode in Mainz, weil 
er ihm den Landknecht in seine freie adlige 
Wohnnng gesandt und durch denselben verboten 
habe, an seinem vorgehabten Ban weiter zn ar 
beiten; dieses Verfahren verstoße gegen seine Burg 
freiheit. Auf gemachten Borhalt gab der Leuderode 
au, daß er das Weiterbaueu nicht verboten, son 
dern nur gebeten habe, so lange damit innehalten 
zu wollen, bis der Weg von der Kirche nach der 
Kellerei, welcher gerade ansgebessert wurde, wieder 
hergestellt gewesen sei. Auf diese Beschwerde des 
°-r-X 
Herrn Burkhard von Linsingen wurde von dem 
Oberamtmann Heinrich Christoph von Griesheim 
am 4. November 1652 von Fritzlar aus an den 
Keller David Lenderode verfügt, daß der Keller, 
Bürgermeister oder Rath zu Neustadt mit den 
Herren von Linsingen in ihrer Behausung nur 
durch einen Rathsverwandten oder den Stadt 
schreiber verhandeln dürften, daß sie aber niemals 
den Landknecht dahin abschicken sollten. 
Als um dieselbe Zeit die Adligen in Neustadt 
ihre Schuldner aufforderten, zu ihnen zu kommen, 
verbot der Keller David Lenderode den Neu 
städtern bei 10 Gulden Strafe, deren Aufforderung 
Folge zu leisten, da dieses eine angemaßte Juris 
diktion der Bnrglente wäre; eine solche Auf 
forderung könnte nur durch das Gericht erfolgen. 
Auf die Beschwerde der sämmtlichen Neustädter 
Bnrglente verfügte der Oberamtmann Heinrich 
Christoph von Griesheim zu Fritzlar am 
6. Oktober 1651 an den Keller Leuderode, daß 
es den Adligen, wie jedem Privatmanne, gestattet 
sei, die Zinslente und Schuldner privatim zu er 
mahnen ; der Keller dürfte die Unterthanen hiervon 
nicht abhalten, noch viel weniger die Leute be 
strafen, die der Aufforderung der Bnrglente Folge 
leisteten. 
Am 16. Juli 1651 erging vom Kurfürsten 
Johann Philipp auch an den Keller David 
Leuderode eine allgemeine Verfügung, wonach 
zur Abtragung der schwedischen Verpfleguugs- 
gelder auch die bürgerlichen unbefreiten Güter 
der adligen Bnrglente nach Verhältniß znr Steuer 
heranzuziehen seien; wenn die Bnrglente sich 
weigern würden, sollten sie mit Exekution und 
anderen Strafen hierzu gezwungen werden. 
(Fortsetzung folgt.) 
Auch eine wahre Schinderhannesgeschichte. 
Von Pfarrer Hufnagel in Kesselstadt. 
^ as liebliche Kinzigthal mit seinen wohlhabenden 
Städtchen und Dörfern, seiner früher so 
Or verkehrsreichen Leipziger Straße und seinen 
dichtbewaldeten, langausgestreckteu Höhenzügen 
war im Anfang unseres Jahrhunderts ein Haupt 
schanplatz der Thätigkeit des berüchtigten Räuber 
hauptmanns Schinderhannes. Nicht nur 
thalaus und thalab überraschte er bald hier, 
bald dort den ahnungslosen Bürger und Bauer, 
brandschatzte die Fuhrherren und Reisenden oder 
kühlte sein Müthchen an den ihm verhaßten 
Beamten, den Hütern des Gesetzes, sondern bis 
weit hinein in die angrenzenden Gebirgsland 
schaften des Vogelsberges und Spessartes dehnte 
er seine Nanbzüge ans, wenn ihm seine Kund 
schafter gemeldet hatten, daß irgendwo ein guter 
Fang zu machen sei. 
Im Pfarrhause 31t Kirchbrach 1 gibt noch 
ein Glöcklein, das sich im obersten Fenster der 
nördlichen Giebelwand ausgehängt findet, Kunde
	        

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