Full text: Hessenland (9.1895)

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Ehefrau Ursula war. Diese Prozeßakten tragen 
fogende Ueberschrift: 
„Klage der Edlen Erentugenthafften vndt 
Erenvesten frawen Catharine geborenen 
von Leuthenrodt, auch Johans von Linsing 
des Eltern, F.(ürstlich) hessischen Hoffmeisters 
vndt Johan Clauers, Hoiffgerichts Nhat, 
als weilaudt Bernhardt Clauers seligen nach 
gelassenen Wittwe vndt Kinder — Vormünder 
ad litem — contra — den auch Edlen vndt 
Erenvesten Adolf Wilhelm Schenken, Ambt- 
mann zu Hombergk in Hessen." 
Wie aus einem noch vorhandenen sog. Erb- 
r eg ist er über alle Einnahmen und Ausgaben der 
Kellerei Neustadt aus dem Jahre 1582 zu er 
sehen ist, existirte damals die Familie Leuderode 
noch in Neustadt; nach diesem Register „hatten die 
Leuderaths Erben" an Wiesenpacht für eine 
Wiese unten an der Dick jährlich 3 Albus in die 
Kellerei zu zahlen. 
David Leuderode war Keller in Neustadt 
von 1623 bis 1667; er war der Sohn des Kirch- 
hainer Amtsschultheisen Heinrich Leuderode 
und der Bruder des Breslauer Canonicus Joes 
de Leuderode. Er selber sagt uns am 17. 
September 1655, als im „Gemeinen Weinhause" 
(dem Stadtwirthshause) zu Neustadt Verhand 
lungen wegen der Mastfreiheit für die Neustädter 
stattfanden, daß im Jahre 1623 in Neustadt der 
Keller Kornemann gewesen und daß er ihm von 
da ab gefolgt sei; von ihm (dem Kornemann) 
habe er das kurfürstliche Zins- und Lagerbuch 
überkommen, worin das zu entrichtende Mastgeld 
aufgeführt wurde; im Jahre 1650 sei dieses 
Zins- und Lagerbuch auf Befehl des Kurfürsten 
von dem damaligen Notar und Stadtschreiber zu 
Neustadt Konrad Bonlandl erneuert worden. Im 
Jahre 1654 wurde dasselbe aus kurfürstlichen 
Befehl von Leuderode unter Zuziehung des Schul- 
theisen und der Gerichtsschöffen von Neustadt 
wiederum erneuert. Diesen Verhandlungen wohnte 
der damalige Pfarrer Joes Wieder, sowie der da 
malige Notarius und Indimoderator (Schullehrer) 
von Neustadt Johann Jakob Marder bei. Die alten 
Rechnungen der Kellerei Neustadt, welche sich noch 
im königlichen Staatsarchive zu Marburg be- 
sinden, beginnen erst mit dem Jahre 1648. Nach 
diesen Rechnungen hat David Leuderode den 
Kellereidienst versehen bis 1657; von 1658 bis 
1667 hat er noch in Neustadt gelebt; er wohnte 
in der sog. „Ningelheimer Mühle am Odder- 
stüßchen" (in der heutigen Kampemühle), welche 
er von Volpert Hoffmann gekauft hatte. Die 
jährlichen Bezüge des Kellers waren nach den 
Rechnungen folgende: 1) 9 Gulden 17 Albus baares 
Geld, 2) 16 Viertel oder Neustädter Mött Korn. 
3) 24 Viertel oder Neustädter Mött Hafer; 
außerdem bezog er noch verschiedene Nebenein 
nahmen, welche der Kellereidienst mit sich brachte; 
hierzu gehörten die Entschädigungen für die Reisen, 
welche der Keller nach Mainz oder Aschaffenburg 
machen mußte, wenn er seine Rechnungen ab 
legte; ferner gehörten dazu die Vergütungen für 
die Reisen und Wege, welche er innerhalb seines 
Amtsbezirks oder auch nach Amöneburg, woselbst 
sich das Oberamt befand, ausführen mußte. 
Aus der eigentlichen amtlichen Thätigkeit des 
Kellers David Lenderode (er schreibt seinen Namen 
gewöhnlich Leudenrvth) ist wenig auf uns ge 
kommen; es mag dieses theilweise daraus zu er 
klären sein, daß seine erste Amtsthätigkeit in die 
Zeit des dreißigjährigen Krieges füllt, in Folge 
dessen an eine ruhige geordnete Verwaltung nicht 
zu denken war, zumal auch Hessen und die 
Mainzischen Gebiete daselbst von den feindlichen 
Kriegszügen zu leiden hatten. Folgendes Schreiben 
des Kellers David Leuderode ist von Interesse, 
weil es uns einigen Aufschluß giebt über seine 
Eltern. Im Jahre 1650 wandte sich David 
Leuderode an die hessische Landgräfin Amalie 
Elisabeth und bat dieselbe um Zuwendung der 
für einen Altar zu Naumburg gestifteten Ein 
künfte (eines Stipendiums) für seinen Sohn 
Hans Heinrich und seinen Enkel Johannes 
Re über, welche beide in Schlesien studirten. 
Der Erzbischof von Mainz hatte dem Keller David 
Leuderode seine Genehmigung hierzu schon ertheilt. 
Hans Heinrich Leuderode wurde aber bald darauf 
zum Kriegsdienste eingezogen und fand seinen 
Tod in einer Schlacht, wie die alten Stamm 
bäume bezeugen. Der Keller Leuderode hob in 
feinem Gesuche an die Landgräfin in Bezug auf 
seine Familie hervor, „daß meine lieben Vor 
eltern Balthasar von Weitershausen zu 
Rauschenberg, auch mein lieber Vater selig 
dem Haus Hessen in 43 Jahren zu Kirchhain 
den Schultheisendienst rhümlich betretten". 
Daß der Keller David Leuderode hier neben 
seinem Vater, dem Schultheisen von Kirchhain, 
den Schultheis von Rauschenberg, Balthasar von 
Weitershansen, als „seine lieben Voreltern" 
bezeichnet, kann nur den Sinn und die Bedeutung 
haben, daß seine Mutter eine Tochter des ge 
nannten Balthasar von Weitershausen gewesen ist. 
Aus den hierüber vorhandenen Akten geht hervor, 
daß zu den Erben und Berechtigten des genannten 
Stipendiums eine Familie Schmidt in Greben 
stein gehörte; diese bat die Landgräfin,. dem 
Leuderode das Stipendium nicht zu verwilligen, 
zumal er katholisch sei; und da man zuerst seinen
	        

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