Full text: Hessenland (9.1895)

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des an Helmholtz's Stelle zum Präsidenten der physi 
kalisch-technischen Reichsanstalt ernannten Professors 
Dr. Kohlrausch. B r a u n war bereits schon einmal 
und zwar außerordentlicher Professor in Straßburg 
von 1880 — 1888. Davor war er Lehrer am Thomas 
gymnasium in Leipzig, dann außerordentlicher 
Professor der mathematischen Physik in Marburg. 
Von Straßburg kam er als ordentlicher Professor 
aiLs Polytechnikum nach Karlsruhe, Ostern 1885 
folgte er einem Rufe als ordentlicher Professor 
nach Tübingen. 
Dr. A. 
Oberlehrer Pfarrer Rose +. Am 12. d. M. 
verstarb in Kassel im 82. Lebensjahre der einstige 
Senior der hiesigen Oberrealschule Johann Adam 
Rose. Geboren zu Freudenthal bei Homberg am 
21. November 1813 erhielt er seine erste Vor 
bildung von 1825—1827 in dem Institut des 
Pfarrers Schmitt zu Schenklengsfeld, siedelte dann 
aus das Gymnasium zu Hersfeld über, von dem 
er Ostern 1832 die Universität Marburg bezog, 
um sich dem Studium der Theologie zu widmen. 
Nach bestandenem Gramen leitete er bis 1837 
eine Privatschule in Schenklengsfeld, dann ein 
Jahr lang eine solche in Witzenhausen und weiter 
hin nahezu fünf Jahre eine Erziehungs- und 
Unterrichtsanstalt in Kassel. Im August 1843 
wurde er als Lehrer an die im Mai desselben 
Jahres in's Leben getretene Kasseler Realschule 
berufen, an der 44 Jahre lang zum Heil und 
Gedeihen zu wirken ihm beschieden war. Im 
April 1887 wurde ihm von der vorgesetzten 
Staatsbehörde die erbetene Pensionirung bewilligt 
und von Sr. Majestät dem Könige der Rothe 
Adlerorden verliehen. — Seine herzliche Theil 
nahme bewahrte er der Schule auch, nachdem 
er in den Ruhestand getreten war, und bis 
vor wenigen Jahren folgte er mit aufrichtiger 
Freude der Einladung zu den öffentlichen Feiern 
der Anstalt. Mit schmerzlichem Bedauern ver 
nahmen seine Freunde, daß der einst so rüstige 
Gelehrte dem Gesetze der Natur seinen Tribut 
bringen mußte und den Leiden des Alters mehr 
und mehr versiel. Dieses Bedauern galt aber 
nicht allein dem ehemaligen Amtsgenossen, sondern 
auch dem Manne, der durch seinen prächtigen 
Humor, durch die herzgewinnende Liebenswürdig 
keit seines Wesens die Sympathien Aller erwerben 
mußte, die in näheren Verkehr mit ihm kamen. 
Der reiche Segen, den er in viel tausend Schüler 
herzen ausgestreut, und die unwandelbare Treue, ; 
mit der er bis zu seiner Pensionirung seines I 
Amtes gewaltet, sichern iym in den weitesten 
Kreisen ein dankbares Andenken. 
Dr A. 
Im Verein der deutschen Maschineningenieure 
hat dessen Vorsitzender, Ingenieur Veitmeyer, 
am 4. Dezember v. I. dem verstorbenen Chef 
der Maschinenfabrik Henschel & Sohn in Kassel, 
Geheimen Kommerzienrath Oskar Henschel, 
einen ehrenden Nachruf gewidmet, den wir nach 
stehend wiedergeben: 
„Es ist mit dem Verstorbenen der Enkel des 
ursprünglichen Gründers der Firma Henschel 
& Sohn in Kassel dahingeschieden, und der Träger 
eines Namens, von dem ich sagen kann, er hat 
uns bei unserem Eintritt in unsern Beruf vor 
geleuchtet. Der Name geht zeitig dem Namen 
Borsig voraus. Er war einer derer, welche, als 
! die Maschinentechnik und die Kenntniß und wissen 
schaftliche Behandlung derselben, besonders in 
! Deutschland, noch in der ersten Entwickelung, in 
! den Kinderschuhen steckte und ihre Vertreter keine 
! Anerkennung nach irgend einer Richtung hin fanden, 
i vorleuchtend in dem Fach vorangeschritten sind. 
: Wir, die Aelteren, haben das, was er und seine 
Zeitgenossen geleistet haben, aus den ganz unbe 
deutenden Zeitschriften und Büchern der damaligen 
j Zeit mühsam zusammensuchen müssen, um daran 
i einen Wegweiser zu finden zum eigenen Fort- 
1 schreiten. Nicht nur in dem, was er praktisch 
geleistet, sondern auch in theoretischen Erwägungen 
i zur Entscheidung wichtiger Fragen unseres Faches 
war Henschel einer von denen, die uns führten, 
j Tie Arbeiten seiner Fabrik schlossen sich an die 
Anfänge der Maschinentechnik in Deutschland an; 
noch wird in der Henschel'schen Fabrik der Damps- 
! cylinder aufbewahrt, der vor beinahe 200 Jahren 
der Papin'schen ersten Dampfmaschine angehörte. 
So weit zurück reichen die Anschlüsse, die Henschel 
festgehalten hat. Ich habe dies als Kennzeichen 
der Fabrik und jenes Mannes anzuführen nicht 
unterlassen wollen, jenes Mannes, der einer der 
Bahnbrecher des Maschinenbaues in Deutschland 
gewesen ist!" 
Personalien. 
Uevertrageri: Dem Oberförster Dr. May die 
Obersörsterstelle Rengshausen. 
Versetzt: Oberförster Bau mann zu Rengshausen 
auf die Oberförsterstelle Bodland im Regierungsbezirk 
Oppeln. 
Verliehen: dem Direktor der Marburger Um* 
versitätsbibliothek Dr. Roed iger der Rothe Ädlerorden
	        

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