Full text: Hessenland (9.1895)

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Aus alter und neuer Zeit. 
Ein Beitrag zur Geschichte der Familie 
Hillebrand. Die Familie der trefflichen, im 
Dezember v I. aus dem Leben geschiedenen hessischen 
Schriftstellerin Johanna Elisabeth Wigand, 
geb. Hillebrand, bekannt unter dem Schriststeller- 
namen H. Brand, nimmt durch mehrere ihrer 
Mitglieder einen ehrenvollen Platz in der Kriegs 
geschichte ein, sodaß eine authentische Geschichte 
dieser nunmehr als erloschen zu betrachtenden Familie 
gewiß am Platze wäre. Bor mir liegt ein von 
Johanna Elisabeth herrührendes Schriftstück, dem 
ich die folgenden Angaben entnehme: 
Der UrUrgroßvater war gebürtig aus Ebs 
dorf bei Marburg, ein Bauernsohn, der, ein 
hessischer Soldat, im spanischen Erbfolgekrieg in 
den Niederlanden durch Rettung von Mannschaften, 
die er durch angeschwollenes Wasser trug, da er 
sehr groß und stark war, sich Offiziersrang erwarb. 
Sein Sohn Johann Philipp, geboren zu Ebs 
dorf im Jahre 1733, verehelicht mit Johanna 
von Trott zu Solz aus der Linie Lispenhausen, 
ging als Major im Regiment von Huhne 1776 mit 
nach Amerika, während seine Frau und seine Tochter 
Karolina in Kassel blieben. Landgraf Friedrich II. 
trug die Erziehungskosten dieser Tochter in einem der 
ersten Pensionate und stattete sie aus, als sie nachher 
den späteren Regierungspräsidenten von Gärtner 
in Marburg heirathete. Gärtner's Mutter war 
eine Murhardt.*) 
Johann Philipp's Söhne waren Johann 
Konrad und Karl Beide gingen als junge 
Offiziere gleichfalls mit nach Amerika. Nach der 
Rückkehr 1784 wurde Johann Philipp Oberst 
lieutenant im Regiment von Knoblauch, später Oberst 
und starb zu Marburg 1789 als Pensionär. 
Johann Konrad war zu Niederelsungen 1752 
geboren. Derselbe ward 1786 Premierlieutenant 
in dem Regiment von Knoblauch zu Ziegenhain, 
1788 im Regiment von Ditfurth in Hanau. Er war 
verheirathet mit Katharina Roth. 1808 trat 
er in westfälische Dienste, ward Major und stand 
in Herford. Im Jahre 1813 wurde er kurhessischer 
Hauptmann und stand in Rinteln. 1806—1808 
war er in Metz internirt. Warum? sagt die Ber 
fasserin, seine Enkelin, nicht Er zog 1814 mit 
nach Frankreich, kehrte nach Hessen zurück und ward 
Rentmeister in Eschwege, wo er 1819 starb. 
Karl, des Vorigen Bruder, diente einige Zeit 
in den Regimentern von Knyphausen und von Lvß- 
*) Der Murhardt'sche Stammbaum ist aus der Zeit 
schrift des Vereins für hessische Geschichte. Jahrgang 1867, 
bekannt. Gärtner's Haus gehörte später dem Vizekanzler 
Robert. 
berg, ward Hauptmann und ging wieder nach 
Amerika, wo er sich verheirathete. Weiter erfuhr 
man von ihm nichts. 
Der Vater der Schriftstellerin hieß Franz 
Karl und war nach seinem ebengenannten Onkel 
Karl genannt. Er war geboren am 26. September 
1796 zu Vacha. Den Namen Franz erhielt er 
von seinem Verwandten Di-, juris Gärtner. Er 
wurde in der westfälischen Zeit in der Militürschnle 
zu Braunschweig erzogen. Im Jahre 1813 ward 
er hessischer Lieutenant und machte die Feldzüge 
1814 und 1815 gegen Frankreich mit. 1830 
wurde er Hauptmann und verheirathete sich 1831 
mit Jeanne Elisabeth Sauerwein, der Tochter 
eines Teppichfabrikanten in Hanau. 1845 ward er 
Oberstlieutenant und Kommandeur der Schlitzen, 
1849 war er mit in Schleswig-Holstein, 1851 
zur Disposition gestellt, 1852 Kommandant in 
Schmalkalden, 1853 Etappenkommandant in Olden 
dorf. Am 21. Februar starb er in Folge eines 
Gehirnschlags in Rinteln bei Oberst Weiß, seinem 
Freunde. 
Des Franz Karl Tochter, unsere Schriftstellerin, 
ist am 19. Januar 1833 zu Kassel geboren, ver 
heirathete sich mit dem Verlagsbuchhändler Georg 
Heinrich Wigand zu Kassel, war wohnhaft in 
Wahlershausen bei Kassel, wo sie am 3. Dezember 
1894 starb. 
Ihr Vater hatte drei Schwestern, die verheirathet 
waren an den Metropolitan Coing in Gudens- 
berg, den Pfarrer Scheuch in Gensungen und den 
Metropolitan Kröger in Witzenhausen. Außerdem 
besaß sie vier Geschwister: 1. Marie, Ehefrau 
des Pfarrers Müller zu Ehringen, t 1864; 
2. Karoline Sabine, lebt in Hanau; 3. Karl 
Heinrich, lebt in Amerika, kinderlos; 4. Johann 
Wilhelm, geboren 1842, Lieutenant im Regiment 
Landgraf Karl seit 1861, ist gestorben zu Görbers- 
dorf in Schlesien in einer Heilanstalt im Dezember 
1863 an Lungenschwindsucht. So ist ein Geschlecht, 
das etwa ein und ein halbes Jahrhundert in Hessen 
geblüht und dessen erster uns bekannter Ahne ein 
Hüne an Kraft und Gestalt war, mit einem Lungen 
kranken zu Grabe getragen worden, ch. Tk. D. 
Aus Heinmth und Fremde. 
Professor Dr. Ferdinand Braun (geboren 
1850 zu Fulda) in Tübingen hat eine Berufung 
als Professor der Physik nach Straßburg erhalten 
und angenommen. Er wird damit der Nachfolger 
*) In einer der nächsten Nummern werden wir die 
Biographie der Verstorbenen zur Veröffentlichung bringen. 
Redaktion des „Hessenland".
	        

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