Full text: Hessenland (9.1895)

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gäbe (3. April). Am 12. Mai rückten sie in 
Tirol ein, erstürmten die Ehrenbürger Klause 
und besetzten das drei Tage vorher vom Kaiser- 
verlassene Innsbruck (23. Mai). 
Schon vor Ausbruch der Feindseligkeiten hatte 
Moritz mit Ferdinand eine schriftliche Unterhandlung 
gepflogen. Die Folge hiervon war eine Zusammen 
kunft zu Linz zwischen Ferdinand und Moritz 
(18. April bis 1. Mai). Hier wurde eine neue 
Zusammenkunft in Passall und ein vierzehntägiger, 
nach vier Wochen beginnender Waffenstillstand 
verabredet. Am 31. Juli kam der Pass au er 
Vertrag zu Stande, Hauptbedingungen waren: 
die verbündeten Fürsten entlassen ihre Truppen 
bis zum 12. August und leisten Hilfe gegen 
die Türken; an demselben Tage wird der Land 
graf frei und nach Rheinfels gestellt, nachdem 
er zuvor die Hallische Kapitulation neu unter 
zeichnet hat, und noch andere Bedingungen. 
Wilhelm kehrte am 10. August in sein Land 
zurück, berief die Landstände nach Homberg und 
ließ dieselben die Hallische Kapitulation unter 
zeichnen (28. August). Erst aus Grund des aus 
gestellten kaiserlichen Patents wurde Landgraf 
Philipp mit seinen Begleitern, Kurt von Diede, 
Adam von Trott und Eberhard von Bruch durch 
die Königin Maria entlassen und am 4. September 
durch den spanischen Hauptmann Esquival und 
300 Reiter aus Löwen, wohin er gebracht worden 
war, geleitet. Ueber Jülich, Köln und Siegen 
kehrte Philipp in sein Land zurück und kam am 
11. September, einem Sonntage, in Kassel an, 
wo er sich gleich in die St. Martinskirche zum 
Gottesdienste begab. 
Seine letzten Regierungsjahre verwendete er 
in der Hauptsache dazu, die nachtheiligen Folgen 
seiner Kapitulation und Gefangenschaft für sein 
Land möglichst zu verringern. 
Ueber diese Punkte wird in einem späteren 
Aussatze gehandelt werden. 
Haussprüche aus Hersfeld und Umgegend 
Gesammelt von I. Hallenberger in Hersfeld. 
A. Sprüche religiösen Inhalts. 
1. Der Herr ist mein Hirte, 
Mir wird nichts mangeln. Heringen. 
2. Jesus, wohn' in meinem Haus, 
Weiche nimmermehr daraus. 
Bleib' mit Deiner Gnade drin. 
Weil ich sonst verlassen bin. Heringen. 
3. Sorge für Deines Lebenshaus, 
Der Mensch geht wie eine Blume aus. 
Mrhneberg bei Hersfeld. 
4. Gottes-Wort 
Mein Hort. Hersfeld. 
5. Gott der Herr lasse seine Gnade über uns 
walten. Blankenheim. 
6. Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu 
geworden. Breitenbach bei Bebra. 
7. Was Gott nicht hält, das geht zu Grund, 
Wenn's gleich auf eisernen Mauern stund. 
Meiterode. 
8. Ihr Kinder, kommt zu mir, ich will Euch 
lehren, denn das ist gut, daß ihr meine 
Worte hört. Mrktar. 
9. Mein Kind, wenn Dich die bösen Buben 
locken, so folge ihnen nicht. Middershaufen. 
10. Gott allein mein Trost soll sein. Untergeis. 
11. Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen. 
Setersberg. 
12. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe 
auf ihn, er wird's wohl machen. 
Petersberg und Sorga. 
13. Wer auf Gott vertraut. 
Der hat wohl gebaut. 
Breitenbach am Herzberg. 
14. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott 
halte und meine Zuversicht auf ihn setze. 
Sorga. 
15. Darum ist Jemand in Christo, so ist er eine 
neue Kreatur. Gotzmansrode. 
16. Arbeit thut es nicht allein. 
Des Herrn Segen muß auch dabei sein. 
Drum rufet Gott um Hilfe an. 
Er hilft, wenn Niemand helfen kann. 
Malkomes. 
17. Loli äoo gloria. 
Hilmes.
	        

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