Full text: Hessenland (9.1895)

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Philipp der Großmüthige. Landgraf von Hessen. 
1504—1567. 
Von H. Metz. 
(Schluß.) 
„Den Landgrafen man überredt. 
Daß er sich auch ergeben that 
Uf Gnad dem Kayser in sein Handt, 
Daß unverderbet blieb sein Landt; 
Wiewohl man ihn vertröstet fein. 
Daß er nicht solt gefangen seyn. 
Doch die Verhafflung beyder Herrn 
Bis in das sechste Jahr that warn." 
In Halle angekommen, am 19. Juni 1547. 
wurde dem Landgrafen von Granvella alsbald eine 
Urkunde zur Unterschrift vorgelegt, durch die er sich 
zur Beschickung des von der Mehrheit der christlichen 
Stände gebilligten Konziliums und zur Annahme 
der Beschlüsse desselben verpflichten sollte, falls 
sich hierzu auch die anderen deutschen weltlichen 
Fürsten bereit erklären würden. Philipp versprach 
soviel zu thun, wie Joachim, Kurfürst von 
Brandenburg, und Moritz von Sachsen gethan 
hätten. Am Abend desselben Tages empfing 
der Kaiser den Landgrafen, der Abbitte leistete. 
Im Namen des Kaisers wurde ihm von dem 
Reichskanzler Seld Verzeihung angekündigt mit 
der ausdrücklichen Zusage, daß er weder mit 
ewigem Gefängniß noch mit Konfiskation und 
Entsetzung seiner Güter bestraft werden sollte. Zum 
Abendessen wurden Philipp sowie die Vermittler 
von Herzog Ferdinand von Alba, dem spanischen 
Feldherrn des Kaisers, eingeladen, allwo dem Land 
grafen von Eustachius von Schlieffen im Aufträge 
der beiden Kurfürsten verkündet wurde, daß er 
aus Granvella's und Alba's Verlangen während 
der Nacht Gefangener sei, zugleich aber setzte 
Schlieffen hinzu, daß Joachim und Moritz am 
anderen Morgen in dieser Angelegenheit beim 
Kaiser die nöthigen Schritte zu seiner Befreiung 
thun würden. Den beiden Kurfürsten wurde aus 
ihre Vorstellung der landgräslichen Angelegenheit 
vom Kaiser geantwortet: er habe niemals ver 
sprochen, daß der Landgraf nicht mit einiger, 
sondern nur nicht mit ewiger Gefängnißstrafe be 
legt werden sollte. Philipp blieb in Hast. Mit 
dem abgesetzten Kurfürsten Johann Friedrich 
zusammen wurde der Landgraf in einem Wagen 
nach Naumburg gebracht (22. Juni). Hier ver 
ließen ihn Joachim und Moritz, nachdem der 
Kaiser die Drohung ausgestoßen hatte, daß er 
den Landgrafen nach Spanien schicken wolle, falls 
sie ihn noch weiter begleiten würden. Von Naum 
burg ging die Reise Philipp's über Bamberg, 
Nürnberg, Schwabach, Nördlingen bis Donauwörth ; 
immer wurde der Gefangene in den schmutzigsten 
Herbergen unter strenger Bewachung untergebracht. 
Philipp nahm immer noch thätigen An 
theil an der Regierung seines Landes, der sein 
ältester Sohn Wilhelm, der Statthalter Rudolf 
von Schenck, Dilemann von Günterode, Kanzler, 
und die Räthe Wilhelm von Schachten und 
Simon Bing vorstanden. Bis zu seinem Be- 
sreiungsversuche wurde er immer als regierender 
Fürst betrachtet, seine Räthe wurden zu den 
Reichstagen vom Kaiser aufgefordert. Aber alle 
an seine Person gerichteten Briefe wurden von 
dem wachthabendem Hauptmann eröffnet und der 
Inhalt dem Herzog Alba mitgetheilt. Vergebens 
waren die an den Kaiser gerichteten Bittschriften 
des Landgrafen sowie seiner Ländstände um Ent 
lassung aus der Gefangenschaft. Auf die dies 
bezüglichen Bitten der Landgräfin Christine und 
ihrer Söhne an den Kaiser ließ dieser den Bitt 
stellern ein Rechtfertigungsschreiben seines Ver 
fahrens übermitteln (26. November). Der Kaiser 
stellte dem Landgrafen Bedingungen, von deren 
Annahme seine Entlassung abhängen sollte. Als 
Philipp auf diese Bedingungen nicht einging, 
wurde seine Lage verschärft. Dem an Schwächung 
des Magens, Husten und Katarrh Leidenden 
wurde sein Leibarzt Megebach, sein Schreiber 
und andere Hausdiener fortgenommen und ihm 
nur ein Koch und zwei Edelknaben überlassen. 
Von Donauwörth wurde Philipp über Heilbronn, 
Schwäbisch-Hall, Speyer, Worms und Mainz nach
	        

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