Full text: Hessenland (9.1895)

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Mitregentschafts-Doppelthaler 100 Mark; 1860 
Thaler (Stempelglanz von polirter Platte) 25 
Mark; Hessen-Homburg, 1846 Dvppelgnlden 36 
Mark, vorzüglich erhalten 40 Mark; 1858 Thaler 
(Spiegelglanz von polirter Platte) 30 Mark.— In 
Hessen selbst giebt es eine große Zahl Sammler- 
hessischer Münzen, auch einige wenige außerhalb 
Hessens. Die Sammlungen dieser Liebhaber vater 
ländischer Geldstücke stammen zum Theil aus alter 
Zeit her, in der, wie oben ein Beispiel zeigte, die 
Preise gegen heute auffallend niedrig waren. 
Welcher Werth mag in manchen solcher Privat 
sammlungen stecken! Auch als todtes Metall haben 
sie ihre Zinsen demnach überreichlich getragen. 
P. W. 
Nochmals der „ahle Hoppch". Ein Freund 
unseres Blastes sendet uns zu der lustigen Ge 
schichte „Alleweil hawwe die Schauwe geschriwwe" 
(Nr. 1 des „Hessenlandes") eine Ergänzung bezw. 
Berichtigung, die wir um der „historischen Wahr 
heit" willen gern unsern Lesern mittheilen. Es 
heißt darin: „Der Miether des Logis bei Hoppch 
war nicht der Studiosus v. Schenck, der nichts 
weniger als ein „schlechter Bezahler" war, sondern 
ein Studiosus F. M., auf den diese Bezeichnung 
allerdings zutraf und der deshalb ausziehen mußte. 
F. M. hatte bei Hoppch, wie das damals — Ende 
der 50 er Jahre — üblich war, das Logis auf ein 
Semester, das folgende, gemiethet, da die „Schauwe" 
nach Leipzig — nicht nach Amerika — gingen. 
Nach Amerika gingen die Gebrüder Schaub erst später. 
In den Ferien erfuhr nun Hoppch, der, nebenbei 
bemerkt, ein arger Wucherer-Pumpier war, daß M. 
ein sehr schlechter Bezahler sei und deshalb aus 
ziehen müsse! Das ging ihm stark an sein Wucher 
herz, und als M. mit Beginn des neuen Semesters 
einziehen wollte, empfing er ihn aus dem Hausflur 
mit den bekannten Worten: „Ewwe" oder auch 
„Alleweil rc." M. ließ sich aber durchaus nicht 
irre machen: er habe das Logis gemiethet rc., und 
drohte ev. mit Verrufs-Erklärung des Hoppch'schen 
Hauses! — Darob große Angst und Not bei Hoppch. 
M. zog ein und wohnte das ganze Semester 
bei H. — Er war groß im Kopiren origineller 
Personen, Stimme, Ton und Haltung rc. derselben 
wußte er unvergleichlich nach zu machen — so auch 
bei und mit „Hoppch", und da dieser sich über 
diese und noch viele anderen Geschichten furchtbar 
alterirte und ärgerte, so war dessen Witzen die 
Zukunft gesichert! — Die Sache mit dem Brief aus 
Amerika ist auch wahr, desgleichen die hunderte 
von Ständchen und Hc>ppch's konstante Schimpf- 
worte rc., indessen haben hierbei die „Teutonen" 
— M. gehörte keinem Corps an — nicht mehr und 
nicht weniger gethan, als alle arideren Studenten 
und — Philister. — Ich kaun die Wahrheit 
meiner Berichtigung Ihnen um so mehr erbringen, 
als die Geschichte in meiner Studentenzeit und in 
meiner Nachbarschaft sich ereignete nitb ich selbst 
hunderte Male mitgesungen habe; außerdem habe 
ich aber auch noch bei ein paar Bekannten aus 
jener Zeit Erkundigung des Ueberflusses halber 
eingezogen, die meine Darstellung genau bestätigen. 
W. 
Kurzes Verfahren. Zwischen den Fürst 
äbten von Fulda und den Herren von Trümbach 
und von Meysenburg war lange Zeit Streit ge 
wesen wegen der Oberhoheit über das Torf Wehrda. 
Diesen beendete der Fürstabt Amand von Buseck, 
der erste Fürstbischof, dadurch, daß er den Stock 
des Halseisens, das das Zeichen der obersten Ge 
richtsbarkeit war, durch Bewaffnete im Jahre 1746 
mit Gewalt entfernen ließ und dadurch die Ober 
hoheit des Fuldaer Fürsten über das Dorf Wehrda 
zur Geltung brachte. 3. 5. 
F r a n z Dingelstedt. Nicht ohne Interesse 
lesen wir, was Drexler-Manfred in seiner „Muse" 
über F. Dingelstedt sagt: „Er war ganz und gar- 
königlich bayrischer Hoftheaterintendant, der diese 
Reise (1855) machte, und den ich jetzt wiedersah, 
Engagements und Jnszenirungen im Kopfe, von 
Gastspiel-Suchenden persönlich imb schriftlich be 
lagert, die große Sorge um die kleine Bretterwelt 
mit sich schleppend durch fremde Städte, während 
ich ihn zum letzten Mal vor zehn Jahren gesehen, 
als unabhängig Reisenden, sinnig, frei und witzig 
in seiner Beobachtung, bedacht für die pikante 
Tagespost der Allgemeinen Zeitung', indessen ihn 
jetzt der Gedanke an die Tageskosteil oft bedenklich 
macht. Dingelstedt ist, was man so nennt, ein 
großer Herr geworden, wozu er ehedem schon alle 
Airs hatte; er ist präzis, entschieden und praktisch, 
wie ein Mann, der sich als die erste Instanz 
seines Wirkungskreises fühlt; er hat sein neues 
Terrain mit Geisteskraft, Umsicht und großem 
Glück erobert, dabei aber die seine Beobachtung 
und bereitwillige Würdigung fremder Strebungen 
behalten und besitzt den ehrenwerthen Egoismus, 
das Gute, das er anderwärts findet, zum Besten 
seines eigenen Rayons auszubeuten. Sein Inneres 
itnb Aeußeres ist ernster gewordeil; jenes zurück 
haltender durch Erfahrung, strenger, aber doch mit 
durchblickender Wärme, Innigkeit und Humor, 
dieses hat die elegante Manier des Weltmanns in 
die gemessenere des Hosmannes verwandelt; der Dichter- 
ist ein Historiker geworden. Ich freue mich stets
	        

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