Full text: Hessenland (9.1895)

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Feindseligkeit gegen die Gesetze, was sicherlich eine 
mit der gesellschaftlichen Ordnung und der Sicher 
heit des Staates unvereinbare Handlungsweise ist. 
Eine Wache nahm daher Inan energisch beim 
Arme und sagte: 
„Sie da, gehen Sie augenblicklich nach Hause 
und stellen Sie sich in keiner Straße mehr aus!" 
„Aber ich thue doch Niemanden etwas zu leide!" 
„Sie versperren den Weg, vorwärts — vor 
wärts, wenn Sie nicht ans die Wache wollen." 
Es ist wirklich ein Trost, zu gewahren, mit 
welcher Sorgsalt die herrschende Macht die^ öffent 
lichen Wege immer rein von blinden Sängern 
hält, unb ich meine, wenn auch Viele das Gegen 
theil behaupten mögen, daß es auch erfreulich sein 
dürste, sie ebenso gesäubert von Dieben und 
Mördern zu sehen. 
(Schluß folgt.) 
Aus alter und »euer Zeit. 
Einige jetzige Preise hessischer Münzeu. 
Jeder Münzsammler weiß, daß die Münzpreise 
stetig in die Höhe gegangen sind, besonders in den 
letzten Jahren. Wenn C. Schwalvach in seinem 
Thalerbuche 1883 die abgebildeten 24 Münzen ; 
(besonders schöne und seltene Stücke voll etwa 100 
Mark Nennwerth) mit über 600 Mark bewerthete 
in der Vorrede zur dritten Auflage (1890) aber ! 
schon als etwa 5000 Mark werth bezeichnet, so j 
wird er in der vielleicht im nächsten Jahre schon 
erscheinenden fünften Auflage den Werth wohl ! 
wieder erheblich höher angeben können; hat doch 
z. B. der Braunschweiger Probe-Doppelthaler von 
1849 in der Reimann'schen Auktion 1790 Mark, 
vor Kurzem*) in der Meyer'scheu Auktion (bei 
Adolf Heß Nachfolger in Frankfurt a. M.) 1700 
Mark eingebracht und wird im neuesten Preis- 
verzeichniß (Nr. 60) der Firma Zschiefche & Köder 
in Leipzig für 1800 Mark angeboten. Das gleiche 
Schicksal der hohen, manchmal schwindelnd hohen 
Preise haben auch die hessischen Münzen gehabt, 
die Sammler hessischer Münzen empfinden das 
sehr an ihrem Geldbeutel. Es klingt ihnen wie ein | 
Märchen aus alten Zeiten, ivenn I. Hoff m e i st e r 
in seinem bekannten Münzwerk 1857 von dem 
1789er Doppelthaler des Landgrafen Wilhelm IX. 
von Hessen-Kassel sagt: „ .... ich habe in der 
That außer dem in meiner Sammlung befindlichen 
Exemplar nur noch drei weitere gesehen und kennen 
gelernt, von denen sich das eine in dem kur 
fürstlichen Museum zu Kassel, das zweite in der 
Sammlung der herrschaftlichen Münze daselbst und 
das dritte in dem Besitze des Bankier Julius Hahlo 
ebendort befindet, welcher letztere es zu dem hohen 
(!) Preise von sechs Thalern erstanden hat." (Es 
sind nämlich angeblich nur sechs Stück geprägt 
worden.) Damals 18 Mark und heute, 37 Jahre 
später? In der vorgenannten Meyer'schen Auktion 
ging das Stück für 405 Mark weg! Einige andere 
hohe Preise hessischer Münzen von dieser Auktion 
werden unsere Leser interessiren. Nachdem die 
Staaten des deutschen Zollvereins nebst Oesterreich 
und Liechtenstein den Münzvertrag vom 24. Januar 
1857 geschlossen hatten, wurden die Vereinsthaler 
geprägt, in deren Randschrift zum Theil dieser 
Münzvertrag angegeben ist, z. B. aus den groß 
herzoglich hessischen. Nur auf den allerersten 
Stücken dieses Staates (angeblich waren es nur 
Proben) steht „Convention" statt „Münzvertrag". 
Ein solcher Thaler wurde bis 1350 Mark ge 
steigert. (Zschiefche & Köder setzen 1400 Mark 
als Preis fest.) Ein dicker Doppelthaler des Land 
grafen Wilhelm II. von Hessen vom Jahre 1502 
brachte 800 Mark ein. Für einen Sterbe-Doppel 
thaler (1626) des Landgrafen Ludwig V. von 
Hessen-Darmstadt wurden 155 Mark gezahlt. Die 
Käufer waren hierbei durchweg Händler, die natürlich 
diese Stücke wieder theurer verkaufen, wenigstens 
theurer verkaufen wollen. Hohes Interesse er 
regten auch (eigentlich ohne Berechtigung) die von 
dem damaligen Kasseler Münzgraveur Körner 
privatim geprägten Miniaturen (in Linsengröße) 
von Münzen des Landgrafen Friedrich II. von 
Hessen-Kassel, acht goldene, zwanzig silberne und 
sechs kupfere, in Originalbüchse. Ein Privat 
sammler erstand sie für 130 Mark. Weitere 
Preise waren: Hessen-Kassel, Landgraf Wilhelm V., 
1627 Thaler 73, 71, 48, 47, 42 und 21 Mark; 
zwei Weidenbaumthaler 1628 zusammen 27 Mark; 
ein dsgl. Doppelthaler 95 und (1630) 96 Mark; 
Friedrich II , 1775 ein Eddergolddukaten 75 Mark; 
Kurfürst Wilhelm I , 1813 Probe-Speziesthaler 
89 Mark; Hefsen-Darmstadt, Großherzog Ludwig III. 
als Erbgroßherzog, 20. Dezember 1843 Konzert 
gulden 53 Mark. Von älteren Stücken trage ich 
noch nach: Philipp der Großmüthige, 1539 Thaler 
71 Mark; 1564 dsgl. 80 und 82 Mark; Moritz 
der Gelehrte, 1594 Thaler 94 Mark. Nun mögen 
noch einige Preise aus dem oben genannten Ver 
zeichniß der Firma Zschiesche & Köder folgen: 
Hessen-Darmstadt, 1866 Thaler (Stempelglanz von 
| polirter Platte) 15 Mark; Hessen-Kassel, 1847 
0 26. November bis 5. Dezember 1894.
	        

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