Full text: Hessenland (9.1895)

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Der Heßen Fürst, Ludwig der zweyte 
der Halmwordeshusen umschloß 
im Kriege mit Paterborn weyhte 
es Hessen, sammt Xmeirenbergs-Schloß. 
Die letzten der Äbte jetzt kamen 29 ) 
Als Herr wird bald Philipp erkannt 
Das Städtchen verändert den Nahmen 
nun Helwordeshusen genannt. 
Doch Moritz der Landgras von Hessen 
tilgt Diedrichs Ansprüche nun 30 ) 
Vergangenheit wird ganz vergeßen 
und Paterborns Ansprüche ruhn. 
Bis hierhin im Wohlstand gewesen 
weicht plötzlich das beßre Geschick, 
und schwerlich wird jemals genesen 
das Städtchen zu früherem Glück! 
Im Kriege der dreysig Jahr währte 
erlitt Helmarshausen viel Noth 3J ) 
denn Tilly's Arm schrecklich verheerte 
Das Städtchen durch Brand und durch Todt. 
Und kaum jene Üebel gebeßert 
die dreysig Jahr Krieg ihm gebracht 
wird thörigt sein Sinken vergrößert 
Das — Beßere — wird nicht bedacht! 
Aus Frankreich geflüchtete kommen 
zur Weser, zur Fulda und Lahn 32 j 
vom güthigen Fürst aufgenommen 
weist Pari ihnen Wohnplätze an. 
Er will Helmarshausen erweitern 
hierhin sollen Flüchtlinge ziehn! 
es soll sich das Städtchen erheitern 
Durch Schiffarth und Handelsstand blühn! 
Der Plan mit bem Baue gehörte 
ursprünglich fürs Städtchen zum Glück 
Doch Eigensin Einzelner störte 
Paris Plane und wiest sie zurück! 
Er wollte die Bürger nicht zwingen 
nur Rathender wollte er seyn 
sie sollten sich Wohlstand erringen 
Durch Feldbau und Schiffahrt Verein! 
Doch endlich so wurde Parlshaven 33 ) 
zum Ufer der Weser gesetzt 
und leyder! die Worte Paris trafen 
„Ihr selbst habt das Schwerdt euch gewetzt." 
Sie mußten manch Grundstück entberen 
auch mehrte den Luxus — der Ort 
— es schlich nun — wer konnte es wehren 
nach Sieburg manch Ackeret)en fort! 
Doch neue Unfälle bereiten 
Dem Städtchen viel Kosten und Noth 
es mußte unendlich viel leyden 
lind kärglicher wuchs nun sein Brodt! 
Es minderte jene der Fehden 
die Sieben Jahr Preussen bestand 34 ) 
den Wohlstand der Bürger! — die Schäden 
des Krieges bezahlte ihr Land! 
Jetzt war es im Wohlstand herunter 
verloschen der Schimmer von Flor 
Das weitere Sinken kein Wunder, 
je länger, je mehr es verlohr! 
Der Bau einer Brücke verwendet 
die letzte noch zuckende Kraft 
die Wälder selbst werden verpfändet 
nur war jede Hülfe erschlaff. 
Nun kamen die furchtbaren Zeiten 
die Frankreichs-Bedrückung einst gab 3 ff 
auch da sank durch mancherley Leydell 
das Städtchen zur Armuth herab. 
Die Stämme, die reich sich sonst fühlten 
jetzt sind sie durch Schicksaal gedrängt! 
Die Hunger der Armuth sonst stillten 
! sehn sorgend ihr Hüttchen beengt! 
So wechselt im Strome der Zeiten 
Der Wohlstand — Die Ruh' — und das Glück — 
was 1000 der Jahre bereiten 
weicht oft schon in 100 zurück!!! — 
Bemerkungen. 
’) Das Hauß Nr. 6, nach alter Rechnung. 
*) Tyr, der Gott des Krieges, bet) den alten Deutschen, 
er war ein Untergott. 
0 Herrmann, Heerführer der Deutschen gegen die 
Römer. 
0 Bardiet, ein Gedicht über die Thaten der Vor- 
fahren. Es wurde bey den Deutschen in den Schlachten 
gesungen, um den Muth zu beleben. 
y Varus, der Befehlshaber der Römer. 
°) Die Deutschen erkämpften in dieser sogenannten 
Herrrnanns-Schlacht im Teudenburger Walde im Lip- 
pischen 11 Stunden von Helmarshausen entfernt, die 
Freyheit von Rom. — 
7 ) Wo das heutige Lauenförde ist, da sollen die 
Römer damals die Weser paßirt seyn, — es liegt 1 Stunde 
von Helmarshausen und Alt Cöllen. 
8 ) Wodan, der Erste Gott bey den Deutschen. 
°) Zur dankbaren Erinrung an Eimer und seine 
Nachbarcn, — Elmeri, auch Eimer. 
I0 ) Diese Fischerkothen deren Plätze noch alle bebaut 
sind, geben keine Rauchhühner, Zehntgeld von jungen 
Gänsen und Schweinen, sind auch von dem eintägigen 
Sichert und resp. Fuhrdienst befreyt. 
Diemel und Weser Fischfang, ungeheure Wiesen 
und gewiß die beteudenste Jagt hatten sie.
	        

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