Full text: Hessenland (9.1895)

30 
Wünsch er':- Geschichte von Hessen. 
Von H u g o B r u n n e r. 
|(n diesen Blättern, und zwar in Nr. 24 des 
Jahrgangs 1893, ist eine Besprechung des obigen 
j Werkes erschienen, die nach einigen Ausstellungen 
und Einwänden zu dem Schlüsse kommt, das 
Buch sei „die zur Zeit beste Geschichte von 
Hessen". Der Herr Referent mag mit diesem 
vorsichtigen Ausspruche nicht ganz Unrecht haben, 
denn eine wirklich einwandfreie, dazu lesbar ge- 
fchriebene hessische Geschichte soll noch erscheinen, 
und so mag dem Werke Münscher's unter den 
verschiedenen, neuerdings auf den Markt gebrachten 
Kompendien unserer vaterländischen Geschichte 
vielleicht die erste Stelle zukommen. Allein 
im Allgemeinen können wir doch nur der ur= 
sprünglichen Ansicht des ersten Herrn Referenten 
beipflichten, daß durch das Erscheinen dieser neuen 
Darstellung unserer vaterländischen Geschichte einer- 
späteren, wirklich guten Bearbeitung wiedernin 
ein gut Theil Boden für Absatz und Verbreitung 
entzogen werde. Unsere Ansicht werden wir im 
Folgenden näher begründen. 
Die Herausgeber des vorliegenden Werkes, das 
nach des Verfassers Tode erscheint, sagen in der 
Ankündigung dazu, daß „es nicht nur Pietäts- 
psticht sei, den Landsleuten Münscher's dessen 
Werk nicht vorzuenthalten", daß vielmehr auch 
„diese Arbeit dem lebhaften Bedürfniß nach einer- 
wirklich lesbaren Geschichte Hessens entgegenkomme". 
An diesen Worten ist soviel richtig, daß das Be 
dürfniß nach einer wirklich guten und brauch 
baren, auf ein gewisses Maß beschränkten hessischen 
Geschichte thatsächlich vorhanden ist. Ob aber 
das vorliegende Werk diesem Bedürfniß in besserer 
*) Wir geben diesem Aufsatz unseres geschätzten Mit 
arbeiters gern Raum, da wir der Meinung sind, daß eine 
„Geschichte Hessens" gerade in diesen Blättern eingehend 
behandelt zu werden verdient. Das etwas verspätete Er 
scheinen wurde durch äußere Gründe veranlaßt. 
Der volle Titel des besprochenen Werkes lautet: 
Münscher, Friedrich. Geschichte von Hessen. Für 
Jung und Alt erzählt. Marburg (Elwert) 1894. XII 
und 550 S. 8. Preis M. 6,00. 
Tie Redaktion. 
Weise abhilft als es in den letzten Jahren durch 
zahlreiche andere „Historiker" versucht worden ist, 
das ist eine Frage, welche entschieden verneint 
werden muß. Wenn man die Berechtigung zu 
dem Erscheinen des Münscher'schen Buches lediglich 
daraus herleitet, daß es nicht, gleich dem einen 
oder anderen, neuerdings erschienenen ähnlichen 
Geschichtswerk, in bedenklichem Deutsch geschrieben 
ist, so ist dieser Vorzug allein doch nicht hin 
reichend, die übrigen zahlreichen Mängel, ius- 
besondere den der genügenden Bekanntschaft mit 
dem Stoffe selbst aufzuwiegen. Betrachten wir 
das Münscher'sche Werk unter diesem zuletzt ge- 
nannten Gesichtspunkte, so dürfen wir es in drei 
Theile zerlegen: der eilte reicht voll der Urzeit 
bis zur Trennung Hessens von Thüringen (1247) 
uird ist durchaus ungenügend; der andere läßt 
sich bis zur Thronbesteigung Kurfürst Wilhelm's II. 
i. I. 1821 erstrecken und muß inhaltlich als 
dürftig bezeichnet werden; der dritte Theil, vom 
! Jahre 1821 bis zum Ende des Kurstaates reichend, 
umfaßt die eigenen Lebenserinnernngen des Ver 
fassers; er darf, abgesehen von einer hier lind da 
hervortretenden, auch im übrigen Buche zuweilen 
störend wirkenden philisterhaften Anschauuugs- 
weise, sowohl nach Form wie Inhalt als ziemlich 
gelungen, ja in mancher Hinsicht als interessant 
gelten. Auf ihn hätte man sich beschränken 
sollen! 
Ehe wir des Näheren auf das Werk selbst ein 
gehen, müssen wir zunächst eilte. Frage erörtern, 
welche für die hessische Historiographie von grund 
sätzlicher Bedeutung ist: nämlich die, ob es ge 
rathen erscheint, die Geschichte beider Hessen 
in einem und demselben Geschichtswerke zil 
vereinigen. Münscher hat es, vermuthlich nach 
Rommel's Vorgang und vielleicht auch mit Rück 
sicht auf etwaigen Absatz des Werkes in Hessen- 
Darmstädtischen Leserkreisen, gethail, indessen u. E. 
dem Ganzen dadurch feinen sonderlichen Dienst 
geleistet. Denn in Wirklichkeit entstehen für die 
Zeit von 1567 an zwei vollständig getrennte
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.