Full text: Hessenland (9.1895)

336 
Feierlicher, abgeschlossener, unnahbarer beim 
heute schien der Wald, an dessen Rand ein kaum 
wahrnehmbarer Pfad entlang führte bis zur 
Kohlenstraße hin. Wie weltfern, wie heilig still 
am Sommernachmittage dort! Ueber das weite 
Thal schweifte das Auge hinüber nach unsrer 
Stadt. Die Gärten des Weinberges und hier 
und da ein vereinzeltes Hans in deren Grün, 
das war's, was man von Kassel sah, aber man 
wußte: dort ruhte es schlicht und traut im schönsten 
Rahmen lieblicher Umgebung. Ja, da droben 
am Waldesrande: 
Da stand ich oft und immerwieder 
Und sah in das geliebte Thal 
Und blickte auf und schaute nieder 
Und hätte gern mit einem Mal 
Der Heimath Herrlichkeit gewonnen 
In einem Bilde hehr und rein, 
Das, nimmermehr in mir zerronnen. 
Lebt in des Herzens Altarschrein! 
Ans alter und neuer Zeit. 
Wappensprüche althessischer Städte. In 
der Kasseler Landesbibliothek befindet sich ein vom 
Verfasser eigenhändig niedergeschriebenes Exemplar 
der noch heute nngedrnckten Chronik: „Das edle 
Kle inod an der Hessischen Landescrone 
oder Vorstellung der fürstlichen Residentz 
Rotenburg an der Fulda mit ihrem be- 
rühmten Rittersaal und allen darinnen 
abgebildeten Stammwappen . . ." von 
Friedrich Lucne, des Stifts St. Elisabeth 
Dechanten und der Kirchen St. Jacobi Oberpsnrrer 
zu Rotenburg an der Fulda (geboren zu Brieg 
in Schlesien am 2. August 1644, gestorben zu 
Rotenburg am 14. Mai 1708), die von dem 
Tochtermann Lncae's, dem Diakonus Rübenkönig 
zu Homberg, im Jahre 1730 für 20 Thaler in 
den Besitz des Kanzleidirektvrs Johann Christoph 
Kalckhosf, genannt Daum, zu Rotenburg (1684 
bis 1752) gelangte und aus dessen Händen ver 
muthlich an die Bibliothek überging. Das 9. Kapitel 
dieses Geschichtswerkes, welches unter der Ueber- 
schrift: „Von dem großen Ritter-Saal und dessen 
Zierathen nach allen vier Seitenwänden" eine 
ausführliche Beschreibung des jetzt längst nicht 
mehr vorhandenen Saales giebt, von dem der 
Fortsetzer des gelehrten Martin Zeiler, Hiero 
nymus Dicelius in seiner Reichs-Geographia 
und Genealogia, Leipzig 1696, S. 1198, gestand, 
daß außer betn königlichen Prager Saal in 
Deutschland dem Rotenburgischen keiner mit seiner 
Größe gliche, führt auch die im Saale unter den 
Wappen des hessischen Adels und der hessischen 
Städte angebrachten erläuternden Wappensprüche 
aus. Aus der Reihe dieser immerhin bemerkens 
wertsten Wappensprüche des Rotenburger Schloß 
saales, die im Wesentlichen bereits in dem immer 
seltener gewordenen hessischen Wappen buch des 
W ilh e lin Wessel, Kassel 1621, abgedruckt sind 
seien hier von denen) welche ans die hessische, 
Städte Bezug haben einige wörtlich wiedergegeben: 
K a s s e l. 
Die Stat Cassel in ihrem Schildt 
führet ihre Kleeblätter mild, 
ein starcker Balck durch die hingeht, 
recht thun vor Gott blüht und besteht. 
M a r b u r g. 
Marpurg ein Ritter ans dem Pferd 
geharnischt, so aller Ehren werth, 
Staudart am Löwen samt dem Schild 
führt prächtig in dem Wapenbild. 
Bei W esset: 
Die Stadt Marpurgk vorzeiten war 
ein Margk und Grenzburgk offenbahr. 
Daher sie führt zu Pserdt ein Mann, 
Lob hats vors Vatterland bestahn. 
E s ch w e g e. 
Die Stat Eschweg Eschzweige führt 
im roten Feld-, wie sichs gebührt. 
Wer Gottesfurcht und Tugend liebt, 
Demselben Gott Gedeyen gibt. 
S ch m alkalde n, 
Die Stat Schmalkalden hat ins Feld 
ein schön gebaute Burg gestellt. 
Vor der das Hessisch Wapen ist. 
Die rechte Burg ist Jesus Christ. 
Gießen. 
Der Buchstab Ge ein Löwen hat 
in seiner Mitten stehen 
Das Wapen führt Gießen die Stadt, 
gerecht sein, thuet fortgehen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.