Full text: Hessenland (9.1895)

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weniger verstärkt. Zur Hirschfeifte in 1532 
trafen z. B. am 3. August zwei Jägermeister 
mit ihren Knechten, ein Jäger und ein Küchen 
schreiber hier ein, dazu zwei Jägerknechte und 
mehrere Hundeleiter; der Haupttrupp kam am 
5. August mit dem Landgrafen selbst. Aehnlich 
geschah es im September, als der Fürst mit 
18 Pferden im nahen Kehrenbach den Hirschen 
nachging und im Oktober, November und Dezember 
bei den Wolfs- und Saujagden. 
Die Besoldung der Förster und Jäger bestand, 
dem damaligen Gebrauche entsprechend, meist in 
Naturalien. Mitunter wurde auch eine Geld 
entschädigung gewährt, wie 1428 den drei Förstern, 
die 6 Pfund und 2 Schilling zu grauem Tuch 
für Röcke erhielten. Den auswärtigen Jägern 
ersetzte man die Zehrungskosten, wenn nicht die 
Verpflegung in Natur geliefert wurde. Was so 
ein Jäger verbrauchte, zeigt am besten das Beispiel 
des Rehjägers von 1532. Er verazte mit seinen 
Hunden vom 4. bis 22. Februar und 16. bis 
21. März 2% Viertel Korn und 5 Viertel 
10 Metzen Hafer, vom 11. April bis 10. Juni 
15 Viertel Korn und 14% Viertel Hafer, vom 
23. November bis 7. Dezember 1 fl. 7 Alb. baar, 
4 Metzen Korn und 4 Metzen Hafer. Als der 
Teichmeister von Kassel den Lichtenauer Teich 
ausließ, um Setzfische zu holen, verbrauchte er 
für sein Pferd 8 Metzen Hafer, für sich selbst 
in fünf Tagen 5 Albus. Die Rechnung des 
Wasserhüters für eine siebentägige Befischung der 
Wehre betrug 6 Alb. Ein Albus für den Tag 
scheint überhaupt der Durchschnittssatz für Ver 
köstigung gewesen zu sein. Glückliche Zeiten! 
Daß auch der altgedienten, in den Ruhestand 
versetzten Forstleute nicht vergessen wurde, bezeugen 
mehrfache Ausgabeposten in den Amtsrechnungen. 
So bezog um 1530 der alte Holzförster jährlich 
8 Ellen graues Tuch im Werthe von 1 fl. 
10 Alb., die ihm der Landgraf, so lange er noch 
lebte, zugesichert hatte u. s. f. 
Nachrichten von einer förmlichen Verwaltungs 
behörde, einem „Furstampte" zu Reichenbach (der 
heutigen Oberförsterei entsprechend) finden sich 
zuerst 1472. Eines Oberförsters (Laudforstmeisters 
im heutigen Sinne) geschieht 1532 Erwähnung. 
Er hatte seinen Wohnort in Kassel und kam nur 
ab itnb zu hierher. 
Erst mit Ausgang des 16. Jahrhunderts ver 
loren die Waldungen im Amte Lichtenau ihre 
Bedeutung als Leibgehege. Wohl fanden hin 
und wieder noch fürstliche Jagden darin statt, 
aber nicht mehr voll hier, sondern von Spangen 
berg aus, und mit Beginn des 17. Jahrhunderts 
hörten sie so gut wie ganz auf. 
Vom alten Kassel 
Von Jeanette Bramer. 
(Schluß.) 
1t sonnigen Frühjahr-, Herbst- und schönen 
J\ Wintertagen bot der Königsplatz einen An- 
^ v blick so eigenartig belebt, daß Erinnerung sich 
dieses Bild gern zurückruft. — 
Was die Oberneustadt an Kindermädchen, 
Wärterinnen imb Kindern unter sechs Jahren 
auszuweisen hatte, das strömte an solchen Tagen 
nach dem vortrefflichen Platze. Kinderwagen, wie 
sie heut zu Tage als selbstverständlich gelten, 
hatten die rosa, himmelblauen und eitronengelben 
„Packmäntel" noch nicht verdrängt. Die dem 
Leben entgegenstrebenden Hessenkinder saßen sehr 
fest und sehr warm in diesen, seit Urväterzeiten 
gebräuchlichen, Hüllen und freuten sich, keiner der 
Gefahren ausgesetzt zu sein, welche den Insassen 
der modernen kleinen Equipagen drohen. — 
Wohin man sah auf der weiten, kreisrunden 
Fläche, überall traf das Auge auf Gruppen von 
eifrig sich unterhalsenden Mägden, älteren Frauen 
(immer hervorleuchtend die Schwälmerin in ihrer 
reichen Tracht) und auf suchende Mütter, welche 
letztere ihren Spaziergang über den Königsplatz 
nahmen, um sich zu überzeugen, daß Trinchen, 
Lieschen oder Marthchen auch wirklich nirgends 
sonst als aus der großen, gesunden Kinderstube 
mit ihren Pfleglingen weilten. 
Aeltere Kinder, dem Packmantel entwachsen, 
spielten zwischen den Gruppen umher, ach, so ge 
fahrlos, wer hätte damals Schienen und Dampf 
wagen, mit dem Königsplatz in Verbindung, auch 
nur denken können!! 
Einige sehr beliebte Sitzplätze boten die vor 
springenden Steinstufen der rings um den Königs 
platz stehenden Häuser. Um 4 Uhr, nach Schul 
schluß, begann ein erhöhtes Leben und Treiben. 
Die Schulen der Wolssschlucht, der Kölnischen
	        

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