Full text: Hessenland (9.1895)

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Recht, daß „die Kunde von ihrem Vorhandensein 
längst wieder verhallt" ist. Wo mögen die Posern'- 
schen Exemplare hingekommen sein? Aus allen 
diesen Gründen und wegen ihrer hohen Seltenheit 
sind denn auch die beiden Stücke aus der (leider 
noch nicht erschienenen) Tafel 121 der „Blätter 
für Münzfreunde" (Fig. 1 und 2) abgebildet 
worden. 
Die Zusammcusetznug des Fundes ermöglichte 
nun aber auch eine Zeitbestimmung hinsichtlich der 
Prägung (gleich den Lndwigsgroschen: vor 1440) 
und aus Grund dieser können beide Brakteaten 
mit Sicherheit dem Landgrafen Ludwig I. zn- 
gewiesen werden, demselben, der durch eine große 
Zahl von Groscheugeprägen numismatisch bekannt 
ist. (Hoffmeister beschreibt Bd. 1, Nr. 46/104, 
Bd. 3, Nr. 4450, Bd. 4, Nr. 5840/59, Bd. 5 
(Nachträge) Nr. 7069/78 und 80, im Ganzen 
72 crönichte Groschen und 19 Fürstengroschen 
Ludwigs I., ich besitze aber allein 14 crönichte 
Groschen und 3 Fürstengroschen, die nicht bei Hoff 
meister beschrieben sind). Daraus ergießt sich denn 
auch, daß den beiden Brakteaten ein anderer Platz 
in Hoffmeisters Münzwerke gebührt: nicht am 
Schluffe von Hessen-Kassel unter der Münzstätte 
Kassel (wo sie der Verfasser obigen Aufsatzes nicht 
gesucht hat), sondern unter Ludwig I. von Hessen 
(Bd. 1, zwischen Nr. 45 und 46). 
Mag auch denjenigen Lesern, die kein Interesse 
für Numismatik haben, nicht alles in meiner Mit 
theilung von Werth sein, so werden sie doch dem 
glücklichen Besitzer eines dieser seltenen Stücke das 
ihnen überflüssig Erscheinende zu Gute halten. 
Immerhin gebührt dieser Mittheilung wohl des 
halb ein Plätzchen im Hessenland", weil der 
besprochene Brakteat mit seinem übrigens auffällig 
hoch herausgetriebenen Jnnenkreise die älteste uns 
bekannte Münze ist, auf der Kassel als Münzstätte 
genannt wird. 
"g. Weinmeiller. 
* 
Jur Geschichte der Oberförsterei Hesstsch-Lichtenau 
Voll G u st a v Siegel. 
^Mller heute die stillen und einsamen Waldungen 
tjtt der Oberförsterei Hesstsch-Lichtenau hoch oben 
i aus der Wasserscheide zwischen Fulda und 
Werra durchwandert, denkt schwerlich daran, daß 
sie einst glanzvollere Tage gesehen. Xlnb doch 
ist dem so. Im Verein mit den angrenzenden 
Theileil benachbarter Oberförstereien (Meißner, 
Stölzingen, Spangenberg, Melsungen) bildete 
sie vornials ein Lieblingsrevier der hessischen 
Landgrafen, und, wahrlich, sie verdienten solchen 
Vorzug. Dichter und geschlossener lioch als zur 
Jetztzeit deckten sie das Gelände, das wiederum 
alle Bodengestaltungen von lichten Hochflächen 
bis zum schroffzerklüfteten Gebirge in sich ver 
einigte. Dazu war die Gegend voiil Hoflager in 
Kassel aus verhältnißmäßig leicht zu erreichen. 
Nicht zum letzten aber bargen die Forsten einen 
vorzüglichen Wildstand. Hirsche, Sauen uild 
Rehzeug waren zahlreich vertreten; auch Wölfe 
und Luchse bis in's 17. Jahrhundert hinein 
keine Seltenheit. 
Nachweislich jagten schon die ältesten Land 
grafen hier oben. Sie waren dabei keineswegs 
auf den herrschaftlichen Forst beschränkt. Auch 
in der Adligen (Meysenbuge, von Hundelshausen), 
der „Pfaffen" (Deutschorden) und Unterthanen 
Gehölz stand ihnen den Salbüchern (1454) 
gemäß die hohe Jagd ausschließlich zu. Als Ab 
steigequartier benutzten sie bis zum Ausgang des 
15. Jahrhunderts die feste Burg Reichenbach. 
Nachdem aber 1471 Landgraf Ludwig I. hier 
eines plötzlichen und geheimnißvolleu Todes 
gestorben war, zogen sie den Aufenthalt in 
ihrem bequemer eingerichteten Stadthause zu 
Lichtenau (dem nachmaligen Renthos, heute Sitz 
der Obersörsterei) dem aus der Veste vor. Auch 
die Beschränktheit der hier zur Verfügung stehen 
den Räume mag sic dazu gezwungen haben. 
Denn immer größer wurde das Jagdgefolge. Be 
reits von Ludwig II. (1458—1471) wird erzählt, 
er sei mit 500 Pferden zur Jagd geritten. 
Ebenso brachten Heinrich II. und Wilhelm II. 
zahlreiche Gäste mit. Landgraf Philipp erschien 
gleichfalls in der Regel mit stattlichem Gefolge; 
so 1527 zur Saujagd mit 66, 1538 einmal 
mit 71, dann mit 120 Pferden u. s. f. Häufig 
begleitete ihn zu jener Zeit der vertriebene 
Herzog Ulrich von Württemberg, dem er an 
seinem Hofe eine Zufluchtsstätte geboten hatte. 
Selbst die Landgräfin nahm ab und zu an 
den Freuden des Jagdaufenthaltes hier oben 
Theil.
	        

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