Full text: Hessenland (9.1895)

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Universitäts nach richte n. Die Akademie 
der Wissenschaften in Stockholm ernannte Pro 
fessor Dr. Adolf Fi ck zu Würzburg, unseren 
hessischen Landsmann, zum korrespondierenden Mit- 
gliede. — Der zum Nachfolger unseres berühmten 
Landsmanns, des Geheimen Medizinalraths Professor 
Dr. König in Göttingen ernannte Professor der 
Chirurgie, Geheime Medizinalrath Dr. Heinrich 
Braun zn Königsberg (aus Gr.-Beerfelden im 
Großherzogthum Hessen, geboren 1847) war vor 
seiner Berufung nach Königsberg in gleicher Stellung 
in Marburg thätig. — Der erste Assistenzarzt an 
der Irrenanstalt zu Marburg Dr. med. Buch 
holz habilitirte sich als Privatdozent in der 
medizinischen Fakultät daselbst. 
Todesfall. Am 26. November verschied plötz 
lich der Kommissionsrath Banquier Heinrich 
Gustav Hassencamp in Frankenberg, nach 
dem er soeben noch in bester Gesundheit an den 
Verhandlungen des hessischen Kommunallandtages 
theilgenommen hatte. Das Hinscheiden des rüstigen 
Mannes, der viele Ehrenämter bekleidete und 
wegen der Offenheit und Liebenswürdigkeit seines 
Charakters, wegen seiner reichen Geistes- und 
Herzensbildung allgemeine Hochachtung und Zu 
neigung genoß, erregt in weiten Kreisen lebhafte 
Theilnahme. 
Anknüpfend an die Anzeige in der vorliegenden 
Nummer des „Hessenlandes" weisen wir auch an 
dieser Stelle darauf hin, daß Hofbuchhändler 
Gustav Klaunig in Kassel nach Verkauf seines 
Sortimentsgeschäfts sein reichhaltiges Antiquariat, 
das aus dem Gebiete der hessischen Geschichte 
und Landeskunde ungemein gut versehen ist, 
unter der Firma Hessische Antiqnariats- 
buchhandlnng nach dem Karlsplatz daselbst ver 
legt hat. 
Kkssischt Bücherschau. 
Otto G e r l a n d, Paul, C harles und Simon 
Louis Du Rh. Eine Künstlerfamilie der 
Barockzeit. Stuttgart. Paul Neff's Ver 
lag. 1895. 184 Seiten. 6 Mark. 
Städte von einer gewissen künstlerischen Be 
deutung pflegen eine bestimmte Physiognomie zu 
zeigen. So steht Kassel unter dem Zeichen der 
Kunst des t7. und 18. Jahrhunderts. Barock, 
Rokoko und nicht am wenigsten der die letztere 
Kunstform ablösende Klassizismus haben hier einen 
entsprechenden und imponirenden Ausdruck ge 
funden, wie das schon von Gurlitt (Geschichte des 
Barockstils und des Rokoko in Deutschland, 
S. 98 — 100 und 438—445), sowie von Knack- 
fuß (Deutsche Kunstgeschichte II, S. 301 und 325, 
auch 274 über Wilhelmsthal) in eingehender Weise 
hervorgehoben und anerkannt ist. Allein, es läßt 
sich nicht leugnen, dem modernen ästhetischen Ge 
fühl steht der Barockstil mit seinen Nachfolgern etwas 
fremd gegenüber, und es bedarf historischer Er 
wägungen, um uns denselben verständlich oder gar 
ästhetisch schmackhaft zu machen. Von dieser Seite 
betrachtet ist das neu erschienene Buch von 
Dr. Otto Gerland mit der lebhaftesten Freude zu 
begrüßen. Denn indem uns hier die Entwicklungs 
geschichte der großen Kasseler Bauten, die mit der 
Lebensgeschichte einer hochbedeutenden Baumeister- 
familie, der Familie Du Rh, aus's Engste verknüpft 
ist, gegeben wird, lernen wir dieselben in ihrem 
historischen Zusammenhange verstehen und ihnen 
in dem Entwicklungsgänge ihrer Kunst den ihnen 
gebührenden würdigen Platz anweisen. Der Ver 
fasser selbst hat sich — mütterlicherseits mit der 
Familie Du Rh verwandt — der ästhetischen 
Werthschätzungen enthalten und diese den Kunst 
historikern vom Fach überlassen (vgl. S. 80 ff.), 
die ja auch, wie oben angedeutet wurde, längst zu 
Gunsten der von den Du Rys geschaffenen Bau 
werke ausgefallen sind. Fand er doch ein reiches 
Arbeitsfeld in den rein thatsächlichen Angaben, 
die über die Familie der Du Rys und ihre Wirk 
samkeit in Kassel mitzutheilen waren. Durch 
Gerland besitzen wir jetzt eine Abhandlung, die 
den oben zitirten Abschnitten bei Gurlitt als hoch 
willkommene Ergänzung dient. Vieles, was Gurlitt 
aus Mangel von Vorarbeiten nicht wissen konnte, 
neu beibringt. Manches berichtigt. So ist der von 
Gurlitt (S. 440) angenommene „unbekannte tüchtige 
Rokokomeister", der die Häuser Königsplatz 55 
und Friedrichsplatz 41 gebaut haben sollte, nun 
wohl für immer beseitigt (Gerland, S. 98 und 99, 
sowie 104 und 105) und das ehemalig Hessen-Roten- 
burgische Palais (Ecke Königsplatz — Königsstraße) 
endgültig S. L. Du Ry abgesprochen (Gerland S. 96. 
Gurlitt S. 442). Daß Charles Du Ry keine Reisen 
in's Ausland gemacht habe, wie Gurlitt S. 438 
annimmt, sondern nur in Kassel von seinem Vater 
und aus dem Collegium Carolinum vorgebildet sei, 
erfahren wir S. 23. Die Orangerie wird mit 
Gurlitt (S. 99) und Rommel (Zur Geschichte der 
französischen Kolonien in Hessen-Kassel, S. 52) 
gegen eine von Hoffmeister (2. Ausl, der Geschichte 
von Kassel von Piderit, S. 236) geäußerte und 
jeder Begründung entbehrende Ansicht Guernieri
	        

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