Volltext: Hessenland (9.1895)

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Me RegententlMigkeit Landgraf Wilhelms v i 
Von Dr. W. Grotefend. 
(Fortsetzung.) 
» es Landgrafen Bemü Hungen auf Herbeiführung 
einer Besserung der Verkehrsmittel erstreckten 
~ j sich laut den Verordnungen von 1651 und 1661, 
abgesehen von den Wegen und Stegen, noch weiter 
auf die Instandhaltung der Ströme und Flüsse, 
theils im Interesse des Handels und Verkehrs, 
theils in dem der Landesmelioration. Verschlemmte 
und bewachsene Abzugs- und Wassergräben, Weiher 
und Teiche, Ströme, Flüsse und Büche befahl er 
in ihren verstopften Engen, Krümmungen und 
an flachen Stellen auszuräumen und zu reinigen, 
die zerfallenen Ufer, Wehre und Schleusen an 
zubauen und zu befestigen, die über Gebühr er 
höhten oder erniedrigten und alle sonst dem Ab 
fluß hinderlichen Werke, Dämme und namentlich 
auch Wasser- und Mühlenbauten wegzuschaffen. 
Es sollte alles beseitigt werden, was das Wasser 
zum Stauen und infolgedessen zum Nachtheil der 
Anlieger zum Austreten bringen könnte. 
Der Landgraf dachte dabei vermuthlich auch 
an die Förderung der Flußschifffahrt. In einem 
Ausschreiben vom 29. November 1659 (H. L.-O. II, 
S. 570 s.) sprach er seine Besorgniß über durch die 
Frachtfuhrleute zu befürchtende Beeinträchtigung 
der Fuldaschifsfahrt aus. Der Fürst war 
nämlich damals besorgt, daß die Frachtfuhrleute 
aus denl Hessischen auf Veranlassung Münden'scher 
Handelsleute sich bewegen lassen könnten, in 
Münden Ladung zu nehmen und und dadurch die 
Schifffahrt des Fuldastromes und den Kasseler 
Stapel allmählich fast gänzlich lahm zu legen, 
„darüber dann die Schiffsleute zu Münden, wie 
auch diejenigen, so aus der Schlacht bei den 
Gütern Handreichung gethan und dadurch etwas 
verdienet, sich selbst höchlichst beschweren". Um 
einer ferneren Schädigung der Fuldaschifsfahrt 
vorzubeugen, verbot Landgraf Wilhelm den 
hessischen Fuhrleuten „zu Münden ohne sonderbare 
Noth, als da vielleicht die Fulda zu Winterszeiten 
zugefroren wäre und die Kaufleute gleichwohl 
ihrer Güter begehrten, zu laden und abzuführen", 
und befahl den Zollbeamten Gespanne „mit 
Bremer Gütern", die nicht im Besitz eines von 
der fürstlichen Nentkammer zu Kassel beglaubigten 
Erlaubnißscheines wären, anzuhalten. 
Mit dieser Anordnung bezweckte der Landgraf, 
dem Salzwerk zu Sooden bei A l l e n d o r f, das 
ihm sehr am Herzen lag, zu nützen. Die Fuhr 
leute aus dem Hessischen fanden bei Fuhren mit 
Bremer Waaren besseren Verdienst als bei solchen 
mit Soodener Salz und zogen es deshalb vor, 
in Münden, bis wohin dieselben zu Schiff geschafft 
wurden, Bremer Waaren zu laden, um sie weiter 
nach Süden zu verfrachten, als in Allendors 
heimisches Salz. Das Einschreiten des Landgrafen 
in diesem Punkte zeigt, daß er begreiflicherweise 
dem Merkantilismus der Fürsten seiner Zeit bis 
zu einem gewissen Grade ebenfalls huldigte, wofür 
es auch im klebrigen nicht an Belegen fehlt 
(H. L.-O. II, Vorbericht 8 77, S. 192, 196, 
358 f., 591, 599). Er huldigte dem Ausfuhr 
verbot- und Verkehrerschwerungssystem, jedoch nur 
insoweit, als er es zum Besten des Landes 
für unerläßlich hielt. Es fehlt keineswegs an 
Aeußerungen des Landgrafen im gegentheiligen 
Sinne (f. oben S. 254 s.), u. a. sprach er sich 
in seinem Edikt vom 14. Juli 1662 über 
den Fruchtverkauf außer Landes (H. L.-O. II, 
S. 606) dahin aus, es wäre zu wünschen, „diese 
Commercia könnte gleich wie sonst, also auch 
jetzt allenthalben ihren freien und ungehinderten 
Lauf haben". Im Einklang damit ließ der 
Landgraf die von ihm eingeführte Fruchtsperre 
nicht länger in Geltung bleiben, als er es für 
unumgänglich erforderlich hielt; noch kurz vor 
seinem Tode, am 8. April 1663, hob er die 
Sperre auf, damit man im Lande zu desto 
besseren Geldmitteln gelangen könne (H. L.-O. II, 
S. 611), ferner ergiebt sich des Landgrafen 
keineswegs einseitig beschränkter Standpunkt aus 
dem Umstand, daß er, wir wir soeben noch 
sahen, aus Hebung des Fremdenverkehrs, behufs 
Förderung von Handel und Wandel, erhebliches 
Gewicht legte (f. auch oben S. 283).
	        

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