Full text: Hessenland (9.1895)

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Aus Kcimath und Fremde. 
Des verstorbenen Julius W. Braun letztes 
dramatisches Erzeugniß, das sünfaktige Lustspiel 
„Schiller in Bau er dach", erlebte Sonn 
abend den 9. November zur Borfeier des Ge 
burtstages Friedrich Schillers im Königlichen 
Theater zu Kassel als historisches Genrebild 
seine erste Aufführung. Noch kurz vor seinem 
Abscheiden war der Dichter seitens der Intendanz 
der königlichen Schauspiele, die sich der bühnen 
schriftstellerischen Talente unserer engeren Heimath 
in dankenswerther Weise stets anzunehmen pflegt, 
von der Annahme seines Stückes benachrichtigt 
worden, es sollte seine letzte Freude sein. Die 
Aufführung zu erleben, war ihm nicht mehr be- 
schieden. Wenn in dem dem Verstorbenen im 
„Hessenlande" gewidmeten Nachrufe (Nr. 20, S. 274) 
der Hoffnung Raum gegeben wurde, die hessischen 
Landsleute würden der letzten Dichtung Braun's 
ihre Theilnahme nicht vorenthalten, so hat diese 
Erwartung nicht getäuscht. Dank des Inhalts des 
historischen Genrebildes, — die Wahl dieser Be 
zeichnung ist als recht passend zu bezeichnen —, 
seiner gefeilten Sprache, der sorgfältigen Ein 
studierung und der trefflichen Leistungen der mit 
wirkenden Künstler, vor allen des Herrn Kothe in 
der Titelrolle, war der Erfolg ein unbestrittener. 
Ohne hier weiter aus Einzelheiten einzugehen, sei 
doch hervorgehoben, daß dieser Erfolg zum großen 
Theile den umfassenden Studien zuzuschreiben ist, 
welche der Verfasser aus sein Werk verwandt hat, 
von denen selbst die mehrfach eingeflochtenen Episoden 
reichlich Zeugniß ablegen. Der Lokalton ist vor 
züglich getroffen, die Schilderung der Zeit in ihren 
politischen und literarischen Verhältnissen trefflich 
gelungen. Wünschen wir der Braun'schcn Dichtung 
deshalb gleich abgerundete Ausführungen auch an 
anderen angesehenen deutschen Bühnen! 
Zum Direktor der Nationalgalerie zu Berlin 
soll dem Vernehmen nach der Historienmaler 
Hermann Knacksuß, Professor an der Kunst 
akademie zu Kassel, in Aussicht genommen sein. 
Tie von dem Künstler im Aufträge Kaiser 
Wilhelms II. nach dessen Angaben angefertigte 
Zeichnung, welcher die Idee zu Grunde liegt, die 
europäischen Kulturmächte zur gemeinsamen Abwehr 
der vom Buddhismus aus Ostasien drohenden 
Gefahr auszurufen, ist jetzt mit der Unterschrift 
„Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter!" 
in der Reichsdruckerei aus heliographischem Wege 
nachgebildet worden, um der Oeffentlichkeit zu 
gänglich gemacht zu werden. 
Universitätsnachrichten. Der ordentliche 
Professor der Geschichte an der Universität Marburg 
Dr. Freiherr von der Ropp ist zum akademischen 
Mitglied und Vorsitzenden der „Prüfungs- 
Kommission für Archiv-Aspiranten" da 
selbst ernannt worden. 
Todesfall. Am 8. November verschied nach 
längerem, schwerem Leiden der Oberst z. D. Friedrich 
Wilhelm Freiherr von Lepel, geboren im 
Jahre 1833 zu Darmstadt, ein tüchtiger Offizier und 
liebenswürdiger Charakter. Oberst von Lepel hat 
die Feldzüge in Baden 1849, gegen Oesterreich 
1866 und Frankreich 1870/71 in rühmlichster Weise 
mitgemacht und wurde mehrfach für seine Dienst 
leistungen durch Verleihung hoher Orden aus 
gezeichnet. Seit 1880 Kommandeur des Schlesischen 
Husarenregiments Nr. 2 ließ sich Oberst von Lepel 
1885 aus Gesundheitsrücksichten zur Disposition 
stellen, um sich nach Kassel zurückzuziehen. Bei 
der letzten Erneuerung der Mitglieder des Stadt 
rathes der Residenzstadt Kassel durch das Ver 
trauen seiner Mitbürger in denselben berufen, 
brachte er den städtischen Angelegenheiten lebhaftes 
und reges Interesse entgegen und nahm es mit 
der Erfüllung der Pstichten seines neuen Ehren 
amtes besonders streng, sodaß er sich bald der all 
gemeinen Anerkennung seiner Kollegen und Mit 
bürger zu erfreuen hatte. 
Hessische Bücherschau. 
Soeben erschien: 
Zeitschrift des Vereins für hessische Ge 
schichte und Landeskunde. Neue Folge. 
Bd. 20. (Der ganzen Folge 30. Bd.) Kassel 
1895 — sowie 
Mittheilungen an die Mitglieder des Ver 
eins für hessische Geschichte und Landes 
kunde. Jahrgang 1894. Kassel 1895. 
Ter in diesem Jahre besonders stattliche Band 
der Zeitschrift (470 Seiten nebst mehreren Tafeln 
und Tabellen) enthält die folgenden sehr werth 
vollen Aufsätze: I. Geschichte der Deutschordensballei 
Hessen nebst Beiträgen zur Geschichte der ländlichen 
Rechtsverhältnisse in den Deutschordenskommenden 
Marburg und Schiffenberg. Von CarlHeldmann 
(in Nr. 19 des „Hessenlandes" bereits besprochen). 
II. Tagebuch aus dein Feldzuge in die Champagne 
1792 von Hans Ephraim von Stamsord. Von 
Carl von Stamsord. III. Zur Geschichte des 
Gerichts Viermünden und seiner Geschlechter. Von 
August Held mann. IV. Landgraf Heinrich I.
	        

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